Livestream-Gottesdienst: Internet 3.0

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ein Geistreich-Mitglied
erstellt am: 31.03.2012
Letzte größere Änderung: 07.05.2012
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Deutsch (Original, angezeigt)
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Gottesdienst, Neue Medien und Web 2.0
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Vorbereitung: Keine Angaben
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Kurzbeschreibung

Gottesdienste können inzwischen durch Livestream via Internet auf den Computer (oder Fernseh-) bildschirm übertragen  werden. Das eröffnet unerschöpfliche kreative Möglichkeiten einer überzeugenden und ansprechenden Gottesdienstgestaltung, die sogenannte "kirchenferne Gläubige" aber auch vor allem kranke, alte und behinderte Menschen erreicht

Situation / Kontext

Auf die besondere Bedeutung der Internetgottesdienste für alte und kranke Menschen  wird in den Erläuterungen der katholischen Pfarrgemeinde Hartberg (im österreichischen Bistum Graz, Steiermark) ganz besonders hingewiesen. Wörtllich zitiert:

 

"Eine besondere Zielgruppe sind kranke und ältere Menschen: Das Hartberger Bezirksaltenheim Menda hat übrigens schon die Möglichkeit geschaffen, dass alle Bewohner auf ihren Fernsehschirm den Internet-Gottesdienst live mitfeiern können".

 

Es kommt aber noch etwas anderes hinzu, das fast noch wichtiger ist:

 

Wir lesen, daß etwa 90% der Mitglieder unserer Kirche nicht in den Gottesdienst gehen. Das ist erstens kein Geheimnis und zweitens wäre es eine Katastrophe, wenn diese 90% eines Tages alle in die Kirche (zusätzlich) kämen. Da gibt es doch in keiner Kirche so viel Platz, dass alle kommen könnten, wenn sie wollten. Die meisten Besucher würden auf der Straße in eine lange Warteschlange verbannt und würden zu einem fast unlösbaren Verkehrshindernis werden, zu dessen Lösung am Ende sogar die Polizei einschreiten müsste, um Sicherheit und Ordnung wieder herzustellen.

 

Das mit den 100% Gottesdienstbesuchern (90% die sonst nicht kommen und 10%, die immer kommen) mag zwar ein Märchen sein, aber Märchen sind meistens heilsam und nützlich. Man spricht ja auch vom "heilenden Geschichtenerzählen".

 

So ähnlich geschah es auch in der (inzwischen preisgekrönten) Predigt einer Berliner Vikarin, als von der "Ankündigung berichtet wurde, dass Jesus mit Flug Nr. xy auf dem Berliner Flughafen Schönefeld eintreffen würde." Auch hier gab es in diesem modernen Predigt-Märchen der jungen Vikarin eine Katastrophe, weil alle dabei sein und die Landung Jesu miterleben wollten.

 

So und nun kommt - wie bei jedem Märchen - auch gleich die Moral der Geschichte:

 

Ein Internetgottesdienst einzelner Gemeinden - besonders gefördert durch die jeweilige Kirchenleitung - würde das Problem der 90% fehlenden Gottesdienstbesucher lösen. Alle die vielen anderen Kirchenmitglieder unter den bisherigen 90% gingen dann eben in den einen oder anderen Internetgottesdienst (oder könnten dies zumindest tun) und alle Probleme wären gelöst, außerdem würden viele Gemeindemitglieder einfach neugierig auf den neuen und nun auch im Internet wahrnehmbaren Gottesdienst und würden nun in die Kirchen drängen und dann vielleicht hin und wieder tatsächlich die im Märchen angedeuteten "Verkehrsprobleme"  schaffen.  

 

Wenn Jesus dann in Schönefeld angekommen und zu Besuchen in den verschiedenen Kirchen unterwegs wäre, dann könnte man ihm sagen, ", daß es nicht mehr zutrifft, dass 90% der Kirchenmitglieder nicht mehr ihren für alle bestimmten Gottesdienst besuchen und dass diese Version nun zu einem Märchen geworden wäre, denn es ist uns ja der Internetgottesdienst geschenkt worden....und  "der Heilige Geist weht auch im Internet"...wie es im Kölner Domradio zu dem neuen Internetprojekt festgestellt werden konnte...

