Themenjahr Reformation - Bild und Bibel

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created at: 2014-11-19
Last major update at: 2014-11-19
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Reformationstag
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Das Jahr 2015 steht als Themenjahr der Reformationsdekade unter dem Motto:
"Reformation - Bild und Bibel."

„Ich sehe dich mit Freuden an…“

Reformation – Bild und Bibel – Kurze Überlegungen zum Themenjahr 2015

Die Reformation als eine Bewegung des „Wortes“

Ohne Frage – die Reformation war eine Bewegung des „Wortes“ und die evangelische Kirche ist bis heute die Kirche des „Wortes“. Die Wiederentdeckung der Bibel, die deutsche Bibelübersetzung Martin Luthers, die Einsicht in die „viva vox evangelii“, die lebendige Stimme des Evangeliums in der Volkssprache – all dies gehört zum „Markenkern“ der evangelischen Kirche, zu einer Geschichte, die bis heute verpflichtet.

  

Kritik an den alten Bildern...

In der Zeit der Reformation, am Beginn und in der Mitte des 16. Jahrhunderts war mit dieser Wiederentdeckung auch eine sehr kritische Einsicht verbunden. Das spätmittelalterliche Christentum war geprägt von einer Überfülle der Bilder. Die Kirchen, die Städte, Dörfer und Landschaften waren angefüllt mit religiösen Bildern, nicht zuletzt auch mit Bildern, die Angst erzeugten und mit denen sich trefflich Macht ausüben ließ über die Gemüter der des Lesens unkundigen Menschen. Unter der Überfülle der Bilder, der Heiligen und Heiltümer, war vielfach der Kern des Evangeliums, das schlichte Vertrauen auf die in Jesus Christus begegnende rettende Liebe Gottes, verschüttet. Manches hatte auch mit dem von Martin Luther so scharf bekämpften Ablasswesen zu tun, dem Missverständnis etwa, dass die Betrachtung heiliger Gegenstände, sogenannter Reliquien, einen Nachlass der Sündenstrafen nach dem Tode bewirken könne. Dieser Überfülle der Bilder begegneten einige Reformatoren und mehr noch die von der Botschaft der Reformation angerührten Bürgerinnen und Bürger an manchen Orten mit einem „Bildersturm“: Figuren und Bildnisse wurden aus den Kirchen mitunter gewaltsam entfernt. Martin Luther selbst stand diesem Bildersturm sehr kritisch gegenüber. Er war der Ansicht, dass man sehr behutsam mit den Gefühlen der Menschen umgehen müsse, deren Glaube von der Macht der Bilder geformt worden war.

   

...und neue Bilder der Reformation

Die Reformation war aber nicht nur von einer Kritik der Bilder geprägt, sie prägte vielmehr auch neue Bilder. Besonders eindrückliches Beispiel sind die Werke von Lucas Cranach dem Älteren und von seinem Sohn, Lucas Cranach dem Jüngeren, dessen 500. Geburtstag wir 2015 gedenken. Die bildhafte Sprache der Bibel gewann neuen Einfluss auf die Menschen. Von großer Bedeutung waren, und sind bis heute, die deutschsprachigen Lieder, in die das Bibelwort vielfach einging. „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen“, heißt es in dem berühmten Weihnachtslied „ich steh an deiner Krippen hier“ von Paul Gerhardt. Ebenfalls von Paul Gerhardt und genau so bekannt: Das Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“, das in teils drastischer Sprache die Leiden des gekreuzigten Jesus beschreibt. Beide Lieder machen deutlich, wer hier angeschaut werden soll: Jesus selbst, und zwar mit den „erleuchteten Augen des Herzens“ (Epheser 1,18). Ihn anzuschauen, so die Einsicht der Reformatoren, ist Leben und Rettung.

   

Die Bilder in der Gegenwart

Ist all dies nur ein Rückblick in die Geschichte, der uns nur noch wenig zu sagen hat? Fest steht: Heute leben wir wiederum in einer Überfülle der Bilder, sind wiederum umgeben von Bildern, die Macht über uns ausüben. Es sind Bilder, die etwa in der Werbung mit unserer Sehnsucht und mit unseren Wünschen spielen, vielfach aber auch zerstörerische Bilder von Albträumen der Gewalt und des Verbrechens. Das denke ich oft, nicht nur wenn ich Nachrichten schaue, sondern auch das restliche Abendprogramm zwischen „Tatort“ und „Polizeiruf 110“.

Welche Bilder prägen uns und, eine drängende Frage, unsere Kinder? Die Botschaft der Reformation mahnt zu einem sehr kritischen Blick auf die Bilderflut. Manchem sollten wir uns und unsere Kinder entziehen.

Aber mehr als das, die Reformation setzt der Fülle zerstörerischer Bildern eine Konzentration auf wenige heilsame Bilder entgegen: Das „Kind in der Krippe“, der „gute Hirte“, der „Gekreuzigte“, der unsere Schmerzen trägt. Mit diesen Bildern sind wir eingeladen den Weg des Glaubens zu gehen – bis an den Ort, an dem alle Bilder zerbrechen, weil wir vor dem lebendigen Gott stehen, den „kein Mensch je gesehen hat“ (Johannes 1,18).

    

 

Informationen zum Themenjahr und zum Themenmagazin

http://www.geistreich.de/FokusBildUndBibel

http://www.reformation-bild-und-bibel.de

 

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