Freizeiten: Ev. Jugendfreizeiten und Ehrenamt

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created at: 2012-10-19
Last major update at: 2012-10-19
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Freiwilligendienste, Ehrenamtliche
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Stimmungsvolle Augenblicke schaffen auch Raum für Ruhe und Besinnung während der Jugendfreizeit.

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Zahllose junge Menschen begleiten evangelische Jugendfreizeiten in Europa und betreuen Kinder und Jugendliche – Catharina Nickel und Stefan Negle berichten von ihren Erfahrungen und ihrer Motivation.

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Stefan Negle ist müde. Er wirkt matt und abgekämpft. Sein Sommer, sagt der 36-Jährige, sei anstrengend und heiß gewesen. „Das wäre nichts für mich“, erwidern Arbeitskollegen und Freunde. Urlaub sehe schließlich anders aus. Dennoch strahlt Negle eine tiefe Zufriedenheit aus. „Ich bin wohl ein Überzeugungstäter“, schmunzelt der Münsteraner. Seit 19 Jahren begleitet Stefan Negle evangelische Jugendfreizeiten. Nach Westfalen, an die dänische Nordseeküste oder an die kroatische Adria führten die Kinder- und Jugendfreizeiten des Amts für Jugendarbeit (AfJ) im Evangelischen Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken den kaufmännischen Angestellten. Stets ehrenamtlich, immer engagiert nutzt Stefan seither seinen Sommer, um jungen Menschen einen schönen Urlaub zu bereiten.

Langsam sengt sich die untergehende Sonne über das Camp in Calcatoggio und taucht Zelte und Hütten in warmes Licht. An der Wäscheleine schaukeln Badetücher im salzigen Wind. Im hölzernen Bungalow blickt Stefan Negle aus dem Fenster. Vor ihm dunkelgrüne Hänge, weißer Strand, das Mittelmeer. „Im Camp Corse fühle ich mich wohl“, sagt er. Seit 2005 leitet der Ehrenamtliche während der Sommermonate jeweils für zwei bis drei Wochen das Zeltlager auf Korsika. „Ich bin bis jetzt noch jedes Jahr wiedergekommen“, so Negle. Auf der französischen Insel findet der junge Mann einen Ausgleich zum beruflichen Alltag. In Münster arbeitet Stefan als operativer Teamleiter für einen Telefondienstleister. Dabei unterscheidet sich seine ehrenamtliche Arbeit auf der Mittelmeerinsel kaum von seinen beruflichen Aufgaben. Auf Korsika sorgt er mit seinen guten Französisch-Kenntnissen und seiner Vorliebe für Organisation für ein reibungsloses Campleben. „Ich halte den Kontakt zu Freizeitanbietern auf der Insel, buche Sportangebote und sorge für den Bustransfer“.

Mit dem eigentlichen Freizeitprogramm der 11- bis 19-Jährigen, das der Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken seit über 20 Jahren anbietet, hat Stefan nur noch wenig zu tun. Vielmehr ist der gebürtige Pfälzer Ansprechpartner für Teamer und Betreuer. Dennoch hört auch Stefan aufmerksam zu, wenn Kinder und Jugendliche zu ihm kommen. Dann geht es oft um Zank im Zeltlager, um persönlichen Kummer oder schulischen Stress. Das Miteinander im Camp ist Stefan wichtig. Schließlich engagiert sich der Kaufmann seit Jahren ganz bewusst ehrenamtlich für evangelische Freizeiten. Dabei ist Stefan seit Jahren konfessionslos. Premium-Angebote nennt er die kirchlichen Jugendcamps, an denen er einst als Kind teilnahm. „Wir stellen sehr hohe Anforderungen an unser Programm, an Betreuer und Materialien“, meint der 36-Jährige. „Es geht eben nicht so sehr ums Geld, sondern um Menschen, jeden einzelnen“.

Das findet auch Catharina Nickel. Für zwei Wochen verantwortet die 26-Jährige in diesem Sommer das Campleben von 43 Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren. Im Gegensatz zu Stefan Negle, dem gelassenen, ruhigen Manager, steht die Diplom-Sozialarbeiterin mitten im Gruppengeschehen. Mit den Teilnehmenden teilt die quirlige junge Frau die Zeltunterkünfte und sorgt für ein buntes Freizeitprogramm. Von Beach-Volleyball und Camp-Disco über Strandfeste und Mountainbike-Touren bis zu Tauch- und Schnorchelkurse reicht das Programm. „Das Leben im Camp macht riesigen Spaß und bedeutet ständige Abwechslung“, berichtet Catharina, die in Bochum und Enschede Soziale Arbeit studierte und heute für die Diakonie ambulante Erziehungshilfen vermittelt. Auch für Catharina bedeutet die Freizeit ein Kontrastprogramm zum beruflichen Alltag.

Seit elf Jahren engagiert sich die gebürtige Dorstenerin mit ihrer direkten, lebenslustigen Art für evangelische Freizeiten. Warum sie das tue? „Nach dem ich lange Zeit nur Teilnehmerin war, wollte auch ich Verantwortung übernehmen“, erinnert sich Catharina. Und die konnte sie kriegen. „Natürlich gehört auch Erfahrung und eine gute Betreuerausbildung dazu“. Heute beobachte sie mit großer Freude, wie sich die Kinder und Jugendlichen innerhalb weniger Tage entwickelten, oftmals aufblühten. So engagiert sich Catharina neben einem aktiven Sportprogramm für Andachten, meditative Angebote und Gespräche, beispielsweise über Nachhaltigkeit und Umweltschutz. „Die Jugendlichen sind da fitt und sehr interessiert“, so Catharina weiter.

Dennoch habe sich das Campleben verändert. Anstelle von Lagerfeuerromantik mit Stockbrot und Gitarre spielten die Jugendlichen heute lieber „Singstar“. Aber nicht nur die Freizeitwünsche der Teilnehmenden haben sich verändert. Da sind sich Catharina und Stefan einig. „Die Kinder und Jugendlichen sind ernster geworden, denken eher an Beruf und Karriere“. Umso wichtiger ist den beiden Ehrenamtlichen die aktive Freizeit auf Korsika. Bereitwillig nehmen die engagierten Teamer dafür rund 80 Stunden Vorbereitung, Elternabend und Programmplanung sowie 30 Stunden Bus- und Fährfahrt auf sich. Am Ende kehren sie dann aus der Sonne Korsikas zurück. „Dann bist du leer, ausgelaugt und kaputt“, sagt Catharina. „Und sehr, sehr glücklich“.

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