Gemeinde bauen und Kirche leiten durch Visitation

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a geistreich member
Created at: 2012-02-01
Last major update at: 2012-12-17
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Gemeindeaufbau, Leiten und Führen, Gemeindeleitung, Kirchenvorstand
Institutions
Evangelische Landeskirche in Württemberg / Stabsstelle Visitation beim Landesbischof in Stuttgart
Keywords
Target audiences
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Information
Preparation: Ca. 8 - 10 Monate
Execution: Ca. 6 Monate
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Gemeinde bauen - Kirche leiten

Abstract

Die Visitation mit Gemeindeforum dient der Reflexion der Kirchengemeinden. Damit bildet sie die Basis für erforderliche Weiterentwicklungen. Zugleich stellt die Visitation ein Wahrnehmungsmedium der Kirchenleitung dar. Diese erfährt durch die Berichte, was die Gemeinden der Landeskirche bewegt.

Situation / context

Die Visitation ist wohl das älteste Werkzeug der Qualitätssicherung.

Goals

Die württembergische Visitation stärkt und unterstützt die Gemeinde- bzw. Kirchenleitung: Sie spricht Kirchengemeinderat, Pfarrerin und Pfarrer auf die gemeinsame geistliche, wie organisatorische Leitung der Gemeinde an. Die Visitatoren und Visitatorinnen ermutigen die Gemeinden, hierbei ihre spezifischen Ressourcen zu entdecken. Die landeskirchliche Kirchenleitung nimmt die Visitationsprozesse zu ihrer Information wahr und setzt damit einen kybernetischen Kreislauf in Gang.

Reflection / background

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General information on realization

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Preparation

Die württembergische Visitation, die ohne Unterbrechung seit der Reformation praktiziert wird, wurde in einem mehrjährigen Prozess erneuert. Sie stärkt und unterstützt die Gemeinde- bzw. Kirchenleitung auf drei Ebenen:

  • Die Visitation spricht Kirchengemeinderat, Pfarrerin und Pfarrer auf die gemeinsame geistliche wie organisatorische Leitung der Gemeinde an. So verhilft die Visitation dazu, dass eine Gemeinde ihre theologische Linie grundlegend reflektiert. Hierzu erbittet die Gemeindeleitung im Rahmen eines Gemeindeforums auch explizit Äußerungen von Verantwortlichen aus Kommune, Politik und Gesellschaft, um sich ein Bild davon zu machen, wie ihr Wirken öffentlich wahrgenommen wird.
  • Die Visitatoren und Visitatorinnen nehmen vor Ort kirchenleitende Verantwortung wahr. Die württembergischen Dekane und Dekaninnen berichten aus ihrer Praxis von einer Schwerpunktverlagerung bei der Visitation: Weg von der Inventur hin zur Benennung von Schwerpunkten und dem besonderen Profil einer jeden Gemeinde. Die Gemeinden sollen durch die Visitation motiviert werden, die eigenen Ressourcen und Stärken wahrzunehmen und sich nicht auf ihre Defizite zu fixieren. Die Berichte, die anlässlich einer Visitation geschrieben werden, helfen zu fokussieren. Die Beratung und Begleitung, das Impulse-Geben, das Anstoßen von Prozessen gewinnen ein starkes Gewicht.
  • Die landeskirchliche Kirchenleitung nimmt diese Visitationsprozesse zu ihrer Information wahr. Sie werden durch die neu eingerichtete Stabsstelle Visitation, die direkt beim Landesbischof angesiedelt ist, zentral ausgewertet und in ihren Ergebnissen gebündelt. Aufgabe der Stabsstelle Visitation (besetzt mit einer Theologin) ist es, die Visitationsberichte aus der ganzen Landeskirche inhaltlich aufzubereiten und zu analysieren. So soll wahrgenommen werden, welche Entwicklungen, Tendenzen und Trends in der Landeskirche – im Blick auf theologische und gesellschaftliche  Fragestellungen zu beobachten sind. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden dem Landesbischof, dem Kollegium des Oberkirchenrats und der Dekanschaft zur weiteren Beratung und zur Entscheidung vorgetragen. Somit ist eine qualifizierte Rückmeldung von Entwicklungen und Fragestellungen der kirchengemeindlichen Basis an die Leitung der Landeskirche möglich. Dadurch wird nicht nur der Gemeindebezug der Kirchenleitung in ihren Entscheidungen und Reflexionen gestärkt und somit ein kybernetischer Kreislauf in Gang gesetzt. Dadurch werden auch die Chancen und Ressourcen, die die Visitation für die Gestaltung des evangelisch-kirchlichen Lebens trägt, als Schätze gehoben. Nicht zuletzt kommt darin die Einheit der Landeskirche zum Ausdruck.

Realization

In Württemberg werden Kirchengemeinden i.d.R. alle acht Jahre visitiert.

 

Literatur:

  • July, Frank Otfried, "kirchen durch visitacion zu erhalten" (Johannes Brenz, 1535) - Anmerkungen zum Verhältnis von Visitation und Kirchenleitung, hg. v. Evang. Medienhaus Stuttgart, 2008.

Wrap up & follow-up actions

Nach vier Jahren erfolgt eine Zwischenvisitation, in der nachgefragt wird, welchen Weg die Gemeinde inzwischen gegangen ist.

Effect / experience

Kirchengemeinden, die aufgrund der Visitation wertvolle Impulse im Blick auf ihre offenen Fragen oder Ratlosigkeiten erhalten haben, sehen der nächsten Visitation in acht Jahren mit großer Vorfreude entgegen.

Die Kirchenleitung geht inzwischen selbstverständlich davon aus, bei ihren Strategiesitzungen eine der Thematik entsprechende Visitationsauswertung der Stabsstelle Visitation vorgelegt zu bekommen.

 

Das Verständnis von Visitation, das ihre geistlich-theologische Ebene verbindet mit der in der Kirche auch immer notwendigen Organisation und Verwaltung, ist bei den Gemeinden positiv angekommen. Sie erwarten von der Visitation inzwischen sowohl eine Wahrnehmung des geistlichen Geschehens vor Ort als auch Prioritätendiskussion, Organisationsentwicklung, strategische Beratung sowie kritisch-konstruktive Kommentare zur Gemeindesituation durch die Visitatorin oder den Visitator.

Die landeskirchliche Wahrnehmung der Visitationsergebnisse stößt bei Gemeinden und Visitatoren/-innen auf zustimmendes Interesse.

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