Stundengebet (am Beispiel Komplet)

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created at: 2010-05-07
Last major update at: 2010-05-07
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Alternative Gottesdienste
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Komplet

Abstract

Das Nachtgebet der Kirche (Komplet) wird als meditativer Abendgottesdienst in feststehender Form am Freitagabend gesungen. Es ergänzt so die sonntäglichen Feiern um eine Werktagsform, die den Übergang zwischen Arbeitswoche und Wochenende markiert.

Situation / context

Das Stundengebet gliedert seit den Anfängen der Kirche sowohl in den Klöstern wie in den Gemeinden den Tag und führt so zu einer "Heiligung der Zeit". Der Übergang vom Abend in die Nacht bringt die großen Themen von Schutz und Sicherheit ebenso mit sich wie Abschied und Tod. Angesichts von Nacht und Tod sind Vergewisserung und Hoffnung wichtig, um den Kontrollverlust durch Schlaf und Sterben zu ertragen. Gleichzeitig geschieht im Tages- bzw. Lebensrückblick Entlastung durch Vergebungsbitte und Zusage der bleibenden Treue Gottes.

Goals

Viele Menschen suchen Auszeit in Klöstern und bei Gemeinschaften, die durch das Stundengebet den Tag gliedern und Zeiten für Gott reservieren. Die Übertragung in eine nicht-klösterliche Alltagssituation ist für Einzelne nur schwer oder gar nicht möglich. Regelmäßige Angebote können helfen, die Erinnerung zu bewahren und die Erfahrung lebendig zu halten. Das Nachtgebet als regelmäßiges Angebot ist eine Möglichkeit für alle, die Erfahrungen mit geprägten Formen machen möchten oder bereits haben.

Reflection / background

Gründe für das Angebot einer aus der Tradition der Kirche stammenden Gebetszeit sind die spirituelle Suchbewegung vieler Gemeindeglieder, aber auch von Pfarrerinnen und Pfarrern, verbunden mit dem Wunsch nach meditativen Erfahrungen, die an Klosteraufenthalte und die dort erlebten Formen anknüpfen. Das Stundengebet in seinen geprägten Formen und ohne Nötigung zur Selbstexploration bietet die Möglichkeit, sich als in Gmeinschaft betend zu erleben und damit über Raum und Zeit hinweg in einem Gebetsstrom aufgehoben zu sein.

Die Herausforderung der fremden, aber geprägten Form besteht in einem Verfremdungseffekt:Ein gewisses Maß an Einübung ist erforderlich, bevor sie zur Heimat werden kann. Die Aktualität gregorianischen Gesanges bietet hier allerdings einen deutlichen Anreiz, solche Erfahrungen auch zu suchen.

Implementation

General information on realization

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Preparation

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Realization

Ein ansprechend gestaltetes Einladungskärtchen mit einigen Stichworten und den Terminen für ein halbes Jahr werden an Menschen verteilt, von denen zuvor in einem persönlichen Gespräch Interesse bekundet worden ist. Es geht darum, das Nachtgebet der Kirche (Komplet) im Chorraum einer Kirche gemeinsam zu singen. Vor der Gebetszeit wird jeweils eine kurze Einführung ins Psalmensingen und ein Überblick über das Formular angeboten. Nach dem Gebet geht man im Schweigen auseinander. Im Laufe der Zeit wird der Adressatenkreis sowohl über Mund-zu-Mund-Propaganda wie durch Abkündigungen und Aushänge erweitert.

Wichtig für die Durchführung ist eine kleine Trägergruppe von Menschen, die mit dem Nachtgebet vertraut sind und die die liturgischen Rollen (KantorIn, LiturgIn, LektorIn) übernehmen können, und die für die erste Zeit die Termine garantieren. Sie singen die Komplet auch, wenn niemand sonst kommt und übernehmen so Stellvertreterfunktion.

Bei der Vorbereitung tragen die Psalmen das Hauptaugenmerk. Wichtig ist die Grundhaltung, dass es sich um ein Gebet und nicht um ein Konzert oder eine Chorprobe handelt. Es ist jedes Mal neu zu entscheiden, wie sich die für das Psalmensingen nötigen zwei Gruppen zusammensetzen, damit Geübte die Unerfahrenen stützen und mitnehmen. Hilfreich für Ungeübte ist eine Textgrundlage, die ein fortlaufendes Verfolgen des Ablaufes und das Mitsingen ermöglicht.

In größeren Abständen kann für Interessierte eine ausführliche Hinführung angeboten werden, die Hintergrundinformationen zu dieser Gebetsform anbietet. Auch ein Gemeindeabend oder ein Studientag, bei dem Information, Einüben und Vollzug in Gestalt gemeinsamer Gebetszeiten zu den entsprechenden Stunden ineinander greifen, ist möglich. So kann die bestehende Gruppe gestärkt werden und es ist ein intensives "Hineinschnuppern" für Interessierte möglich.

Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

Ziel ist, eine weitgehend verloren gegangene Form des Betens neu erfahrbar zu machen für Menschen, denen an einer meditativen Gestaltung von Gottesdiensten liegt. Sie führt ein in die Welt der Psalmen und ermöglicht es, die Lebenserfahrung der Menschen des Alten Testaments als Deutehorizont für eigene Lebensfragen und -situationen zu verstehen. Das Stundengebet ist zudem eine körperorientierte Form, bei der Atem und Stimme, aber auch Gesten und Haltungen zueinander finden. Als nicht-hierarchisch organisierter Gottesdienst, der keine ordinierte Leitung benötigt, ist es darüber hinaus ökumenisch völlig unproblematisch und damit verbindend. Die Frage der Beteiligung stellt sich als differenziert und offen dar: Von Anwesenheit und Zuhören über Mitsingen und -beten bis zur Übernahme liturgischer Rollen ist viel möglich. Ein kaum hoch genug zu schätzendes Element sind Augenblicke der Stille, die zum persönlichen Weiterbeten einladen.

Die ständige Wiederholung des Gleichen wirkt auf Menschen von heute oft befremdlich. Gerade das aber kann auch neugierig machen, etwas Ungewohntes auszuprobieren. Das Nachtgebet als Ritus zu erfahren kann einen Prozess in Gang setzen, sich mit seiner persönlichen Glaubensgestaltung zu beschäftigen. Dabei spielen Fragen nach Eingebundensein in eine Gemeinschaft oder der Bedeutung von Tradition und Innovation eine wichtige Rolle.

stimulus

Entscheidung für eine Form, die auch schriftlich gut zugänglich ist (Gesangbuch, Sonderausgaben, Tagzeitenbücher)

Entscheidung für einen Ort und eine (regelmäßige) Zeit

Angebot in zuerst größeren Abständen (monatlich), kann bei Anwachsen der Gruppe häufiger werden

Vorbereitung und Feier sollten (möglichst räumlich) getrennt verlaufen, ansonsten durch einen Übergang (z. B. Anzünden von Kerzen) voneinander abgesetzt werden

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