Milieugottesdienste

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Created at: 2010-07-01
Last major update at: 2010-07-01
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Deutsch (Original, currently shown)
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Alternative Gottesdienste
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Question

Die Beobachtung der (post-)modernen Lebenswelt hat zu der Erkenntnis geführt, dass in unserer Gesellschaft individuelle Menschen mit unterschiedlichen Lebensstilen leben. Schon Paulus wollte den Juden ein Jude, den Schwachen ein Schwacher, den Weisen ein Weiser etc. ( 1 Kor 9, 20ff) werden, um so in ihrer individuellen Sprache zu sprechen und sie für Christus zu gewinnen. Die vielfältigen Forschungen zu den sozialen Milieus, haben auch in der Kirche ihren Niederschlag gefunden, sodass man auf einen reichen Fundus an Vorschlägen und Veröffentlichungen zu diesem Thema zurückgreifen kann.
Das Anliegen dieser Beiträge ist es, die Vielfalt der Lebensstile wahrzunehmen und darin auch zu erkennen, dass die Kirche mit ihren Angeboten nur bestimmte Milieus erreicht. Die Fokussierung auf ein (oder wenige) Milieus versucht die Gemeinsamkeiten dieser sozialen Gruppen aufzunehmen und in der „Sprache“ dieser Milieus das Evangelium zu kommunizieren. Das Ergebnis sind also Milieugottesdienste. Diese sind zwar theologisch schwierig zu rechtfertigen, weil damit das Bild vom einen „Leib Christi“, der keine Unterschiede der Personen kennt, aufgegeben wird, aber sie sind das „ehrliche“ Ergebnis der Gesellschaftsanalyse.
Ich möchte hier eine andere Blickrichtung ins Gespräch bringen.
Wenn als verbindendes Merkmal der aktuellen Gesellschaft die Unterschiedlichkeit der Menschen zentral ist, dann könnte man vielleicht bei diesen Differenzen ansetzen und von ihnen aus den Gottesdienst entwickeln.
Dieser Vorschlag ist noch sehr theoretisch und ist von den postmodernen Kulturtheorien (besonders dem postcolonial turn) inspiriert. Der indisch-amerikanische Literaturwissenschaftler Homi Bhabha beschreibt die Differenzen zwischen den Menschen, die in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen sind. Er kann dies aus eigenem Erleben beschreiben und aus diesem Grund ist es wohl sein „Lebensthema“. Menschen, die in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen sind, werden, auch wenn sie dann in derselben Veranstaltung sind, etwas unterschiedliches Erleben. Ich habe diese Theorie, die von unterschiedlichen Kulturen spricht, auf unterschiedliche Milieus übersetzt und so wird sie für den Gottesdienst interessant. Bhabhas Idee ist es, das unterschiedliche Erleben aufzunehmen und dabei die Differenz sichtbar zu machen. In der Differenz steckt das kreative Potential, das etwas Gemeinsames entstehen lassen kann, ohne die Differenzen einzuebnen. Eine Voraussetzung dafür ist m.E. die Konzentration auf die aktuelle Veranstaltung, also auf die Performance, die das Gemeinsame nur so lange zulässt, wie sie selbst dauert. Das Bild vom „Leib Christi“ wird aus seiner Statik gelöst und ist ein aktuelles Geschehen, das immer erst entstehen muss und nur während der Performance Bestand hat. Die Darstellung der Differenzen ermöglicht das temporäre Verstehen des Anderen aus seinem Inneren heraus und kann so etwas Neues, etwas Drittes (deshalb heißt dieses Konzept auch Thirdspace) entstehen lassen. Eine weitere Voraussetzung ist die Bereitschaft und Offenheit der Gottesdienstteilnehmer/innen für den Anderen!
Meine Diskussionsanregung: Haben Sie Vorschläge, wie diese Idee im Gottesdienst praktisch aussehen könnte?

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