 

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: In der Predigt geschah es dann so, dass Jesus nicht angekommen war und das alles nur ein Gerücht geblieben ist, aber in jedem Fall war es ein Gerücht, das deutlich machen sollte, wie sehr unser Glaube Berge versetzen kann und/oder wie es in den Reflektionen eines Univdersitätslehrers im Fach Homiletik heißt: "Wunder gibt es überall, auch heute, man muss nur für sie bereit sein" (Pater DonTalafous, OSB).

 

 

Ziele

Die Ziele dieser (in Österreich keineswegs neuen) Internetgottesdienste werden in Österreich nicht nur in Graz (Gemeinde Hartberg seit 2007) hervorragend skizziert, sondern auch in den Erläuterungen der evangelischen Gemeinde Judenburg (ebenfalls in der Steiermark seit 1994) unter

 

http://www.evang-judenburg.eu

Hierzu ist aus Sicht der Gemeinde in Judenburg (Pfarrer MMag Prokop) noch folgendes zu ergänzen:

 

"Als Erläuterung und um eventuelle Missverständnisse zu vermeiden:

 

Seit mehr als 15 Jahren (1994 eigentlich) haben wir uns als Gemeinde auf den Weg gemacht um neue Gottesdienstkonzepte zu entwickeln. Nach der Gemeindebefragung wurde ein Unterausschuss des Presbyteriums gegründet, der ein Gemeindeleitbild entworfen hat. Ein Satz (von drei insgesamt) lautete: „Wir möchten eine offene und einladende Gemeinde sein“ – er hat alles andere ausgelöst und vor allem die Art der Verkündigung und der Gottesdienstgestalltung geprägt..."

 

Im Jahre 2009 ist aber auch eine Diplomarbeit von Frau Veronika Feiner zu diesem Thema erschienen, auf die sich die katholische Pfarrgemeinde Hartberg bezieht

http://www.internetgottesdienst.at

 

 

Reflexion / Hintergrund

Die Kirche ist heute in einer Zeit der Außerdienststellung von Kirchengebäuden mit ihren regulären Gottesdiensten nur noch sonntags am Vormittag für eine sehr kurze Zeit erreichbar. Wer spirituelle Hilfe braucht, ist auf diese eineinhalb Stunden am Sonntag angewiesen. Andere Termine für einen realen Gottesdienst gibt es nur selten. Das ist sehr wenig. Außerdem sind viele alte und kranke Menschen (zu hause und im Krankenhaus oder Pflegeheim) an den Rollstuhl gebunden oder bettlägerig und können keinen regulären Gottesdienst besuchen.

 

Das ist sehr schade, weil gerade diese Gruppen in besonderem Maße auf den geistlichen Beistand der Kirche angewiesen sind. 

 

Das muß aber in Zukunft nicht sein: Wir gehen mit dem Mausklick nach Österreich und erleben  z.B. in dem Gottesdienst der Gemeinde Judenburg oder Hartberg wunderschöne Angebote, wenn wir uns nur in die oben unter "Ziele" genannten Internetverbindungen einschalten.

 

Ein breites Spektrum und eine Beteiligung möglichst vieler Gemeinden, - auch in Deutschland - wäre natürlich wünschenswert. Es bleibt aber immer die Frage sowohl in Österreich, wie bei uns in Deutschland, ob und inwieweit das finanziell überhaupt durchzuhalten ist. Auch in Österreich sind es bisher nur wenige Gemeinden, die diesen Weg (für uns alle) gehen.

 

Es kommen dann auch möglicherweise neue Glaubensinhalte in die Diskussion, was wiederum vielen nicht gefallen wird. Auch und gerade hier müßte man - wenn man diesen neuen Weg weitergehen will, sowohl in technischer Hinsicht, wie auch in fachlich theologischer Hinsicht einen neuen "Mut zum Fehler" entwickeln.

