Gottesdienst feiern mit Gemeinden anderer Sprache und Herkunft

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Integration und Inklusion, Ökumene und Internationales
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Gottesdienst feiern mit Gemeinden anderer Sprache und Herkunft

Empfehlungen der Tagung „Gemeinsam Gottesdienst feiern“ an die Mitgliedskirchen der GEKE zu Möglichkeiten gemeinsamer Gottesdienste mit Gemeinden anderer Sprache und Herkunft

Am 01. – 02. Dezember 2010 trafen sich 1 Personen aus den GEKE-Mitgliedskirchen, CCME und KEK (mit den Herkunftsländern Deutschland, Kongo, Nigeria, Österreich, Ungarn und Schweiz) in Wien zu dem Thema “Gemeinsam Gottesdienst feiern. Möglichkeiten und Grenzen einer Gottesdienstgemeinschaft von Migrationsgemeinden und Ortsgemeinden“. Die Teilnehmenden verabschiedeten folgende Empfehlungen:

Ob Wien oder London, Zürich oder Frankfurt – die Internationalität europäischer Großstädte ist mittlerweile auch kirchlich erfahrbar. Das gottesdienstliche Leben in seiner sprachlichen, kulturellen und konfessionellen Vielfalt entwickelt sich jedoch meist parallel nebeneinander her. Zwar existieren bereits einzelne kirchliche Initiativen, welche die Frage nach gemeinsamen Gottesdiensten zwischen so genannten Migrantengemeinden und einheimischen Kirchen praxisorientiert angehen, aber die Realität der Einwanderungsgesellschaften bildet sich längst noch nicht in den Kirchen ab. Dabei gibt es gute ekklesiologische und theologische Gründe, warum die so genannten einheimischen Kirchen in Europa internationaler werden sollten. Schließlich ist der Gottesdienst als Zentrum kirchlichen Lebens zugleich sichtbarer Ausdruck der ganzen Kirchen Jesu Christi.

Die folgenden Empfehlungen wollen die Mitgliedskirchen der GEKE ermutigen, sich mit der Präsenz von Glaubensgenossinnen und -genossen aus anderen Ländern und Kulturen auseinanderzusetzen und sich in einen geschwisterlichen Dialog auf Augenhöhe zu begeben. Die geschieht in dem Bewusstsein, dass die Situationen in den jeweiligen Mitgliedskirchen so unterschiedlich sind wie die Bedürfnisse der verschiedenen Migratengemeinden. Deshalb wird hier kein Anspruch auf Vollständigkeit oder Universalität der Empfehlungen erhoben, sondern der Versuch unternommen, die Kirchen in ihrem ökumenischen Engagement zu bestärken und sie zu befähigen, in den Debatten um die Einwanderungsgesellschaft ihren spezifisch christlichen Beitrag zu leisten.

 

Schritte zur Erleichterung eines gemeinsamen Kirche-Seins mit Migrationsgemeinden

1. Die Mitteilung von Informationen über die Präsenz von Migrationsgemeinden kann die veränderte gesellschaftliche und kirchliche Situation in Europa („globale Einwanderungsgesellschaften“) ins Bewusstsein rufen;

2. Kirchen können dazu ermutigt werden neue Gottesdienstformen zu entwickeln, die es den Alteingesessenen und den Neuhinzugekommenen ermöglichen, zumindest punktuell gemeinsame Gottesdienste zu feiern. Dies entspräche

a. der veränderten gesellschaftlichen Zusammensetzung vor Ort

b. dem Evangelium („das eine universale Volk Gottes“)

und es könnte der weiteren Gesellschaft als ein Modell von Integration dienen.

3. Es bietet sich an, dass in dieser Hinsicht vor allem zwei Gruppen von PastorInnen angesprochen werden:

a. PastorInnen von Kirchen, die Migrationsgemeinden einen Gaststatus einräumen

b. PastorInnen von City-Kirchen.

4. Zur Entwicklung gemeinsamer Gottesdienstformen auf Gemeindeebene könnte zur Verfügung gestellt werden eine Anleitung in Form einer Broschüre, die folgendes beinhaltet: Beispiele von Best-Practice-Modellen; eine allgemeine Einführung in konfessionelle, kulturelle und soziologische Hintergründe; Kontaktadressen von regionalen Ressource-Personen. Darüber hinaus könnte auf entsprechende Vorbereitungskurse hingewiesen werden, etwa an der Missionsakademie in Hamburg.

