KinderStärken in Rüsselsheim - Kinderarmut als Herausforderung kirchlichen Handelns

Author
a geistreich member
Created at: 2012-02-02
Last major update at: 2012-02-02
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Menschen in Armut
Institutions
Dekanat Rüsselsheim in Rüsselsheim
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: Ca. 6 - 8 Monate
Execution: Ein auf Dauer angelegtes Projekt
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KinderStärken in Rüsselsheim

Abstract

KinderStärken will die Zukunftschancen benachteiligter Kinder mit insgesamt drei Teilprojekten nachhaltig verbessern:

Kinderherzchen (Kleiderkammer für Kleinkinder), Schul-Tafel (Vergabe von Schulmaterial und Ranzen)

Bildungspaten (Sprachliche und soziale Förderung von Grundschulkindern).

Situation / context

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Goals

Gesellschaftsdiakonische Themen als Handlungsfelder kirchengemeindlichen Denkens und Arbeitens zu initiieren. 

Reflection / background

Materielle Armut, fehlende Unterstützung im Elternhaus, Sprachbarrieren, mangelnde soziale Kompetenzen und kulturelle Differenzen prägen auch in Rüsselsheim das Leben vieler Kinder aus sozial und materiell benachteiligten Familien. Da wir der Ansicht sind, dass die Erziehung und Versorgung von Kindern nicht mehr länger nur als Privataufgabe von Familien, sondern als öffentliche Querschnittaufgabe verstanden werden muss, sehen auch wir uns als Mitarbeiter des Evangelischen Dekanats in besonderer Weise in die Verantwortung gerufen, parteilich für benachteiligte Kinder und ihre Familien einzutreten. Resultierend aus der engen Verknüpfung materieller Armutslagen mit Bildungsarmut, ist es das erklärte Ziel der verschiedenen Teilprojekte, sowohl durch Unterstützung mit materiellen Hilfen wie Schulmaterial, Kleidung und Schulranzen, wie auch durch die individuelle Förderung der sprachlichen und sozialen Kompetenzen, die Chancen von Kindern zu verbessern und deren Integration zu fördern. Im Mittelpunkt bei der Bekämpfung von Kinderarmut stehen für das Projekt KinderStärken aber nicht die Defizite, sondern die Kompetenzen von Kindern und ihren Familien. Über die konkrete Hilfe hinaus soll das Gesamtprojekt zur Überwindung kultureller Gräben  entlang sozialer Schichten, Religionen und Ethnien beitragen, interkulturelles und interreligöses Lernen fördern und gelebte Solidarität ermöglichen.

General information on realization

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Preparation

Die verschiedenen Teile des Gesamtprojekts haben sich Schritt für Schritt aus verschiedenen praktischen Anlässen entwickelt. Das Teilprojekt Schul-Tafel ist ein Gemeinschaftsprojekt von Evangelischem Dekanat, evangelischer Matthäusgemeinde Rüsselsheim und Caritas. Entstanden ist das Projekt als Ergebnis einer Veranstaltung, bei der die teilnehmenden Lehrerinnen über fehlendes Unterrichtsmaterial, schlechte Essensversorgung und die mangelhafte Teilhabe von Schulkindern aus benachteiligten Familien berichteten. Weil die Schul-Tafel auf eine enge Vernetzung mit den Grundschulen im Landkreis, Kindertagesstätten und deren Träger angewiesen ist, wurden alle Schulleitungen angeschrieben und um ein Erstgespräch gebeten. Bevor eine Schule im Projekt aufgenommen wird, wird das Kollegium informiert und um Mitarbeit geworben.

Kinderherzchen ist eng verzahnt mit den Beratungsstellen von Caritas, Diakonischem Werk und Pro Familia. Im Vorfeld wurden neue Ehrenamtliche gewonnen; die Kirchengemeinde stellte Räumlichkeiten zur Verfügung.  

Für das Projekt Bildungspaten wurde Kontakt mit einer Grundschule in Rüsselsheim aufgenommen und mit der Schulleitung eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit getroffen. Anschließend wurde das Lehrerkollegium über das Projekt informiert und über die Kirchengemeinden Ehrenamtliche für die Übernahme von Bildungspatenschaften geworben.

Realization

Die SCHUL-TAFEL kooperiert mit Grundschulen im Kreis Groß - Gerau und deren Fördervereinen.

Die Aktion SCHUL - TAFEL möchte erreichen, dass von Armut betroffenen Kindern unbürokratisch und direkt geholfen wird, so dass sie ihre Schul- und Bildungskarriere ohne die Erfahrung von Not und Mangel beginnen können.

