Kirchenpädagogik

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created at: 2012-03-05
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Kirchenraum und Kirchenpädagogik
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Kirchenpädagogik meint die Kunst, einen Kirchenraum mit seinen spirituellen und historischen Besonderheiten für Neulinge zu erschliessen.

Hinführung

Kirchenpädagogik meint die Kunst, einen Kirchenraum mit seinen spirituellen und historischen Besonderheiten für Neulinge zu erschliessen. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Es gibt Kirchenführungen, es gibt Haupt- oder Ehrenamtliche, etwa im Rahmen einer offenen Kirche, die Fragen beantworten. Es gibt Kirchenführer als Broschüre oder Online. Auch inhaltlich kann der Schwerpunkt auf die Historie, die Kunst oder das spirituelle Erleben gelegt werden. Auch die Zielgruppe kann Kinder oder Erwachsene sein.

 

Was ist Kirchenpädagogik?

Kirchenpädagogik ist die Pädagogik des Kirchenraumes und des Kirchbaues, die darin Objekt, Medium und in gewisser Weise auch Subjekt dieser Pädagogik sind. Kirchenpädagogik – so sie sich als Reflexion auf die Praxis versteht - reflektiert ihre Grundannahmen und Zielsetzungen und stellt daraufhin das methodische Repertoire für unterschiedliche Zielgruppen, Milieus und Lebensalter zur Verfügung. Mit ihren Ursprüngen in der religions- und kunstpädagogischen Praxis der Kinder- und Jugendarbeit hat sie mittlerweile auch einen ebenso festen Platz in der Erwachsenenbildung gewonnnen. Aufbauend auf regionale Gruppen, Initiativen und Angebote bündelt der Bundesverband Kirchenpädagogik die unterschiedlichen gemeinde-, schulpädagogischen und erwachsenenbildnerischen Initiativen auf Bundesebene und vergibt kriteriengeleitet ein Gütesiegel für kirchenpädagogisch qualifizierte Kirchenführerausbildungen. War das Wort ‚Kirchenpädagogik’ noch Anfang der 1990er Jahre unbekannt, wird die Kirchenpädagogik – zuweilen mit einer die Pädagogik des Kirchenraumes fokussierenden Perspektive ‚Kirchenraumpädagogik’ oder ‚Sakralraumpädagogik’ genannt -  mittlerweile als Arbeitsfeld auf der mittleren Ebene der Bistümer und Landeskirchen und sogar in der wissenschaftlichen Diskussion als eigenständige religionspädagogische Disziplin bzw. als ein religionsdidaktisches Prinzip anerkannt.

 

Was macht die Kirchenpädagogik so aktuell?

Die Aktualität der Kirchenpädagogik bemisst sich an der  Bedeutung ihres ‚Formalobjekts’, indem sie mit den Pfunden des öffentlichkeitswirksamsten Faktors der christlichen Konfessionen wuchert: den Kirchen/räumen. Sei es aus religiöser oder touristischer Neugier oder aus kirchlicher Verbundenheit heraus, übertrifft die Besucherzahl von Kirchen und Kapellen diejenige der durchschnittlichen Gottesdienstbesucher um ein Vielfaches. Offensichtlich schafft unsere heutige Zeit in einer zunehmend entchristianisierten Gesellschaft – mit einer Erosion des Grundwissens über religiöse Symbole, Bibelkunde und Kirchengeschichte – diejenigen Umstände, die ein neues oder verstärktes Interesse an den christlichen Kirchen wachrufen. Gegenläufig zu der Entwicklung der Kirchenmitgliederzahlen kommen Kirchengebäude damit paradoxerweise zu einem Zeitpunkt in Mode, an dem sie durch  Profanierung verloren zu gehen drohen. Und im Blick auf die Aufgabe, Schließung und Umnutzung von Kirchen mag man sogar überspitzt beklagen, die Kirche ziehe sich aus der Gesellschaft zurück in dem Moment, in dem das Interesse für die auffälligsten Schnittstellen von Kirche und Öffentlichkeit – die Kirchengebäude – erwacht ist.

 

Welche Grundannahmen und Ziele hat die Kirchenpädagogik?

Die seit den Anfängen kirchenpädagogischer Praxis entwickelten, zahllosen didaktischen Arrangements und unterschiedlichsten Methoden geben einen Eindruck von der Lebendigkeit und Kreativität und stellen unter Beweis, was als erstes Erkennungszeichen der Kirchenpädagogik bezeichnet werden kann: dass ‚Kirchenführung‘ mehr sein kann als das Rezitieren ‚von toten Zahlen, Namen und Begriffen‘. Doch auch die kreativsten und ‚ganzheitlich‘ angelegten Lernarrangements stehen vor der kirchenpädagogischen Schlüsselfrage, welche Weise und welche Formen zu bevorzugen sind, eine Kirche zu erschließen. Diese Frage stellt sich jedem Kirchenpädagogen / jeder Kirchenpädagogin immer wieder neu – gegenüber Erwachsenen wie gegenüber Kindern und Jugendlichen. Neben der Alters- und Milieupassung einer erfahrungsorientiert auf die Zielgruppe zugeschnittenen Erschließung, für die die unterschiedlichsten methodischen Arrangements vorliegen, wird in jüngster Zeit vermehrt der nach Phasen (z.B. Annäherung – Darstellung / Vertiefung – Reflexion) zu strukturierende Aufbau einer kirchenpädagogischen Erschließung diskutiert. Zudem wird auf die Pädagogik der Kirchenräume selber hingewiesen, die die Kirchen als Subjekte ihrer Pädagogik erfordern, indem sie als Darstellung von Heiligkeitsempfindungen mit den Mitteln der Architektur einen reflektierten pädagogischen Umgang mit der sakralästhetischen Wirkung wie mit liturgische Bedeutung von Kirchenräumen erfordern. Mit beiden aktuellen Tendenzen stellt sich Kirchenpädagogik in den Dienst einer auf den Menschen bezogenen Erschließung von Kirchenräumen: einer Räumlichkeit religiöser Praxis und darin der zeiträumlichen Verfasstheit menschlicher Existenz.

 

Beispiele von Kirchenführern als Broschüre oder Online

Von der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai finden sich im Anhang Fotos eines Kirchenführers. Dort gibt es auch einen virtuellen Stadtrundgang, in dem man sich mit der Maus umschauen kann. Über anklickbare Flächen im Bild gelangt man zum nächsten Raum oder Ort:

http://www.hauptkirche-stnikolai.de/stnikolai/rundgang

http://www.hauptkirche-stnikolai.de

 

Viele Gemeinden stellen auf ihrer Webseite auch die Kirche statisch vor:

http://www.st-johannis-hh.de/Kirche/Kirchbau

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