 

Gottesdienst und Sprache

Aus unseren bisherigen Erfahrungen in der Arbeit mit Migrationskirchen möchten wir die Gemeinden ermutigen, nach Möglichkeiten für eine gemeinsame Gottesdienstfeier zu suchen. Wir haben erlebt, dass diese gemeinsame Feier unser Zusammenleben gefördert hat, denn sie hat uns vor eine konkrete Aufgabe gestellt. Wir schlagen vor, den sonntäglichen Hauptgottesdienst durch ein weiteres Angebot zu ergänzen. Wir möchten ermutigen, eine neue Gottesdienstform – zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort – mit anderen Elementen zu entwickeln, welche die Musik, die Liturgie, die Sprache und die Dauer der Feier bei den beteiligten Partnern berücksichtigt. In den europäischen Großstädten sehen wir das Potential zur Einrichtung von regelmäßigen, mehrsprachigen Gottesdiensten. Mit dieser Aufgabe könnte eine Stadtkirchenarbeit beauftragt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit der vorhandenen Sprachbarriere umzugehen:

  • • nicht jedes liturgische Element muss übersetzt werden, um Wirkung zu entfalten;
  •  es gibt technische Hilfen, z.B. Übersetzungsanlagen oder projizierte Übersetzungen;
  • nichtsprachliche Elemente können integriert werden: Pantomime, Tanz und anderes.

Wir haben die Frage diskutiert, ob und wie der sonntägliche Gottesdienst durch andere Sprachen und Dialekte bereichert werden kann.

 

Schritte zur Begegnung

Für die gemeinsamen Gottesdienste sind verschiedene Ebenen zu bedenken. Auf der Basis- Ebene (Gastgebenden mit Gastnehmenden Gemeinden) sind folgende Anregungen gedacht:

  • •Einen festen Termin im Kirchenjahr wählen, der für einen gemeinsamen Gottesdienst geeignet ist. (z. Bsp. Advent, Gründonnerstag, Pfingsten, Erntedank,..)
  • •Feste im Kirchenjahr, die bisher in beiden Gemeinden ,keinen „Ort“ hatten. (z.B. Agape-Mahl am Gründonnerstag). So kann sich eine gemeinsame Tradition entwickeln.
  • •Mäßig aber Regelmäßig. Auch Traditionen brauchen Zeit. Ein guter Gottesdienst im Jahr ist ein Anfang.
  • •Gemeinsame Gottesdienste erfordern eine intensive Vorbereitung. Dieser zeitliche Mehraufwand wird dann über die Jahre wieder wettgemacht
  • Es gibt kein Scheitern sondern „Trial and error“ eine gute Auswertung nach einem Gottesdienst hilft Fehler beim nächsten Mal zu vermeiden.
  • •Sensibilität für den KAIROS entwickeln.
  • Achten auf die konfessionellen Grenzen.
  • Diese Gottesdienste sollten mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit beworden werden. Kirche partizipiert an gesellschaftlichen Prozessen.
  • Dieser Prozess muss von „Unten“ nach „Oben“ wachsen. Gleichzeitig braucht er klare Signale von „Oben“. Das heißt auch Unterstützung und Begleitung von Kirchenleitender Seite.

  

Weitere gemeinsame Arbeitsbereiche

Über den gemeinsamen Gottesdienst mit Migrationskirchen und –gemeinden hinaus sind weitere Arbeitsbereiche in den Kirchen für das internationalere Zusammenleben von Bedeutung: o Soziales und politisches Engagement insbesondere im Blick auf die sozialen Gegebenheiten in verschiedenen Migrationsgemeinden. In einigen Migrationsgemeinden kommen viele Menschen zusammen, die prekäre Beschäftigungsverhältnisse haben. Viele Migrantengemeinden leisten Begleitung und Beratung in schwierigen sozialen Lagen.

  • Interkulturelle Seelsorge: Seelsorge für Menschen mit verschiedenen Kulturen und Sprachen ist eine Herausforderung. Der Austausch von Erfahrungen, u.a. SIPCC kann hier wertvoll sein.
  • Unterschiedliche Kulturen und verschiedene musikalische Ausdrucksformen. Häufig gibt es sowohl in traditionellen/historischen Gemeinden und in Migrationsgemeinden unterschiedliche Zugänge der Generationen, viele ältere Gemeindemitglieder möchten gewohnte Formen und Lieder nicht missen, Jüngeren möchten neue Zugänge und Musik erproben und leben. Respekt für andere Kulturen soll nicht dazu führen, dass „traditionelle“ musikalische Ausdrucksformen vergessen oder gering geschätzt werden. Gegenseitigkeit und Austausch können zur Wertschätzung beitragen.
  • Konflikte: Auch in den Beziehungen mit Migrationskirchen und –gemeinden wird es Missverständnisse und auch Konflikte geben. Auch wenn dies kein Spezifikum dieser Beziehungen ist, ist es hilfreich, sich mit geeigneten Mitteln zur Konfliktbewältigung, z.B. Mediation, zu befassen.
  • Das Wissen um Migrationskirchen und –gemeinden ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Und doch bleibt es häufig noch auf der Beschreibungsebene. Eine genauere Untersuchung und Forschung zur Präsenz von Migrationskirchen, der Bedeutung in den europäischen Gesellschaften wäre höchst wünschenswert.

Quelle

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Mag. Ingrid Monjencs, Öffentlichkeitsarbeit, ist Ansprechpartnerin für diese Praxis-Hinweise.

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