Intergenerationell Leben und Lernen–Studierende leben im Seniorenstift

Author
a geistreich member
Created at: 2012-03-02
Last major update at: 2012-03-12
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Alter und Pflege, Hochschule und Berufsbildung, Senioren, Freiwilligendienste, Kirchliche Berufe & Ämter
Institutions
Evangelische Hochschule Freiburg in Freiburg
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: Auf Dauer
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Integratives Wohnprojekt

Abstract

Wohnprojekt: StudienanfängerInnen des Studiengangs Religionspädagogik/ Gemeindediakonie (angehende DiakonInnen) ziehen für ein Jahr in eine Senioreneinrichtung des betreuten Wohnens. Begleitendes Forschungsprojekt: mit Methoden der qualitativen Interviewforschung werden Daten erhoben.

Situation / context

In der Gesellschaft stehen wir vor einem radikalen demographischen Wandel und vor einer Überforderung familialer Strukturen mit der Sorge für die Alten. „Generationenkonflikte“ und „Krieg der Generationen“ sind Schlagwörter, mit denen die soziale Situation beschrieben wird. Das Erfahrungswissen der älteren Generation hat gesellschaftlich an Bedeutung verloren. Das Projekt soll demgegenüber überfamilial die Generationengemeinschaft fördern

Für die BewohnerInnen des Evangelischen Stifts bringen die Studierenden mehr Leben, alltagspraktische Hilfe und neue Impulse ins Haus. Für die Studierenden bietet das Projekt attraktive Wohnungen und wichtige intergenerative Erfahrungen für ihr Leben, ihr Studium und ihren späteren kirchlichen Beruf. Aufgrund ihrer besonderen Eignung und ihres fachlichen Interesses werden ausschließlich Studierende des Bachelor-Studiengangs Religionspädagogik/Gemeindediakonie für das Projekt vorgesehen, also angehende GemeindediakonInnen.

Goals

  • Intergeneratives Leben: Brücken zwischen den Generationen bauen, Isolation alter Menschen überwinden und Wohlbefinden steigern, zwischen Alten und Jungen Begegnungen/Erfahrungen/Gemeinschaft im Alltag schaffen  

=> außerfamiliale Generationengemeinschaft gegenüber gesellschaftlichem Trends: demografischer Wandel und These von Generationenkonflikt / „Krieg der Generationen“

 

  • Intergeneratives Lernen: Berührungsängste und Vorurteile abbauen, Erfahrungen im Umgang miteinander sammeln und intergenerative Sozialkompetenzen entwickeln, Alters- und Jugendbilder überprüfen, Lebens-, Sinn- und Selbstkonzepte überdenken, von den Lebenserfahrungen der anderen lernen

=> Erfahrungen teilen gegenüber gesellschaftlichen Trends zu Bedeutungsverlust von Erfahrungswissen und Entfremdung der Generationen

Reflection / background

Schon seit 2007 arbeiten die Evangelische Hochschule Freiburg und das Evangelische Stift Freiburg intensiv zusammen. Die Studiengangsleiterin Prof. Dr. Kerstin Lammer schickt ihre Studierenden zu Seelsorge-Besuchen ins Evangelische Stift; in Seminaren werden die Besuche theoretisch vor- und supervisorisch nachbereitet. Stiftspfarrerin Ulrike Oehler organisiert die Praktikumsplätze und begleitet die Studierenden vor Ort.

Drei Jahre später verleiht das Wohnprojekt unter Leitung von Stiftsvorstand Hartmut von Schöning und Prof. Dr. Lammer der Kooperation eine neue Dimension: gelebte Generationengemeinschaft.

General information on realization

Für die Studierenden ergibt sich folgendes:

  • Sie erhalten für eine sehr günstige Miete ein sehr komfortables Appartment und
  • setzen sich ehrenamtlich für die älteren MitbewohnerInnen ein (Besuche und Gespräche, Politischer Stammtisch, Begleitung bei Einkäufen und Arztbesuchen, Ausrichtung von Spiele-, Sing-, Bastel- und Festveranstaltungen, gemeinsamer Besuch von Kulturveranstaltungen, PC- und Internet-Schulung, Ausflüge etc.).
  • Sie erhalten begleitend ein Seelsorge- und ein Supervisionsangebot.

