Predigt ökumenisches Friedensgebet

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a geistreich member
created at: 2014-07-23
Last major update at: 2014-07-23
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
Table of content
Gottesdienst, Gemeinwesen, Diakonie und Gesellschaft, Alternative Gottesdienste, Gottesdienstbausteine, Themengottesdienste und Reihen, Zielgruppengottesdienst, Besondere Anlässe („neue Kasualien“), Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung, Ökumene und Internationales
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Nächstenliebe verlangt Klarheit

Abstract

Predigt zum Friedensgebet aus Anlass eines Rechtsrockkonzertes in Gera - theologische Begründung des Widerstandes gegen Rechtsrockkonzerte - biblische Fundierung des ökumenischen Engagementes.

Situation / context

Friedensgebet als Teil des Widerstandes gegen Rechtsrock in Gera, ökumenisch verantwortet und auch für kirchenferne Aktive gestaltet

Goals

  • Deutliches Bekenntnis gegen Rechtsextremismus
  • Mobilisierung des Widerstandes vor Ort

Reflection / background

Predigt zum Friedensgebet aus Anlass eines Rechtsrockkonzertes in Gera.

Implementation

General information on realization

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Preparation

  • Terminliche und örtliche Einbindung des Friedensgebetes in den Gesamtrahmen des Widerstandes = Absprachen mit dem örtlichen Runden Tisch
  • Öffentlichkeitsarbeit über Presse, Internet, Flyer und Plakate
  • im Vorfeld Information zum Hintergrund des Friedensgebetes (Aufklärung über Rechtsrock) = "Talk-Show" im Offenen Kanal, Interview mit der Lokalpresse
  • Absprachen mit Ordnungsamt und Polizei
  • Einladung an Vertreter aus Politik, Kultur und Kirche

Realization

Predigt ökumenisches Friedensgebet

05. Juli 2014

 

 

„Am Anfang war das Wort“. So steht es im Johannesevangelium. Wir können die biblische Aussage aufgreifen und ergänzen. Am Anfang war das Wort, und nicht die Propaganda. Gespräch und Propaganda erweisen sich immer wieder als Gegensatz.

 

Der Turm zu Babel – sperrig, nutzlos, ein Zeichen eigener scheinbarer Überlegenheit und Allmacht. Dieses Gebäude verschlingt Ressourcen, die dann im Sozialen und Kulturellen fehlen.

Der Turm zu Babel – Vater und Urbild aller späteren Monumentalbauten, von Babylon über Rom bis hin zu den Architekturentwürfen eines Albert Speer oder den Großbauten des Stalinismus. All diese Ableger des Turmbaus von Babel fielen nicht vom Himmel. Am Anfang stand immer Propaganda. Die Sprache wurde deformiert. Statt Gespräche gab nun Kommandos, Befehle, Denunziationen. Obwohl – wie es die Bibel beschreibt – alle die gleichen Worte verwendeten, verstanden sich die Menschen nicht mehr. Da, wo ein totaler Einklang erzwungen wird, haben Zwischentöne, Missklänge, Widerspruch und Hinterfragen keinen Platz mehr. Das vermeintlich große Ziel erstickt alle Lebendigkeit, blockiert jede fruchtbare Auseinandersetzung – und lähmt das Zusammenleben bis hin zur tödlichen Agonie. Die Menschen sollen sich auch nicht verstehen, sie sollen vor allem funktionieren. Der Turm ist wichtiger als die Freiheit. Wer dessen Errichtung stört, wird ausgeschlossen, isoliert, vernichtet. Angestrebt wird Monokultur statt Vielfalt, homogene Volksgemeinschaft statt Pluralität. Und da sowohl der Turm als auch die gleichgeschaltete Gesellschaft ein Kunstprodukt sind, besteht diese Welt aus Zwang und Kälte, Beton und Gewalt.

Und immer steht am Anfang die Propaganda, die gezielt Sprache korrumpiert und die Verständigung exekutiert.

 

Eine solche Hinrichtung von Sprache wird heute in Gera vollstreckt – für ein paar Stunden im musikalischen Gleichschritt.  Zum 12. Mal wird in Gera auf einem Rechtsrockfestival Propaganda zelebriert. Der Turm, den die Veranstalter errichten wollen, besteht in einem Großdeutschen Reich, welches wieder erstehen soll. Dieses Reich – so die Allmachtsphantasien der Bands und Besucher – soll die angebliche Überlegenheit einer angeblichen arischen Rasse demonstrieren. Und all die Menschen, die dabei nicht mittun wollen, die im Wege stehen oder sich gar widersetzen, sollen in der Endkonsequenz eliminiert werden.

Gewalt und Hass gehören unverzichtbar zum Repertoire dieser Veranstaltung, Terror wird als Mittel der Wahl unverblümt beschrieben.

 

Und weil diese Botschaft dort auf dem Platz der Hassmusik so klar und unmissverständlich ertönt, deshalb müssen auch wir – hier in der Kirche, auf der Straße, in Schulen, im Rathaus – ebenso klar und unmissverständlich sein. Gott erwartet von  uns ein deutliches Bekenntnis zum Wort; dem Wort, das die Grundlage für Sprache und Verständigung bildet.

 

Gott macht es uns vor. Er sieht den Turmbau von Babel und er schaut nicht weg. Er mischt sich ein, stört den reibungslosen Ablauf, bringt den Gleichschritt durcheinander. Er führt in dieser Situation die Vielfalt, die Auseinandersetzung, das Gespräch wieder ein. Er sorgt dafür, daqss es wieder zu einem Zusammenleben kommt, welches diesen Naqmen wirklich verdient. Und Gott macht das auf eine sehr drastische, eindrucksvolle Weise: er verwirrt die Sprachen! Nun funktionieren die Kommandos nicht mehr. Die Menschen müssen sich wieder darum bemühen, einander zu verstehen. Dissenz, Kritik und Streit finden endlich wieder statt. An dieser Stelle sind der Runde Tisch in Gera und das Aktionsbündnis geradezu vorbildlich. Die unterschiedlichen Sprachen spiegeln die Buntheit der Welt. Sie sind ein Reichtum. Sie sind eine weise Entscheidung Gottes gewesen.

 

Unser Nein zu Propaganda bedeutet vor allem ein Ja – ein Ja zum Wort der Verständigung, ein Ja zu einer komplizierten, vielschichtigen, widersprüchlichen Welt, ein Ja zu Dialog und konstruktiven Streit.

 

Am Anfang war das Wort, und das Wort wurde Mensch und wohnte unter uns. Gottes Wort ist nicht abstrakt und theoretisch. Es wurde konkret in Jesus Christus. Es ist ein Wort der Menschenliebe. Und für diese Liebe Gottes geben wir heute Zeugnis ab.

 

                   Amen

Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

  • Stärkung der ökumenischen Gemeinschaft vor Ort
  • eigenständiges Agieren im Handeln gegen Rechtsextremismus
  • christliches Profil bei einem aktuellen Problem

stimulus

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