Theologie

Author
a geistreich member
created at: 2014-02-08
Last major update at: 2014-02-08
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
Table of content
Erwachsene
Keywords
Target audiences
Practitioners
Votes
no vote
Comments to the document
Big_article-default-image

definition

Theologisieren heute - Eine notwendige Besinnung -

Hinführung

Wer sich getrieben fühlt, theologische Aussagen zu machen, d.h. Aussagen aus "göttlicher Sicht", sollte
sich über die Grundlagen im klaren sein, auf denen er das tut.
Der Naturwissenschaftler hat es im Gegensatz zum Theologen leicht. Er hat mit einer Wirklichkeit zu
tun, die weitgehend greifbar, sichtbar, aber auf jeden Fall, meßbar ist. Bildet ein Naturwissenschaftler
Hypothesen, so werden diese früher oder später an der Realität verifiziert oder ad absurdum geführt.
Anders bei einem Theologen: Er geht von einer Realität aus, die nur in geringem Maße erfahren, im
wesentlichen jedoch lediglich geglaubt, d.h. als. vorhanden angenommen wird.
Die Interpretation dieser Wirklichkeit und der Zeugnisse (bsw. der Bibel), die von dieser handeln,
scheint deshalb mehr oder weniger menschlicher Willkür zu unterliegen. Es ist ganz klar, daß auf
d i e s e r Grundlage die Ansichten derer, die theologisieren, seien es nun ausgebildete Theologen oder
"Laien" divergieren müssen.
Aber die Ausgangssituation der Naturwissenschaft war durchaus eine ähnliche, wie sie heute für die
Theologie noch ist. Naturwissenschaftliche Zusammenhänge, wie sie uns heute selbstverständlich sind,
wurden erst allmählich entdeckt. Die Kriterien, an oder mit denen Wirklichkeit meßbar ist, und mit
denen Naturprozesse nachvollzogen oder gar neue Prozesse ausgelöst werden konnten (Experiment)
mußten erst gefunden werden. Nur langsam entwickelte sich eine naturwissenschaftliche Weltsicht.
Daß heute diese Sicht beherrschend geworden ist - nicht zuletzt durch die freilich schon wieder
fragwürdig erscheinenden Erfolge auf technologischem Gebiet - ist darauf zurückzuführen, daß
Erkenntnisse gewonnen wurden, auf denen sich bauen ließ und die immer neue Erkenntnisse
evolvierten. Im Vergleich dazu sind die Ergebnisse der Theologie beschämend.
Nach einer nahezu zweitausendjährigen Geschichte der christlichen Theologie sind wir, was die
erkenntnismäßige Vertiefung der wesentlichen Aussagen des christlichen Glaubens - wie sie etwa im
athanasischen Glaubensbekenntnis zum Ausdruck kommen - anbelangt, nicht weiter als am Anfang. Im
Gegenteil, es gibt nahezu nichts im christlichen Glauben, das nicht durch die (moderne) Theologie in
Frage gestellt wurde. Doch auch die evangelikale Theologie brachte keine neuen Erkenntnisse. Ihre
Tätigkeit besteht lediglich in einem Arrangieren von Bibelstellen.

  