Für das Begleitende Forschungsprojekt ergibt sich folgendes:

  • Befürchtungen und Motivationen
  • Lerneffekte bei: Fremdverstehen, Abbau von Berührungsängsten, Vorurteilen und Unsicherheiten im Umgang miteinander
  • Veränderungen bei Alters- und Jugendbildern, Wohlbefinden, Lebens-, Sinn- und Selbstkonzepten

Preparation

Gefördert wurde das Wohnprojekt von der Stiftung Wohnhilfe (München) mit 65.000 Euro. Das Forschungsprojekt wird mit 4.600 Euro zu gleichen Teilen von der Evangelischen Landeskirche in Baden und vom Evangelischen Stift gefördert.

Realization

Eine Pilotphase mit drei Studierenden bereitete das Wohnprojekt vor; inzwischen läuft der zweite einjährige Durchlauf mit je zehn neuen und bis zu drei aus dem Vorjahr verbleibenden Studierenden. Die Überlappung hat sich als günstig erwiesen, um den SeniorInnen den Übergang von der alten zur neuen MitbewohnerInnengruppe und den neuen Studierdenden das Einleben in der Einrichtung zu erleichtern sowie eine Kontinuität der Veranstaltungsangebote der Studierenden und der Organisation der Hilfsdienste zu gewährleisten. Dabei unterstützt der Hausleiter die Studierenden mit wöchentlichen Meetings. Darüber hinaus stehen den Studierenden Seelsorge, Supervision und Besprechungen mit der Projekt- und der Hausleitung zur Verfügung.

Das Forschungsprojekt arbeitet mit qualitativen Interviews in zwei vorher-nachher-Befragungen zu Beginn und zum Ende der Wohnzeit. Fragestellungen sind u.a.: Welche Bilder haben alte Menschen von den Jungen und umgekehrt? Wie verändern sich durch den alltäglichen Umgang miteinander die gegenseitigen Bilder? Wie wird das Zusammenleben erlebt? Wie wirkt es sich auf Wohlbefinden und Lebenseinstellungen aus? Welche Rolle spielt dabei Religiosität? Zu den Ergebnissen vgl. u. unter Wirkung/Erfahrung.

Wrap up & follow-up actions

Das Projekt ist sehr erfolgreich und soll fortgesetzt werden. Angestrebt ist eine Vertiefungsstudie zu den positiven Wirkungsfaktoren des Projekts – dafür werden noch Sponsoren gesucht, die Forschungsmittel zur Verfügung stellen.

Effect / experience

Das Projekt ist sehr erfolgreich. Jung und Alt kommen offenbar nicht nur aus Verpflichtung oder Bedürftigkeit, sondern mit Interesse, Freude und Gewinn miteinander in Kontakt. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts liegen inzwischen vor und zeigen empirisch, dass die o.a. Projektziele erreicht und übertroffen wurden. Die Forschungsgruppe arbeitet derzeit an der Berichtslegung und bereitet die Veröffentlichung vor.

Das Medieninteresse an dem Projekt ist groß; vielfach wurde in Printmedien (Tageszeitungen, Care, Financial Times u.a.m.), im Radio (Deutschlandfunk) und im Fernsehen (mehrfach SWR 3) darüber berichtet

Adopted and refined

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    • Spiegel
      Es geht hier um Wohnprojekte wie Wohngemeinschaften, aber auch um Ansätze zu neuen Lebenskonzepten.
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    • Projekt 60+ und 6-
      Generationenübergreifende und intergenerationelle Projeke.
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    • Mehrgenerationenhäuser
      In einem gemeinsamen Haus verschiedener Generationen ergänzen sich die unterschiedlichen Möglichkeiten und Bedürfnisse der Generationen.
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    • Baugruppe
      Kirche für Senioren oder Kirche mit Senioren?
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