Kirchenvorstand

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created at: 2011-07-15
Last major update at: 2011-09-21
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Gemeindeleitung, Kirchenvorstand
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Der Kirchenvorstand / Gemeindekirchenrat leitet mit dem Pfarramt die Gemeinde

Der Kirchenvorstand – die Leitung der Gemeinde

Die Bezeichnungen für das leitende Gremium einer Kirchengemeinde unterscheiden sich je nach Landeskirche: Kirchenvorstand, Presbyterium oder Kirchengemeinderat - um einige zu nennen. Unterschiedlich sind auch die in der jeweiligen Verfassung festgeschrieben Aufgaben, Zusammensetzungen und Funktionen der Leitungsorgane. Allen gemeinsam ist, dass die Gemeindeleitung ein Gremium ist, das sich aus gewählten haupt-, und ehrenamtlichen Mitarbeitenden einer Gemeinde zusammensetzt, die pastoralen Personen eingeschlossen.

In den vergangenen Jahren ist die Bedeutung der „Gemeindeleitung“ (im folgenden „Kirchenvorstand“ genannt) in den Fokus gerückt und es haben sich grundsätzliche Merkmale für eine innovative, effektive und motivierende Arbeit eines Kirchenvorstandes herausgebildet:

 

Die Kultur der Zusammenarbeit pflegen

Die Stärke eines Kirchenvorstands besteht oft nicht aus der Einigkeit und Gleichheit seiner Mitglieder, sondern gerade aus der Verschiedenheit. Unterschiedliche Arbeitsstile, Sichtweisen und Meinungen können bedrohlich sein für ein effektives Arbeiten, weil es zu Konflikten und Spaltungen in Lager kommen kann. Gelingt es aber, gut im Gespräch zu bleiben und die Unterschiede fruchtbar zu machen, ist für die Leitung der Kirchengemeinde viel gewonnen. Es gilt, dafür eine „Kultur“ der Zusammenarbeit im Kirchenvorstand zu entwickeln. Sie beginnt bei der Freude, dass die anderen anders sind und uns nichts Besseres passieren kann, als dass wir den Reichtum unserer Verschiedenheit gut miteinander verbinden können. Hilfreich ist, diese Vielfalt immer wieder zu entdecken und sich gegenseitig bewusst zu machen. Denn dann kann der Kirchenvorstand schwierige Sachverhalte besser betrachten, Probleme vielseitiger analysieren, Ziele umfassender beschreiben, alternative Lösungsmöglichkeiten entdecken und die Konsequenzen von Entscheidungen deutlicher sehen. Einige Kirchenvorstände haben für ihre Kultur „Regeln formuliert und miteinander als Verpflichtung vereinbart.

 

Konflikte schätzen lernen

Konflikte haben eine positive Funktion, sie signalisieren: Wir haben uns verrannt, deshalb müssen wir jetzt streiten, um wieder einen gemeinsamen Weg zu finden. Der Konflikt ist erst einmal „nur“ eine Krise, an der man auch wachsen kann. Gefährlich sind Konflikte, wenn man sie sich nicht eingestehen mag, sondern vermeidet oder verleugnet. Dann können sie vor sich „hin schwelen“ und verstärken. Das Wichtigste ist deshalb: frühzeitig ansprechen, was gegeneinander steht, dass das Miteinander immer schwieriger wird. Und: Weil es um verschiedene Sichtweisen und Interessen geht, eine neutrale Person hinzuziehen, die von beiden Parteien akzeptiert wird und die Verschiedenheit vermitteln kann. In den meisten Landeskirchen gibt es zur Begleitung ausgebildete Beraterinnen und Berater.

 

Gut organisierte Sitzungsgestaltung

Zeit ist ein kostbares und zu achtendes Gut, für haupt- und ehrenamtlich Engagierte gleichermaßen, so dass eine effektive und optimale Sitzungsorganisation eingeübt werden sollte. Einige Arbeitsformen haben sich bewährt (siehe auch die Anlage unten):

1. Die Sitzungsvorbereitung: In der Einladung sind die Tagesordnungspunkte so deutlich benannt, dass man sich optimal vorbereiten kann. Das kostet den Vorsitzenden Zeit, die aber in der Sitzung für das ganze Gremium eingespart wird. In den Vorlagen sind alle wichtigen Informationen schon aufgeführt. Das Problem wird konkret benannt. Das Ziel der Behandlung wird deutlich: Geht es um Information, erste Erörterung eines Problems, Weiterarbeit an einem bekannten Thema, Kriterien für eine Beschlussfassung oder einen Beschluss selbst. Wenn sich Lösungsalternativen anbieten, sind sie als Beschlussvorlagen ausgearbeitet. Alle nötigen Papiere und Medien sind vorhanden, für jeden Tagesordnungspunkt gibt es eine Vorstellung, wie lange seine Behandlung braucht. Es entsteht eine schematisierte Tagesordnung (Anlage), die mit der Einladung verschickt wird.