Erforschung der Wirklichkeit

Daß hier etwas mit der Ausgangssituation, den Grundlagen des Theologisierens nicht stimmen kann,
müßte jedem in die Augen springen. Aber es gibt ja so etwas wie eine Betriebsblindheit. Dazu gehört,
daß im allgemeinen übersehen wird die Beschäftigung mit dem "Wort Gottes" nicht die
Erforschung d e r Wirklichkeit ist, die in diesem ausgedrückt ist. Andere Theologen gehen
davon aus, daß es nur das naturwissenschaftlich erforschbare Dasein gibt und interpretieren in diesem
Sinne die Aussagen der Bibel.
Diese Irrwege können vermieden werden, wenn man sich klarmacht, daß, wie in der Naturwissenschaft,
wirkliche Aussagen über eine Realität nur gemacht werden können, wenn man immer und immer tiefer
in diese Realität selbst eindringt, sie also selbst Gegenstand der Forschung ist.
Dieses Prinzip auch für die Theologie in Anspruch zu nehmen ist nicht Vermessenheit, sondern trägt die
Verheißung: "Ihr werdet die Wahrheit erkennen" (Joh. 8,32).
Theologische Aussagen werden dann zu dem, was im Wesentlichen ihre Funktion sein soll: Hilfsmittel
auf dem Weg in und zur Erforschung einer Realität, die sich dem Sinnenschein entzieht (einschließlich
ihrer Bezüge zur physisch - sichtbaren Welt), und einer Realität, die erst durch Jesus Christus auch für
uns in vollem Maße Wirklichkeit werden kann (1. Kor. 2,6-15; 1. Kor. 1-3 und viele andere).
Durch das vertiefte Eindringen in die nur dem physischen Auge unsichtbaren Welten und die immer
tiefer werdende Verwirklichung des Heils (Heiligung) erhalten die Hypothesen der Theologie ihre
Korrekturen, so daß sie zu einem immer geschmeidigeren Werkzeug werden.
Es versteht sich von selbst, daß eine solchermaßen r e a l i t ä t s b e z o g e n e Theologie nicht
konfessionsgebunden sein kann. Im Gegenteil wird sie alle durch Nichtverständnis bedingten Barrieren
überwinden können, und so die "Einheit im Glauben" (Eph. 4, 13) ermöglichen. Dieses für unsere Zeit
neue Verständnis der Theologie bedingt nicht nur eine grundsätzliche Neuausrichtung des Theologen -
er selbst in seinem Streben nach Heil und der damit verbundenen Transformation seiner selbst, ist
primäres Studienobjekt, das ihn in unmittelbaren Kontakt zu oben genannten Realitäten bringt -
sondern auch eine gewichtsmäßige Verlagerung und Ausweitung der theologischen Studienfächer.
Zu ihnen wird nicht nur die vergleichende Beschäftigung mit Leben und Aussagen christlicher Mystiker
aller Konfessionen gehören, oder die Beachtung christlicher Erfahrungen, sondern auch an den
Erscheinungen und den Aussagen des Spiritismus und der Parapsychologie wird der Theologe nicht
oberflächlich Kenntnis nehmend, vorbeigehen können. Wenn sie ihm auch keine unmittelbar
christologischen Erkenntnisse vermitteln können, so können sie doch geistig-seelisch-materielle
Zusammenhänge offenbaren.
Das Wichtigste, selbstverständlich neben dem eigenen Streben nach Heiligung, wird schließlich die
Zusammenschau des so gewonnenen Wissens sein. Diese wird dem Theologen in echt
wissenschaftlicher Weise sagen können, unter welchen Bedingungen diese oder jene Ergebnisse zu
erwarten sind.
***

Experience reports

Related articles

  • Kursus
    Glaubenskurse stellen eine niederschwellige Einstiegshilfe in den Glauben dar. Menschen können sich Kerninhalten annähern und sie in Beziehung zur eigenen Biografie setzen.
    This article is visible for all internet-users.
    By 8 geistreich- members
    MoreMore

Connected content

  • Thumb_article-default-image
    Die Reinkarnationsidee ist uralt. Deshalb ist sie nicht nur Bestandteil des Hinduismus und Buddhismus, sondern weltweit Inhalt vieler archaischer Kulturen. In letzter Zeit wurde sie, besonders durch Dr. Ian Stevenson und Jim Tucker (beide University of Virginia) anhand sogenannter Erinnerungen a...
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-member
  • Humboldt-Universität
    Das Fernstudium Feministische Theologie bietet eine geschlechtersensible und erfahrungsnahe Einführung in die Theologie. Es wird seit 2004 in fast allen Gliedkirchen der EKD durchgeführt.
    This article is visible for all internet-users.
    By 2 geistreich- members
  • Thumb_article-default-image
    Darf man eigentlich Konfirmanden zum Gottesdienstbesuch verpflichten? Und ist das sinnvoll? Unter Umständen ist dies vertretbar und sinnvoll. Doch die aktuelle bundesdeutsche Situation, wie sie in den Tübinger Konfirmandenstudien erhoben wurde, deutet auf eine inakzeptable Praxis der Besuchspfli...
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-member
  • Thumb_article-default-image
    Clichés about women and men are also quite common in the church. The knowledge that women and men need and expect different things from the church however, is rarely considered. Being gender consciousness in church work could be a way of addressing not only the active members but also those who ...
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-memberTranslator: a geistreich member
  • Pfarrberuf
    The professional Evangelical minister is an ordainined, salaried minister.
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-memberTranslator: a geistreich member

geistreich video

Hide Video