"Neuer Wein in neue Schläuche"

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a geistreich member
Created at: 2012-05-10
Last major update at: 2012-05-10
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Deutsch (Original, currently shown)
In section
Mitgliederbindung, Citykirchen und Profilgemeinden
Institutions
ev.-luth. Kirchengemeinde Neufahrn/Hallbergmoos
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Preparation: eineinhalb Jahre
Execution: zunächst zwei Jahre, dann weitere zwei Jahre
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Gottesdienst im Gemindezentrum Hallbergmoos

Abstract

In einem aufstrebenden Ort sorgt ein Gemeindepflanzungsprojekt mit verschiedenen missionarischen Angeboten für Gemeindewachstum.

Situation / context

In Hallbergmoos leben knapp 10 000 Menschen, darunter ca. 1100 Evangelische, 4500 Katholiken, sowie 4000 Konfessionslose.

Hallbergmoos gehört wegen seiner unmittelbaren Nähe zum Flughafen zu den aufstrebenden Gemeinden Bayerns und ist mit einem Altersdurchschnitt von 37 Jahren eine der jüngsten Gemeinden Deutschlands.

Die Gemeinde Hallbergmoos liegt im Dreieck München - Freising - Erding in unmittelbarer Nachbarschaft zum Münchner Flughafen. Zum Zentrum der Landeshauptstadt München sind es 25 km, zur Kreisstadt Freising 12 km, und nach Erding fährt man etwa 18 km. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Goldach, Birkeneck und Erching sowie einige Einödhöfe.

 

Zur Geschichte

Ein wesentlicher Einschnitt in die Geschichte der Gemeinde Hallbergmoos war die Gebietsreform 1978. Das bis dahin zu Notzing, Landkreis Erding, gehörende Goldach wurde an die Gemeinde Hallbergmoos angegliedert. Dadurch wuchs die Einwohnerzahl um ein weiteres und hat sich in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt.

Die ersten Evangelischen kamen erst nach dem Krieg um 1949 nach Hallbergmoos. Der Ort ist als Sprengel der Kirchengemeinde Neufahrn bei Freising zugehörig. 1981/82 wurden erstmals evangelische Gottesdienste in Abständen von zwei Monaten in einer der beiden katholischen Kirchen gefeiert. Die erste Pfarrerin (z.A.) mit einer halben Stelle kam 1993, gefolgt von einer weiteren im Jahr 2000.

Schon sehr früh hat der Kirchenvorstand erkannt, dass dem Ort Hallbergmoos, der heute fast 1/3 der Gesamtgemeinde ausmacht, durch einen Sprengelpfarrer besondere Aufmerksamkeit zukommen sollte.

 

Perspektiven für die Zukunft

Prognosen zu Folge wird Hallbergmoos im Jahre 2020 eine Einwohnerzahl von ca. 18. 000 aufweisen. Die Herausforderungen im sozialen Bereich sind zahlreich. Die größte Altersgruppe sind derzeit die 16-40 Jährigen. Das Angebot des Jugendzentrums ist gut, jedoch nicht ausreichend. Eine Intensivierung kirchlicher Jugendarbeit, sowie für junge Familien ist von Seiten der politischen Gemeinde sehr gewünscht.

 

Zur geistlichen Situation in Hallbergmoos

In Hallbergmoos gibt es einen großen Anteil traditioneller Gottesdienstbesucher nur in der katholischen Gemeinde.

Als der Pfarrer 2004 nach Hallbergmoos zog, kamen zu den traditionellen evangelischen Gottesdiensten 8-12 Besucher.

Schon damals war zu erkennen, dass zur Gewinnung von Evangelischen und Konfessionslosen, deren es in Hallbergmoos eine Vielzahl gibt, andere Mittel nötig sind.

Für viele junge Menschen und werdende Familien spielt Glaube und Kirche- wenn überhaupt- nur eine sehr begrenzte Rolle. Das Verständnis von lebendiger Gemeindezugehörigkeit ist weitgehend unausgeprägt. Jedoch ist aus vielen Gesprächen auch eine gewisse Offenheit herauszuspüren, sowie die Bereitschaft, ansprechende Veranstaltungen zu besuchen und sich auf Neues einzulassen. Die Seniorenarbeit ist sowohl von Seiten der katholischen Kirche wie auch von Seiten der politischen Gemeinde stark ausgeprägt. Im Seniorenheim finden regelmäßig Gottesdienste statt, die von beiden Kirchengemeinden in Absprache durchgeführt werden.

