Volkstrauertag

Author
a geistreich member
created at: 2010-05-18
Last major update at: 2012-11-23
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
Table of content
Volkstrauertag
Keywords
Target audiences
Practitioners
Votes
one vote
Comments to the document
Volkstrauertag

definition

Ein weltlicher Gedenktag, mit kirchlicher Begleitung begangen, aber oft neu erschlossen.

Einführung

Volkstrauertag ist kein beliebter Anlass. Bislang erlebt man den Tag unter Kollegen als schwarzen Peter - "hoffentlich macht den jemand anders". Dann gibt es traditionelle Kooperationen mit dem Schützenverein, der Feuerwehr oder der Bundeswehr, die nicht hinterfragt, sondern lustlos durchgeführt werden.
Man kann sich natürlich einreden, man muss als Kirche am Ball bleiben und eine kritische Stimme hochhalten wider revanchistische Strömungen ("Heldengedenktag").
Aber nicht nur kirchlich ist der Tag relativ inhaltslos, auch von Feuerwehr und Schützenvereinen habe ich nicht wirklich ein starkes Bedürfnis nach dem Tag erleben dürfen.
Zumindest gilt das für die Stadt. Auf den Dörfern, wo die Grabsteine noch ganz anders mit Menschen aus der Nachbarschaft verbunden sind, gilt das nicht im gleichen Ausmass.
Was macht man mit diesem Tag, der ein überkommenes Relikt ist? Wir trauern nicht mehr als Volk. Auch für die Toten der Auslandseinsätze der Bundeswehr gibt es keine kollektive Trauer. Und auch die Alternative zur Kriegstrauer, z.B. den in ihrer Pflichterfüllung umgekommenen Feuerwehrmännern oder Polizisten zu gedenken, zeigt keine große Nachfrage.
Wie füllt man den Tag? Muss man ja nicht - man kann ja einfach den vorletzten Sonntag des Kirchenjahres begehen. So heißt der Tag schließlich in der Kirche.

Siehe auch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Volkstrauertag

 

Alternative Formen für den Volkstrauertag

1. Heldengedenktag

Nachdem im vergangenen Jahr die Feuerwehr unseres Stadtteils mangels Beteiligung die klassische Kranzniederlegung abgesagt hatte, feierten wir einen Gottesdienst, in dem der Begriff "Heldengedenktag" neu und anders gefüllt wurde.

Der Schwerpunkt bei den Helden waren pflegende Angehörige. Helden, deren keiner gedenkt. Die Resonanz war positiv. War für das erste Mal noch eine Erklärung und Einleitung nötig, kann sich dieser Tag in der Gemeinde nun in jedem Jahr einer anderen Gruppe von Helden widmen und damit eine soziale Wirklichkeit ins Bewusstsein gerufen werden.

 

2. Kollektive Trauer

Der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD, Thies Gundlach, hat den liturgischen Sinn des „Volkstrauertages“ ebenfalls neu gefüllt: In Gestalt von Themengottesdiensten ging er wiederholt der Frage nach, welche Trauer heute kollektiv zu tragen sei, welche Ereignisse die Menschen gegenwärtig gemeinschaftlich entsetzen, ohne dass sie gleich einen Sündenbock, einen Schuldigen oder Verantwortlichen vor Augen haben? Worüber müssen wir klagen, ohne anzuklagen?
Innerhalb dieser innovativen Fragestellung wurden verschiedene Themenfelder am Volkstrauertag bedacht, so z.B. der Kummer über ein „Leben auf Pump“ 2008 oder die Sorge vor beständiger Überforderung Jugendlicher 2009.

In diese Reihe ließe sich auch der Klimawandel bedenken oder der gestorbenen Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen gedenken (s.u.), ohne beides jedoch als unabänderlich hinzunehmen.

 

3. Einzelschicksale betrachten

Kollektive Trauer "für die Toten" oder "um die Gefallenen" ist fast 70 Jahre nach Kriegsende zu einer hohlen Phrase geworden.

Der Ansatz "Pars pro toto" hat sich in der Praxis bewährt: An vielen Denkmälern stehen die Namen der Gefallenen und - zumindest auf den Dörfern - es gibt noch Lebende, die einen einzelnen konkreten Toten noch gekannt haben.

Dessen Sehnsüchte, Ängste und auch dessen Schuld betrachten hilft, ihm zu gedenken und so den Volkstrauertag nicht als ein bloßes Relikt zu begehen.


4. Der Vorletzte Sonntag des Kirchenjahres

Wie füllt man den Tag? Muss man ja nicht - man kann ja einfach den vorletzten Sonntag des Kirchenjahres begehen.

Experience reports

Related articles

  • Buch
    In einem Themengottesdienst werden Ereignisse erfaßt, die für die Gemeinde in einem größeren ggfs. sogar kulturell bedeutsamen Rahmen wichtig sind. Es geht bei einem kulturellen Gottesdienst vor allem darum, kulturelle und religiöse Bezüge sichtbar zu machen und Handlungsfelder zu vermitteln.
    This article is visible for all internet-users.
    By 2 geistreich- members
    MoreMore

Connected content

  • Gedenkstätte NS-Zwangsarbeiterlager in Neukölln
    Gedenken und Erinnern an Ereignisse wie den 9. November oder die Befreiung von Auschwitz.
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-member
  • Kerze
    Gedenkgottesdienste für Verstorbene finden in einer Gemeinde oder Region statt.
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-member
  • Thumb_institution HamburgKönigstraße 54, 22767 Hamburg
  • Thumb_article-default-image
    Projekte von und mit Migranten, Migrantinnen. Thema Migration, Flucht und Kirchenasyl.
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-member
  • Schmetterlingskinder
    An einem Gräberfeld für tot geborene Kinder werden vier Gedenkfeier im Jahr abgehalten. Dieses Angebot ist überkonfessionell. Ein Projekt der Ev.-Luth. Martinskirche Cuxhaven-Ritzebüttel.
    This is visible in the Web.
    from a Geistreich-memberMartinskirche in Cuxhaven
  • Abschied von Kathrin Frischemeyer-pixelio
    Die Kirche und die Hinterbliebenen überhaupt können nicht am Toten, für den Toten handeln. Im Zentrum einer christlichen Trauerfeier anlässlich einer Bestattung stehen demnach Abschied, Totengedenken und Trost.
    This article is visible for all internet-users.
    By 2 geistreich- members

geistreich video

Hide Video