2. Die Auswahl der Tagesordnungspunkte: Von der Aufgabe des Kirchenvorstands her, die Leitung der Gemeinde zu sein, ergibt sich die Entscheidung, welche Themen auf der Sitzung auf die Tagesordnung kommen und welche auf anderem Wege bearbeitet werden. Hilfreich ist ein Schema (Anlage), durch das man prüfen kann, wie wichtig und wie dringend ein Thema ist.  

3. „Zeitfresser“ erkennen und vermeiden: „Zeitfresser“ sind Gewohnheiten, die sich einschleichen, vielleicht ganz angenehm sind, aber wenig Nutzen bringen: die versäumte Vorbereitung, die einen Tagesordnungspunkt in die Länge zieht, die lange Rede, die alles schon Gesagte noch einmal aufführt, die Moderation, die das Gespräch nicht auf sein Ziel hinführt oder der Punkt „Verschiedenes“: In ihm sammeln sich die „kleinen“ Anliegen, die plötzlich zu großen Diskussionen führen. Da hilft die Regel, dass nichts mehr entschieden werden darf. Noch hilfreicher ist: Alle Punkte, die vorgebracht werden sollen, müssen am Anfang der Sitzung bei der Verabschiedung der Tagesordnung benannt werden.

4. Problemlösungen lernen: Ist ein einzelnes Problem kompliziert, viele Aspekte sind zu bedenken und die Diskussion ist schwer „auf den Punkt zu bringen? Dann kann die Erarbeitung in sieben Schritten (Anlage) aufgeteilt und nacheinander vorgenommen werden. Hilfreich ist, die wichtigsten Punkte zu visualisieren, weil dann die verschiedenen Aspekte sichtbar werden und der Fortgang der Diskussion nachzuvollziehen ist.

 

Kompetente Ausschüsse oder Beauftrage einsetzen

Ausschüsse helfen dem Kirchenvorstand effektiv zu arbeiten und Kompetenzen zu integrieren. Ihre Arbeitsweise ist nach der Art der Unterstützung, die sie erbringen können, unterschiedlich: sie können für eine festgelegte begrenzte Aufgabe eingesetzt werden oder für einen bestimmten Aufgabenbereich, den sie selbständig wahr nehmen oder bestimmte Aufgaben oder Bereiche werden von einzelnen Beauftragten betreut.

Ob Ausschüsse oder Beauftragte - in jedem Fall muss der Kirchenvorstand klar regeln und schriftlich festhalten: Wer wird beauftragt, welche Aufgabe mit welchem Ziel  soll in welchem Zeitraum bearbeitet werden, welche Befugnisse werden dafür erteilt, welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung, wie wird das Ergebnis vom Kirchenvorstand entgegengenommen.

Ausschussarbeit sollte für die, die sie als Zusatzaufgabe übernehmen, sinnvoll und verantwortungsvoll sein. Dann macht sie auch Freude und wird gern getan.

 

Projekte managen

Viele Aufgaben sind nicht so auf Dauer angelegt, dass sie einem kontinuierlich arbeitenden Ausschuss übergeben werden müssen. Bei ihnen sind Umfang, Anfang und Ende klar umrissen, so dass eine begrenzte Arbeit daran möglich ist. Es geht um ein „Projekt“, das in einer festgelegten Form „gemanagt“ werden kann. Für diese Aufgabe finden sich oft in Kirchengemeinden Menschen, die Lust haben, sich mit ihren Kompetenzen in so einer begrenzten Aufgabe zu engagieren.

 

Regelmäßige Auszeiten und Fortbildungen

Viele Kirchenvorstände haben ihren jährlichen KV-Tag oder -Wochenende zu einem festen Teil ihrer Arbeit gemacht. Wichtig ist, dieses Anliegen gemeinsam so zu besprechen, dass der Gewinn der gemeinsamen Zeit von allen erkannt wird und möglichst alle mitkommen. Dazu gehört eine langfristige Planung, vielleicht sogar zu einem festen Zeitpunkt in jedem Jahr. Außenstehende Beraterinnen und Berater können helfen, „blinde Flecken“ zu entdecken, ins Gespräch zu kommen, wo es alleine schwierig ist und bisher unerkannte Impulse weiter zu verfolgen. Durch ihre Mitarbeit ist außerdem die Leitung des Kirchenvorstands frei von ihrer Aufgabe und kann selbst gleichberechtigt mitarbeiten. Schließlich gibt es für Kirchenvorstände die verschiedensten Möglichkeiten sich Anregungen und Unterstützung zu holen. Fortbildungen zu einzelnen Themen, gezielte Beratung und Begleitung für die Themen, die gerade besonders wichtig sind. Adressen und Kontakte finden sich auf der jeweiligen Homepage einer Landeskirche.

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