Das ökumenische Klima im Ort ist sehr gut.

Goals

Zielgruppenorientierter Gemeindeaufbau: Unsere Gesellschaft ist aufgesplittert in sozial und kulturell unterschiedliche Gruppen. Für entkirchlichte Menschen ist es eine Überforderung, Heimat in einer Gemeinde zu finden, in der ihre Sprache, ihre Musik, ihre Probleme, ihre Lebenswelt nicht vorkommt (vgl.1.Kor 9,19ff). Weithin wird in der Kirche noch so gearbeitet, als lebten wir in der im Vergleich zu heute homogenen Gesellschaft des vorigen Jahrhunderts. Beispiel Musik: Die (wirklich schöne) traditionelle Kirchenmusik ist als Höchstleistung einer anderen Kultur wenig geeignet, Menschen ohne kirchliche Sozialisation zum Nachvollziehen der spirituellen Inhalte einzuladen. In der Gemeindeaufbauarbeit eines entkirchlichten Gebietes muss neben der vertrauten Kirchenmusik eine zeitgemäße anspruchsvolle christliche Musik ihren Platz bekommen, die in Sprache, Themen, Rhythmik und Harmonieführung (fast alle Menschen unter 40 sind in ihren Hörgewohnheiten und ihrem musikalischen Empfinden ganz stark von Popmusik geprägt) an das anknüpft, was Menschen vertraut ist.

Eine Netzwerk-Gemeindepflanzung unter jungen kirchenfernen Familien inklusive Jugend trägt dieser Erkenntnis Rechnung und hat in jeder Hinsicht zum Ziel, diese Menschen mit dem Glauben und der Kirche bekanntmachen und sie in ein christliches Leben zu begleiten.

Reflection / background

Innerer Motor eines Gemeindepflanzungsprojekts in Hallbergmoos sind:

leidenschaftliche Spiritualität und Ausrichtung auf Menschen, die eine äußere Distanz zur Kirche zeigen. Die Gemeindeaufbauarbeit in Hallbergmoos hat zum Ziel, Menschen, die dem Glauben und der Kirche fernstehen, für ein Leben in der Nachfolge Jesu in der Evang.-Luth. Kirche zu gewinnen. Dazu ist es notwendig, das Evangelium und die Kirche den Menschen vor Ort inhaltlich klar und äußerlich verständlich und attraktiv zu präsentieren.

Die Netzwerk-Gemeindepflanzung in Hallbergmoos entwickelt ein missionarisch-orientiertes Zielgruppenangebot in der Kirchengemeinde Neufahrn. Ihre Schwerpunkte bilden so eine notwendige Ergänzung zur bestehenden Gemeindearbeit:

Während eine traditionelle Gemeinde ihre Stärke in der Begleitung traditioneller Kirchenmitglieder hat, konzentriert sich die Netzwerk-Gemeindepflanzung darauf, kirchenferne Menschen einer klar definierten Zielgruppe für Jesus und seine Kirche zu gewinnen. Während eine traditionelle Gemeinde von der Bewahrung kirchlicher Traditionen her denkt und handelt, fragt eine Netzwerk-Gemeindepflanzung danach, wie kirchendistanzierten Menschen das Evangelium in ihrer Kultur und Verstehenswelt nahe gebracht werden kann. Es gehört zum Selbstverständnis einer Netzwerk-Gemeindepflanzung, kirchliche Insidermentalität abzubauen und Nähe zur Welt von Kirchendistanzierten zu schaffen. Während durch eine traditionelle Gemeindearbeit meist Menschen angesprochen werden, die schon lange in der Kirche zu Hause sind und dieses Zuhause auch schätzen und entsprechende Formen brauchen, möchte die Netzwerk-Gemeindepflanzung ein Instrument sein, um "Außenstehende" aus der gewählten Zielgruppe zu erreichen. Das bedeutet: Die Netzwerk-Gemeindepflanzung ist eine wichtige Ergänzung zur traditionellen Gemeindearbeit, die sich stärker auf kirchengewohnte und glaubensmäßig bereits sozialisierte Menschen konzentriert.

