City-Kirchen und Citykirchenprojekte

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created at: 2011-10-05
Last major update at: 2011-10-05
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Citykirchen und Profilgemeinden
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St. Petri zu Hamburg

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City-Kirchen und Citykirchenprojekte sind Gemeinden in Großstädten.

Aspekte der City-Kirchen-Arbeit

Visionärer Ort für das, was noch keinen Ort hat.

Eine City-Kirche ist ein guter, kommunikativer und kraftvoller Ort. In religiöser Sprache: Er ist gesegnet. Er dient im Gesamtensemble als Katalysator und Kristallisationspunkt für Menschen, Ideen, Visionen und Kooperationen. Diese inspirieren wiederum andere Gruppen, Kreise und Kooperationen. Die hilfreiche Frage für alle kirchlichen Projekte könnte lauten: Wagen wir die Prozessorientierung und das Frei-Halten von Räumen, die Spontanes und Ungeplantes entstehen lassen? Geben wir der Unverfügbarkeit des Heiligen Geistes überhaupt strukturell eine Chance? (siehe auch unten „Prozessorientierung wagen“)

 

Erfolg einkalkulieren.

Was ist eine erfolgreiche City-Kirche? Zum Beispiel wird mehr Geld eingenommen als in den Haushaltsplänen angesetzt. Er ist häufig und prominent in der Presse. Mit geringen Ressourcen wird ein profiliertes Gesamtprogramm, das in der Stadtkultur fest verankert ist, verwirklicht. Die Rückmeldungen kirchlich Distanzierter sind sehr positiv. Es finden viele qualifizierte seelsorgerliche Gespräche, theologisch profilierte Kommunikation und spirituelle Begleitung statt. Geistliches und Soziales wird verschränkt.

Zugleich ist die Beobachtung zu machen: Der Erfolg ist auch ein Stolperstein, weil er Stress und Konflikte produzieren kann. Wer darf wann unter welchen Vorraussetzungen Ressourcen an Macht, Geld, Räumen, Zeit und Kommunikationsmöglichkeiten nutzen?

Bereits in Planungsphasen kirchlicher Projekte sollte darum unbedingt mit dem Erfolg desselben auch wirklich gerechnet werden, um Reibungsverluste schon vorab minimieren zu können.

 

Profit- und Non-Profit-Strukturen aufeinander beziehen.

In einer City-Kirche treffen Non-Profit-Strukturen, die durch Kirchensteuermittel vollends finanziert werden müssen, auf kommerziell orientierte Bereiche. Solche Profit-Strukturen eröffnen neue Finanzierungsquellen für kirchliche Arbeit. Das gilt für alle Konfessionen. Beide Sektoren, der kommerzielle und der nicht-kommerzielle, sollten in der Leitung eines kirchlichen Projekts eng verknüpft sein, um Synergien strukturell zu verankern. Dies gilt insbesondere für Citykirchenprojekte, die mitten in der Stadt, „am Markt“ stark von kommerziellen Gesichtspunkten geprägt sein können.

 

Milieuverschränkung und Niederschwelligkeit ernst nehmen.

Die Kombination von Bildungs- und Tagungszentrum mit einem niederschwelligen Anlaufpunkt legt nahe, dass Angehörige verschiedener Milieus auftauchen können. Über die „niedrige Schwelle“ springen oftmals andere als anfangs erwartet. Wer niederschwellige Angebote macht, sollte auch „Ja“ dazu sagen, dass Kontakt mit dem sozial Fremden entsteht.

 

Prozessorientierung wagen.

Wer offen und niederschwellig arbeiten will, weiß nicht genau, was entstehen wird. Der Prozess rückt in den Mittelpunkt und hat eine spirituelle Dimension. Die Kategorie des „Unverfügbaren“ tritt in die konkrete Arbeit ein und orientiert sich erwartungsvoll auf das „Noch Nicht“ des Reiches Gottes. Gerade die „Geistliche Begleitung“, ermöglicht hier einen bewussten Zugang zur Prozessorientierung, um nicht im bekannten Gegenspiel von Charisma und Amt stecken zu blieben.

 

„Seele der Stadt“ sein und Gottes Option für die Armen wahr nehmen.

Von den Anfängen der Citykirchenprojekte bis in unsere Gegenwart hinein, beachten Citykirchenprojekt die besondere Ambivalenz des urbanen Lebens: Hohe Kommunikationsdichte, Durchlässigkeit der Milieus für soziale Auf- oder Abstiege und Kreativität treffen auf soziale Spaltungsprozesse auf engstem Raum. Citykirchenprojekte halten Gottes Option für die Armen wach, indem Spaltungsprozesse in symbolischen Aktionen und zeichenhafter Kommunikation überwunden werden. Mitten in der Stadt öffnet sich so der Himmel. Dies erfordert eine bewusste Entscheidung im Vorfeld.

 

Postmoderne Flaneure in den Blick nehmen und „One-Touch“-Kommunikation üben.

Menschen in der Stadt sind auf der Suche, ohne immer zu wissen, was sie suchen. Der neugierig-schweifende Blick in die Schaufenster, das Vorbeischlendern an Angeboten, die ästhetische Ansprechbarkeit und die Freiheit der Flaneure ist typisch für die Stadt. Auch Touristen sind in dieser Hinsicht „postmoderne Flaneure“.

Will Kirche „im Auftrag des Herrn“ kommunizieren, muss sie sich auf diese Kommunikationsbedingungen von Anfang an einstellen. Es gibt für gelungene Kommunikation hier meist nur einen kurzen Versuch.

Ein Paradigmenwechsel von der parochial geprägten Logik kirchlicher Kommunikation, die das Element der Stetigkeit in sich trägt, hin zu offener, kurzer, hoch-symbolischer „One-Touch“-Kommunikation könnte angesagt sein.

Das „Neuro-Linguistische-Programmieren“ (NLP) bspw. als Kurzzeit-Therapie und zugleich als eine Art Sammlung der „best-of“-Kommunikationsmöglichkeiten verleiht hier Kompetenz genauso wie die Erfahrungen der Medien- und Werbewelt. Zugleich ist eine hohe theologische Reflexionskompetenz gefragt, um die „Sache“ des Evangeliums mit der Kürze der Kommunikationsprozesse zusammen zu bringen.

 

Die Nähe zu historischen, kraftvollen, profilierten, „heiligen“ Orten suchen.

Kirchen haben traditionellerweise mit Rathaus und zentralem Gasthof die besten Orte der Stadt. Es wäre angemessen und hilfreich, diese auch als solche wertzuschätzen, zu öffnen und gestaltend zu nutzen.

 

 

Internet:

www.annahof-evangelisch.de

www.moritzkirche.de

www.citykirchenprojekte.de

 

 

Quelle und Autor

Augsburg im August 2011

 

Frank Witzel, Pfarrer, Evangelisches Forum Annahof, Augsburg,

Jg. 1962, NLP-master, Geistlicher Begleiter, Traumaberater, Mitglied im Sprecherteam Citykirchenprojekte

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