Traueransprache zu: "Die gepflanzt sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen" (Psalm 92,14)

Author
a geistreich member
created at: 2012-06-15
Last major update at: 2012-06-27
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
Table of content
Bestattung, Gedenkgottesdienst
Information
Preparation: no information
Execution: Traueransprache auf Friedhof
Keywords
Target audiences
Practitioners
Votes
one vote
Comments to the document
Big_article-default-image

Abstract

Die Lebens- und Glaubensgeschichte eines Menschen in Beziehung setzen zu den Worten des 92. Psalms: „Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum; er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.

Die gepflanzt sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen.

Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein...“ (V13-15)

Situation / context

Traueransprache auf dem Friedhof

Goals

Die Lebensgeschichte eines Menschen würdigen - auch seinen Weitblick und Einsatz für eine ökologisch verträgliche Zukunft. Sein Verständnis als Landwirt und Naturfreund herausarbeiten und ihn so als Vorbild herausstellen.

Reflection / background

---

Implementation

General information on realization

---

Preparation

---

Realization

Zusammen gekommen sind wir heute um von einem hier wohlbekannten Mann Abschied zu nehmen.

Von Beruf ist er Landwirt gewesen und so wollen wir heute einen biblischen Text wählen, der mit der Landwirtschaft zu tun hat aber auch für sein sonstiges Leben und Denken in Beziehung zu setzen ist.

Im Psalm 92 heißt es: (V13-15)

„Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum; er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.

Die gepflanzt sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen.

Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein...“

Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, wachsen wie eine Zeder. Solche Vergleiche sind anschaulich und einprägsam, insbesondere für die erste Lebensphase eines Menschen, der Zeit des Heranwachsens.

Schauen wir dazu auf den Lebensweg von N.N.

Bios I: N.N. wurde geboren am und ist in N.N. aufgewachsen. Hat Geschwister und besuchte hier die Schule. Dann machte er eine landwirtschaftliche Lehre. Nachdem er auch den Meister gemacht hatte, übernahm er den elterlichen Betrieb, den er bis zum 65. Lebensjahr führte. Er war, so beschrieben sie ihn Bauer mit Leib und Seele.

Die Heirat erfolgte hier in N.N.. Aus der Ehe gingen 2 Kinder und dann in der nächsten Generation 2 Enkel hervor.

Für den mittleren Teil seines Lebens treffen die folgenden Worte des Psalms durchaus zu: „Die gepflanzt sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen.“ (V14)

Grünen im Sinne von gedeihen und Frucht zu bringen. Eine ganze Reihe von Tätigkeiten ist da zu nennen, die er neben und zusätzlich zu seiner Haupttätigkeit als Landwirt ausgeübt hat.

Stadtverordneter, Schöffe, Jagdvorsteher, Ortslandwirt, Jahrzehnte lang bei der Feuerwehr und im Gesangverein, für die Tafel hat er sich eingesetzt und zum Schluss engagierte er sich noch gerne für die Dorferneuerung.

Unter weltlichem Gesichtspunkt ist sein Leben produktiv und ich denke auch segensreich gewesen, was mit der eben gemachten Aufzählung anklingt.

Solches produktive und segensreiche Wirken in der Welt hat für ihn ein Fundament gehabt, eine Basis, die über das greifbare und alltägliche hinausgeht.

Auch im Psalm wird davon gesprochen: Vom gepflanzt sein im Hause des Herrn. Wenn wir dieses Bildwort entschlüsseln, werden wir etwas besser begreifen, was N.N. getragen hat, worin er sich gründete: Sein Glaube an Gott.

Daraus hat er wohl schon zu gesunden Zeiten Kraft und Hoffnung geschöpft, um sein Tagewerk als auch die vielen ehrenamtlichen Betätigungen zu erfüllen – so wie es im biblischen Vers anschaulich heißt: In den Vorhöfen unseres Gottes zu grünen. Das meint auch nicht aufzugeben angesichts von Rückschlägen, sondern sich in der Welt trotz aller Widrigkeiten für die Welt zu engagieren.

Das ist zugleich auch eine seiner hervorstechenden Charaktereigenschaften gewesen: Etwas zu machen, weil er von einer Sache überzeugt war, auch wenn andere den Kopf darüber schüttelten. Ich weiß noch wie er von seinen Solaranlagen erzählte, die er in einer Zeit installieren ließ, als das noch nicht selbstverständlich war. Er scheute keine Mühe und war auch nicht knauserig das umzusetzen, wovon er überzeugt und den anderen in der Zeit vielleicht auch voraus war.

Ich bin ihm erst begegnet als er ein alter und - so muss man hinzufügen - kranker Mann war. Krankheit hat die letzten 25 Jahre seines Lebens begleitet und vor allem die letzten Jahre zunehmend geprägt. Das hat ihn auch zusehends eingeschränkt und er hatte darunter auch erheblich zu leiden.

Aber dennoch oder vielleicht gerade deshalb wirkte er auf mich wie ein gelassener ja abgeklärter Mensch wie man ihm nicht alle Tage begegnet. Das fiel mir gleich nach dem ersten großen Gottesdienst im Sommer letzten Jahres auf.

Als ich ihn zu Hause besuchte, erzählte er von seinem Leben und der besonderen Lebenssituation – wie auf Abruf angesichts der schweren Krankheit zu leben, einer Art Schwebezustand.