 

Hier kommt Neues auf unsere Kirche zu und es ist gut vorstellbar, daß diese Entwicklung - wie jede neue Situation - nicht nur positiv, sondern auch negativ "abwartend" gesehen wird.

Es ist daher wichtig und dankenswert, wenn sich Geistreich der Diskussion zum Internetgottesdienst stellt: Es bleibt nun für die weitere Zukunft abzuwarten, ob eine Umdenken eintreten könnte.

Umsetzung

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Durch Schaffung technischer Möglichkeiten und gegebenenfalls unter Berücksichtigung bisheriger Erfahrungen auf diesem Gebiet, die ja in Judenburg schon bis in das Jahr 1994 zurückreichen. Erfahrungen liegen ja schon vor:

In Österreich durch das Moderatoren-Team der Evangelische Pfarrgemeinde Judenburg (Pfarrer MMag Prokop) und für die katholische Kirche durch die Video-Gruppe der Pfarrgemeinde Hartberg in der Diözese Graz-Seckau (Dechant Dr.Reisenhofer).

Vorbereitung

Hier ergeben sich vermutlich aus der Diplomarbeit von Frau Feiner wichtige Hinweise.

Durchführung

Es gibt hier unbegrenzte und vielseitige Möglichkeiten in der Umsetzung, aber auch ebenso viele Probleme. So stellt beispielsweise der Kölner Dom, aber auch die Stadtkirche in Hartberg von der Akustik und Raumaufteilung her andere Probleme als ein überschaubarer Kirchenraum, wie wir ihn in Judenburg haben. Entsprechend variieren auch die Möglichkeiten in der Umsetzung. Ein kleinerer Kirchenraum bietet hier enorme Vorteile. Dafür fehlt es in Judenburg an der Weite des Raums, wie wir sie im Kölner Dom erleben können. Das alles ruft nach Vielseitigkeit, die wir ja auch alle wollen...

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

ergibt sich - beispielsweise in der Gemeinde Judenburg - in einem e-mail-Dialog, dem sich der Pfarrer bisher immer gestellt hat, wenn und soweit es die Zeit zuläßt, sollte man vorsichtshalber sagen.

Wirkung / Erfahrung

Es werden sich ungeahnte Möglichkeiten ergeben, unsere Kirche durch eine neue und kreative Sprache und Darstellung - wie in der Gemeinde Judenburg erlebt - wieder in das Bewußtsein auch derjenigen Menschen zurückzuführen, die dem Gottesdienst bisher fernbleiben, weil sie angesichts der geringen Präsenz unserer Kirche nicht mehr erreicht werden können.

 

Im Grunde geht es aber jedem von uns so, dass gelegentlich spirituelle Hilfe gesucht werden muß, um mit den Problemen fertig werden zu können, die das Leben uns allen stellt. Hier hilft uns inzwischen das Internet. Ein Mausklick und wir dürfen zu jeder Zeit an einer Gottesdienstgestaltung - via Internet - ganz aktuell und fast "live" teilnehmen.

Für die Gottesdienstgestaltung ergeben sich gerade im Internet ungeahnte Möglichkeiten die Botschaft Gottes (kreativ und mit Hilfe und mit viel Trost versehen) an uns alle weiter zu reichen und zu verkünden, so wie es uns Jesus vor 2000 Jahren aufgetragen hat.

Wenn wir den Gottesdienst verpaßt haben, macht das jetzt neuerdings nichts. Die Internet-Aufzeichnung ist ja auch nachträglich immer verfügbar. Auch mitten in der Nacht, wenn uns einmal die Verzweiflung überkommt und wenn das Gebet einmal nicht ausreichen sollte, um Trost zu spenden....

 

Impuls

Neue Horizonte, so wie wir sie ja auch in unserem Projekt bei Geistreich suchen wollen.

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