Frauen in der Kirche

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created at: 2011-09-06
Last major update at: 2013-07-05
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Feminism (provis., vllt. Bild von Elisabeth Haseloff?)

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Artikel zum Thema Frauen in Kirche und Gemeinde. Hier geht es um Projekte von oder für Frauen, die nicht dezidiert geschlechterbewusst sind.

Frauenarbeit: Erfolgreich, unverzichtbar, aktuell und vielfältig

Frauenarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

  

Frauenarbeit ist erfolgreich

Frauenarbeit war und ist erfolgreich. Die politische und bürgerliche Frauenbewegung des 19. und 20. Jhd. forderte Bildungszugänge und eine gerechte politische Teilhabe für Frauen. Sie forderte eine Gleichstellung, die den Namen auch verdient. Der Zugang zu Universitäten und das Frauenwahlrecht waren erste Erfolgsschritte. Daran schloss sich die Beschäftigung mit einer Theologie aus Frauensicht an, die Feministische Theologie. Feministische Theologie integriert verschiedene theologische Ansätze und Konzepte und ist dementsprechend als Sammelbegriff zu verstehe, wobei eine ökumenische Ausrichtung allen feministischen Theologien gemeinsam ist. Die Weiterentwicklung von Feministischen Theologien und die Frauenordination in der Evang.-Luth. Kirche sind weitere Erfolgsschritte auf einem Weg, vor dessen Hintergrund sich auch heute kirchliche Frauenarbeit für eine gleichberechtigte Gemeinschaft von Frauen und Männern einsetzt. Das Ziel ist dabei die Realisierung einer politischen und wirtschaftlichen Gerechtigkeit und Gleichwertigkeit aller Menschen. Frauenarbeit hat sich bis in die einzelnen Kirchengemeinden hinein entsprechende Strukturen geschaffen.

 

Frauenarbeit ist unverzichtbar

Frauenleben verändern sich. Heute vereinbaren Frauen mehrere Lebensrollen parallel nebeneinander. Frauen engagieren sich im Beruf, sie sind in den verschiedenen Aufgabenbereichen der Familienrolle tätig und sie übernehmen oftmals zusätzlich ehrenamtliche Aufgaben in Kirche und Gesellschaft. Dafür brauchen Frauen bestimmte Rahmenbedingungen und Frauenarbeit gehört unverzichtbar dazu.

Frauenarbeit schafft Räume, Gelegenheiten und Anlässe, damit sich Frauen mit Lebens- und Glaubensfragen aus einer weiblichen Perspektive auseinandersetzen können. Glauben und Spiritualität erleben Frauen auf ihre eigene Weise und finden dafür in der Frauenarbeit einen geeigneten Ort. Frauen beschäftigen sich beispielsweise mit der Bibel in gerechter Sprache (BigS), lernen starke Frauen der Bibel kennen und feiern Frauengottesdienste.

Die Lebenserfahrungen prägen die Art des Denkens und des Glaubens der Menschen. Die Unterschiedlichkeit der Lebensverläufe von Männern und Frauen führt zu unterschiedlichen Denkmustern und zu unterschiedlichen Herangehensweisen an bestimmte Themen. In der Frauenarbeit sind der Ort und das Forum, um sich über bestimmte Themen aus einer weiblichen Sicht auszutauschen. Ein derzeit in der Berufsbildung sehr aktuelles Thema, das dem sozial-kommunikativen Kompetenzbereich zugeordnet ist, ist die Qualifizierung für wirkungsvolle Strategien zur Konfliktlösung. In der Frauenarbeit werden solche Konfliktlösungsstrategien erprobt, insbesondere solche, die jenseits von Machtdominanz und Überlegenheitsgesten liegen und zu Konfliktlösungen ohne Verlierer_innen führen [Schreibweise ist im nächsten Abschnitt erläutert].

Es sind besondere Themen, die im Leben von Frauen eine große Rolle spielen und diese Themen werden in der Frauenarbeit thematisiert und bearbeitet. Beispiel ist die Vereinbarkeit der unterschiedlichen Rollen eines Frauenlebens.

Frauen vernetzen sich in der Frauenarbeit und stärken sich gegenseitig, um mit eigenen Netzwerken, in die leider noch oft bestehenden patriarchalischen Strukturen in Kirche und Gesellschaft, neue und andere Ideen und Impulse einzubringen und gegebenenfalls auch durchzusetzen. Mentoringprojekte von und für Führungsfrauen in Kirche und darüber hinaus und Vereinsgründungen wie Erfolgsfaktor Frau e.V. sind dafür Beispiele.

