Welche Zukunft hat die Kirchensteuer?

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Created at: 2012-10-20
Last major update at: 2012-10-20
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Immer weniger Kirchensteuerzahler müssen immer mehr finanzielle Last buckeln. Welche Alternativen gibt es, dass die finanzielle Last wieder breiter geschultert wird?

Hat die Kirchensteuer noch Zukunft?
In den letzten Jahrzehnten sind beständig Einkommenssteuerzahler wegen der hohen Kirchensteuer ausgetreten und die finanzielle Last muss von immer weniger Schultern gebuckelt werden. Deshalb stellt sich die Frage:
Wie lange kann das Kirchensteuersystem noch aufrecht erhalten werden?
Diese Frage halte ich für die Zukunft unserer Kirche für überlebenswichtig. Kann ich meinen Kindern mit gutem Gewissen raten, in den Dienst der Kirche zu treten, oder sage ich: „Lasst die Finger von diesem untergehenden Schiff?“
Nun will ich mich nicht gegen das Kirchensteuersystem grundsätzlich aussprechen. Denn es hat deutliche Vorteile: Die Kirche muss sich nicht selber um den Geldeinzug kümmern, das übernimmt der Staat - wenn auch gegen Gebühr. Und das Kirchensteuersystem verfolgt das Grundprinzip: wer viel verdient, soll viel geben, wer wenig verdient, wenig. Aber dieses Prinzip funktioniert nicht mehr, denn wer wenig verdient oder Rentner ist, zahlt oft gar nichts. Und eine Unzahl an Einkommenssteuerzahlern hat sich dem System einfach durch einen Gang zum Standesamt entzogen, während der Rest der Familie Kirchenmitglied bleibt.
Deshalb halte ich das Kirchensteuersystem für dringend reformbedürftig.
Sicher, NOCH kommt Geld rein -- dank der momentanen Konjunktur, NOCH brauchen wir nicht all zu sehr klinkenputzen - wenngleich Fundraising auch immer wichtiger wird.
Aber für Normalverdiener sind 8 oder 9 Prozent von der Einkommenssteuer - immerhin fast ein Zehntel - einfach zu viel. Und es sind zu viele Menschen durch diese finanzielle Überforderung aus der Kirche rausgegrault worden - obwohl sie eigentlich zur Kirche ein positives Verhältnis haben. Haben wir uns schon mal gefragt, inwiefern wir damit nicht auch Schuld auf uns geladen haben?
Meines Erachtens müssen die 8 oder 9 Prozent radikal runtergeschraubt werden - vielleicht auf die Hälfte. Und damit die kirchliche Arbeit nicht darunter leidet, muss die finanzielle Last auf viel mehr Schultern verteilt werden und es müsste - zusätzlich zum Kirchensteuereinzug - ein Mitgliedsbeitragsystem für das riesige Heer der Mitschwimmer entwickelt werden (Nichterwerbstätige, Geringverdiener, Schüler, Studenten, Rentner).
Dabei könnte ehrenamtlicher Einsatz ermäßigend berücksichtig werden.
Grundsätzlich sollte gelten: Jeder, der Mitglied ist, soll auch einen Obolus zahlen - gestaffelt und von sozialen Härtefällen abgesehen. Das wird auch von jedem Mitglied im Sportverein oder im ADAC akzeptiert.
Dann stimmt auch das Gerechigkeitsempfinden und das Preis-Leistungsverhältnis wieder. Auch, wenn sich das jetzt sehr marktwirtschaftlich anhört, aber die Menschen haben nun einmal einen Blick für das Verhältnis zwischen Bezahlen und Bekommen. Dann würden auch viele gutverdienende Ausgetretene wieder zurück kommen, davon bin ich ganz stark überzeugt. Denn viele Menschen haben ein ganz ungutes Bauchgefühl damit, dass der Rest der Familie in der Kirche ist und die kirchliche Arbeit vielleicht sogar ausgiebig mitmacht - er selber aber außen vor ist. Ich denke, das dürfen wir nicht unterschätzen.
Natürlich wäre der Aufbau eines zusätzlichen Mitgliedsbeitragssystems mit einem riesigen Anfangsaufwand verbunden. Aber um den werden die Kirchen nicht herum kommen, wenn wir ein System haben wollen, das zukunfsfähig ist. Auch von der Gesellschaft, der Politik und den Medien rechne ich mit einer großen Unterstützung, denn die Gesellschaft hat ein großes Interesse daran, dass auch in 30 oder 50 Jahren noch gute kirchliche Arbeit betrieben werden kann, die nah an den Menschen dran ist.

Was meint ihr, habe ich irgendwo einen Denkfehler? Könnte das Menschen bewegen, wieder zurück zu kommen? Oder wäre eine halbierte Kirchensteuer immer noch zu viel?

Summary

Mein Zukunftsmodell: Halbierung der Kirchensteuer auf 4% der Einkommenssteuer, zusätzlich Mitgliedsbeiträge für Nichterwerbstätige, Geringverdiener, Schüler, Studenten, Rentner usw. - gestaffelt und von sozialen Härtefällen abgesehen. So hätte die Kirche auch in 50 Jahren noch eine gesunde finanzielle Basis, die eine breite Zustimmung findet.

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