Im Jahr 2009 besuchte er das Landeserntedankfest. Dort wurde er interviewt und hat sich über sich, die Natur und seinen Glauben geäußert. Das wurde sogar Bestandteil einer Fernsehsendung. Damals äußerte er: „Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich durch die Felder fahre oder das frische Grün der Saaten sehe… Nur für mich, speziell, spielt Gott schon noch eine Rolle!“

Hier schauen wir etwas tiefer in die Seele, in die Denk- und Glaubensweise des Mannes, von dem wir Abschied nehmen. Jeden Morgen sich zu freuen, das frische Grün der Saaten zu sehen. Das kommt dem Psalmwort sehr nahe: „Die gepflanzt sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen.

Will sagen: In der Seele sich noch erheben, sich freuen zu können und diese Freude über die Fruchtbarkeit des Bodens und der Natur mit Gott in Verbindung zu bringen.

Darum seine Aussage: „Für mich … spielt Gott schon noch eine Rolle!“ Für einen Menschen, der mit Leib und Seele Landwirt war, ist das sehr gut nachvollziehbar – die geheimnisvolle Kraft der Fruchtbarkeit und des Gedeihens immer wieder aufs Neue zu erfahren und mit Gott als Schöpfer in Verbindung zu bringen.

Nun aber kommen wir zum schwierigsten Teil, dem Zunehmen und Überhandnehmen der Krankheit, die zum Tode führte. Wie soll das mit den biblischen Worten in Einklang gebracht werden:

„Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein...“?

Fruchtbar und frisch sein. Stimmt nicht, alt und schwach war er gewesen werden sie sagen, und sicher auch ermattet. Ja, das trifft zu. Aber innerlich ist er fruchtbar geblieben und in diesem Sinne auch frisch: Frisch an Gedanken, an Zukunft orientiert. Aufschlussreich ist folgende kleine Szene. Im Hof bei ihm stand ein alter Lindenbaum, der nicht mehr wuchs, der schließlich gar nicht mehr ergrünte. Für N.N. war es ein Anliegen, dass da ein neuer Baum hinkommt. Er fuhr selber zur Baumschule, suchte einen Baum aus, ließ das Loch für den Baum im Hof ausheben und der Baum wurde gesetzt, ein Feldahorn.

Nur eine Woche später ist er dann ins Krankenhaus gekommen, aus dem er nicht mehr nach Hause zurückkehrte. So ist diese nahezu letzte Aktion zu einer Art Vermächtnis geworden. Der Baum ist ein Sinnbild für ihn und zugleich auch ein Sinnbild für das Leben, das ihn jenseits dieses Lebens erwartet – in Gottes Ewigkeit aufs Neue zu erblühen. Auch in diesem Sinne ist das Psalmwort zu verstehen: „Die gepflanzt sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen.“

Wir nehmen heute also Abschied von einem Mann, der um seine Lage und sehr begrenzte Lebenszeit wusste. Abgeklärt wie er war, dachte und plante er aber über den Tag, ja über seinen Tod hinaus.

Lassen Sie den gepflanzten Feldahorn im Hof bei Ihnen ein Symbol sein - für sein ganzes Lebens und auch als sein Vermächtnis.

Wie sagte er doch: „Ich freue mich … wenn ich das frische Grün … sehe … Für mich … spielt Gott eine Rolle!“

So sei es, in diesem Sinne wollen wir von ihm Abschied nehmen und im Gedächtnis behalten Und den Verstorbenen zugleich dem Gott anvertrauen, der aus dem Tod neu erschaffen kann - in Jesus Christus, Amen!

 

Wrap up & follow-up actions

---

Effect / experience

---

stimulus

---

Experience reports

    Related articles

    • Abschied von Kathrin Frischemeyer-pixelio
      Die Kirche und die Hinterbliebenen überhaupt können nicht am Toten, für den Toten handeln. Im Zentrum einer christlichen Trauerfeier anlässlich einer Bestattung stehen demnach Abschied, Totengedenken und Trost.
      This article is visible for all internet-users.
      By 2 geistreich- members
      MoreMore

    Connected content

    • Thumb_discussions-idea
      Zum Ehrenamt in Kirche und Gemeinde brauchen wir in Zukunft neues Führungspersonal und auch begleitendes Personal! Viele "Ältere" haben sich durch Arbeit und Beruf in die Richtung des Berufes bis zum letzten Tag bewegt! Rente und Pension stehen nun vor der Tür und werden oft ohne Vorbereitung an...
      This idea is visible for all internet-users.
      from a Geistreich-member
    • Kloster Germerode
      Ein Kirchenvorstand kommt zu einem Stille-Tag in einem Kloster zusammen.
      This is visible in the Web.
      from a Geistreich-memberKloster Germerode in Meißner
    • Fenster von Marc Chagall schmücken die Synagoge des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem.
      This is visible in the Web.
      By 2 geistreich- membersDeutsche Freunde der Hadassah Medical Relief Association e.V. in München
    • Apfel-Gottesdienst
      In einem Gottesdienst am Ende der Apfelernte wird anhand des Apfels die Beziehung der Menschen zur Schöpfung thematisiert.
      This is visible in the Web.
    • Dorf
      Mit dem modernen Dorf verbinden sich spezifische Chancen und Herausforderungen für die Kirche.
      This article is visible for all internet-users.
      from a Geistreich-member

    geistreich video

    Hide Video