 

Frauenarbeit ist aktuell

Die Inhalte sind aktuell und zeigen Wirkung: Sie sind politisch, parteilich und konkret. Frauenarbeit befasst sich mit Gleichstellungsfragen in Kirche und Gesellschaft, sie bezieht klare Positionen zu Frieden, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung. Sie stellt sich mit großem Einsatz gegen Gewalt und beschäftigt sich gerade durch die Weltgebetstagsarbeit intensiv mit den Lebenssituationen, den politischen Systemen anderer Länder und zwar aus einer ökumenischen Sicht.

Frauenarbeit behält dabei immer im Blick, dass eine Polarisierung von „männlich - weiblich“ eine Verengung der Wahrnehmung darstellt und nicht selten zur Verfestigung von Geschlechterstereotypen führt. Eine neue sprachliche Ausdrucksform ist der „Unterstrich“, zur Kennzeichnung der Vielfalt von angesprochenen Personen(1). Nicht nur Männer und Frauen sind damit gemeint, sondern Menschen jeglicher Orientierung. Die Schriftform des Unterstrichs zählt zu den aktuellen Impulsen in der Frauen-, Männer- und Genderdebatte.

  • (1) Kork, Dagnar. 2013. Der Unterstrich und viel mehr …Innovative. Januar bis Juni 2013. Nr. 26. S.23-24

 

Frauenarbeit ist vielfältig

So befassen sich Frauen mit den Gestaltungsmöglichkeiten des Älterwerdens, begeben sich beim interreligiösen Frühstück in den Austausch mit Muslima, feiern Frauengottesdienste zu Themen wie z.B. „Ich bin neu hier“ oder „Wenn nicht jetzt – wann dann?“. Sie nehmen an Studienkreisen zur Feministischer Theologie teil, erproben sich in persönlichkeitsstärkenden Seminaren „Sicher auftreten – meiner Ausstrahlung bewusst werden“, reisen zu historisch und kulturell interessanten Orten und besuchen ausgewählte Kulturveranstaltungen, die die vielfältigen Leistungen von Frauen sichtbar machen. Sie organisieren Frauenmahle, halten und hören dabei Reden zu aktuellen Themen und sie demonstrieren gegen deutsche Rüstungsexporte und gegen Gewalt gegen Frauen.

 

Methoden und Formen

Handlungsleitend für die evangelische Frauenarbeit ist die Orientierung an den Bedürfnissen und Ansprüchen der Teilnehmerinnen. Die Erwartungen der Teilnehmerinnen sind Veränderungsprozessen unterworfen. Je nach Generationenzugehörigkeit und eigenem Rollenverständnis verändern sich Ansprüche und Erwartungen. Frauenarbeit greift diese Prozesse auf und organisiert sich in ständiger Reflexion und Anpassung.

In der Frauenarbeit werden Methoden angewandt, die an den Lebens-, Lern- und Glaubenserfahrungen von Frauen ansetzen und ganzheitliches und lebenslanges Lernen ermöglichen.

Dabei werden Veranstaltungsformate wie Frauenfrühstücke, Frauentage, Abendveranstaltungen, Projekttage oder Seminarwochenenden gewählt.

Ziele evangelischer Frauenarbeit

  • Empowerment: Frauen werden in ihrer Selbstkompetenz gestärkt, um Kirche und Gesellschaft zu gestalten, zu verändern, um eigene Formen von Glauben zu leben und Spiritualität zu entwickeln.
  • Auszeit: Frauen probieren sich im Raum von Frauengruppen aus, sammeln neue Erfahrungen, erproben Neues und gewinnen Abstand zum Alltag.
  • Fortbildung: Fortbildungsprogramme qualifizieren Frauen für ihr ehrenamtliches Engagement, für Familie und für den Beruf.

 

Schlussfolgerungen

  • Evangelische Frauenarbeit ist aktuell und vielfältig in Inhalten und Formen und sie greift Themen und Fragen der jeweiligen Zeit auf.
  • Frauenarbeit entwickelt sich mit den sich stets wandelnden Bedingungen in Kirche und Gesellschaft und setzt sich kritisch damit auseinander.
  • Evangelische Frauenarbeit trägt dazu bei, die Stellung von Frauen in Kirche und Gesellschaft zu stärken, mit den Zielen einer gerechten Gemeinschaft von Frauen und Männern und einer gelebten Achtsamkeit vor allem Lebendigen.
  • Frauenarbeit ist kreativ, denn sie ermöglicht Gestaltungsprozesse und trägt somit zu einer innovativen Entwicklung in Kirche und Gesellschaft bei.

 

Autorin

Erstellt von Dr. Gaby Herzig-Walch, Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V. in der ELKB, März 2013

 

Links

Geschlechterbewusste Arbeit in der Kirche

http://www.geistreich.de/articles/327

 

Männerarbeit und Männer in der Kirche

http://www.geistreich.de/articles/325

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