Dazu hält sie Kontakt zu den Lehrerkollegien und Fördervereinen der Schulen. Die SCHUL - TAFEL wird durch Spenden getragen, um gemeinsam mit Grundschulen und deren Fördervereinen zu helfen. Das in den jeweiligen Schulen benötigte Lernmaterial wird von den Fördervereinen für eine „Schulmaterialienkammer“ angeschafft. Die LehrerInnen können dann bei Bedarf die betroffenen Schülerinnen und Schüler mit Schulmaterial versorgen.

LehrerInnen werden ermutigt genau hinzusehen, die Weitergabe erfolgt „niederschwellig“ und ohne Gesichtsverlust vor der Klasse. Die Abrechnung erfolgt über die Strukturen der Fördervereine. Organisatorisch ist sie in die Arbeit der Matthäusgemeinde eingebettet.

 

Eine besondere Aktion im Rahmen der SCHUL-TAFEL ist die „Aktion Schulranzen“. Schulanfängern, deren Eltern im Arbeitslosengeld II/SGB XII-Bezug stehen, werden die Schul-Erstausstattung mit Schulranzen, Mäppchen, Turnbeutel, Trinkflasche und Brotdose kostenfrei zur Verfügung gestellt. Im Vorfeld wird die Aktion Schulranzen in allen Kindertagesstätten und Schulen, sowie über die örtliche Presse kommuniziert. (Hier findet jedoch – anders als bei der SCHUL—TAFEL – eine Überprüfung der Bedürftigkeit durch Caritas im Vorfeld statt).

 

Kinderherzchen (Baby-Kleiderkammer)

Die gleichen Kooperationspartner wie bei der Schul-Tafel betreiben in drei Räumen der Matthäusgemeinde in der Böllenseesiedlung in Rüsselsheim eine Babykleiderkammer für Kinder im Alter von 0-3 Jahren. Ein Team von sechs ehrenamtlichen Frauen organisiert vierzehntägig die Ausgabe von Babybekleidung, Kinderwagen, -bettchen und anderen Dingen zur „Erstausstattung“ nach der Entbindung. Ebenso werden Erstlingspakete verteilt. Die Zusammenarbeit mit einem Windelhersteller ermöglicht hier die Zusammenstellung solcher Pakete.

Die Hilfesuchenden sind mehrheitlich Alleinerziehende oder junge Familien, meist im Hartz IV-Bezug. Ihr Bedarf ist im Vorfeld bereits überprüft worden durch die Beratungsstellen von Caritas, Diakonischem Werk oder Pro Familia. Die Betroffenen kommen mit einem sogenannten „Laufzettel“, auf dem auch notiert wird, was sie erhalten haben.

Gegenwärtig gehören 144 Bedarfsgemeinschaften zu den Nutzern – Tendenz: kontinuierlich steigend.

Dass sich die Matthäusgemeinde in den Projekten gegen Kinderarmut engagiert, liegt daran, dass sie selbst Betreiberin einer Kindertagesstätten ist und dort schon sehr früh die Unterversorgung einiger Kinder festgestellt hat, was zu einer erhöhten Sensibilisierung der gesamten Gemeinde beigetragen hat.

 

Bildungspaten sind solidarische Begleiter für Kinder im Grundschulalter. Sie sollen Kindern aus bildungsfernen Schichten und Kindern mit Migrationshintergrund den Einstieg in ihre persönliche Bildungskarriere erleichtern und so den bestehenden Mustern der Ausgrenzung und Diskriminierung entgegen wirken. Zielgruppe sind Kinder vom 1. bis 4. Schuljahr. Die Kinder werden in Abstimmung mit den Lehrerinnen der ersten Klassen und den Eltern ausgewählt. Die individuelle Förderung der Kinder wird durch pädagogisch aufgeschlossene und im Vorfeld geschulte Ehrenamtliche gewährleistet, die ein bis zweimal pro Woche ein Kind für ca. 1,5 Stunden betreuen. Um zu erfahren wie die Bedürfnisse der Kinder gelagert sind und die Zusammenarbeit und Absprache mit den Klassenlehrerinnen zu intensivieren, können die Bildungspaten von Zeit zu Zeit am normalen Klassenunterricht teilnehmen. Die Betreuung der Kinder versteht sich nicht als reine Hausaufgabenhilfe. Im Mittelpunkt steht die Sprachvermittlung und das soziale Miteinander, das durch Vorlesen, Gesellschaftsspiele und kreative Angebote eingeübt wird. Die Teilnahme am Projekt  ist für die Kinder kostenfrei.

Wrap up & follow-up actions

In allen die Teilprojekten werden die Ehrenamtlichen begleitet und regelmäßig fortgebildet.

Effect / experience

Kirche wird in den Blick genommen und auch als ehrenamtliches Betätigungsfeld wahrgenommen von Menschen, die den traditionellen Angebotsformen von Kirche distanziert gegenüber stehen. Im Projekt engagieren sich ausdrücklich auch Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind oder einer anderen Religion angehören.  

Vernetzung mit anderen Institutionen und Gruppierungen ist alles!

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