General information on realization

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Preparation

  1. Bildung eines beschließenden Sprengelrates/Leitungsteams
  2. Entscheidung über ein eigenes Budget für flexible Handlungsspielräume
  3. Bau eines eigenen Gemeindezentrums auf dem kircheneigenen Grundstück (in Planung)
  4. Einbindung der Gemeindepflanzung in die Muttergemeinde

Realization

Eine Netzwerk-Gemeindepflanzung braucht eine lokale Basis. Bisher stehen den Evangelischen Räume der katholischen Kirche und der politischen Gemeinde zur Verfügung. Seit Mai 2012 hat der Stadtteil sein eigenes Gemeindezentrum.

 

„Gottesdienst anders“

Ein Schwerpunkt ist der „Gottesdienst anders“, der jeden 1. Sonntag im Monat gefeiert wird. Zunächst zu Gast im katholischen Pfarrsaal, erforderten der große Zuspruch und das daraus resultierende starke Wachstum den Umzug in den politischen Gemeindesaal.

Mit diesem Gottesdienstmodell ist es gelungen, zahlreiche Menschen wieder mit Glauben und Kirche in Kontakt zu bringen. Zwischen 150 und 200 Besucher nehmen dieses (zurzeit noch) monatliche Angebot wahr. Das anschließende gemeinsame Mittagessen bietet die Gelegenheit, neue Leute zu treffen oder bestehende Beziehungen in entspannter Atmosphäre zu pflegen. Eine Umfrage unter den Gottesdienstbesuchern ergab, dass sich mehr als 80 % einen weiteren „Gottesdienst anders“ wünschen und diesen auch besuchen wollen. Ebenso ergab die Umfrage, dass über 60 % durch diesen Gottesdienst der Zugang zu Glauben und Kirche neu eröffnet wurde. Die Familienfreundlichkeit, moderne geistliche Lieder mit Bandbegleitung und lebensnahe Predigten sind die Stärke dieses Gottesdienstmodells. Um die Kinder wird sich in der Kinderkirche, die parallel zum Gottesdienst von Mitarbeiterinnen gehalten wird, liebevoll gekümmert. Auch diese erfuhr ein Wachstum, so dass es seit Herbst 2009 Angebote für drei Altersgruppen gibt. Zahlreiche Jugendliche besuchen den Gottesdienst und nehmen im Anschluss teil an der Gemeinschaft.

Durch die Gemeindepflanzung wird die Zahl der gottesdienstlichen Veranstaltungen erhöht und damit einer breiteren Öffentlichkeit die Möglichkeit des Besuchs zielgruppenorientierter Gottesdienste ermöglicht. In Planung sind ein weiterer Gottesdienst anders mit Kinderkirche, sowie ein Gottesdienst zur Abendzeit.

Ebenso gibt es die Idee einer Jugendkirche als Teil des Projekts. Diese soll ähnlich dem „Gottesdienst anders“-Modell den Schwerpunkt neben dem jugendgemäßem Gottesdienst in der Formierung von sozialen Einheiten (Jugendgruppen) haben. Ein christliches Jugendcafé soll auch distanzierten Jugendlichen die Möglichkeit geben, Zugang zur christlichen Gemeinschaft zu finden.

 

Glaubenskurse und Hauskreise

Zwei durchgeführte Glaubenskurse brachten als Frucht zwei Hauskreise hervor. Viele der Teilnehmer haben begonnen, sich für ein Leben im Glauben zu öffnen und bringen sich in die Gemeindearbeit ein. Zur Pflicht des Projekts gehört es, weitere Kurse ein bis zweimal im Jahr anzubieten, damit die Menschen, die sich für den Glauben öffnen, Fragen stellen und Antworten finden können. Diese Kurse sind ganz auf Menschen abgestimmt, die bisher mit Kirche wenig bis nichts zu tun haben.

Ebenso wird eine fundierte Hauskreisarbeit einen großen Gewinn für die Gemeindepflanzung bedeuten, da bei einer wachsenden Zahl von Gottesdienstbesuchern die Frage des Kennenlernens und der Vernetzung wichtig wird.

Zudem kann ein Hauskreis / eine Kleingruppe für ein engagiertes Leben in der Nachfolge eine große Hilfe und eine Bereicherung sein, wenn diese gut geleitet ist.

 

Mitarbeiterschulung

Mitarbeiter sind der Schatz der Ortsgemeinde. Aber sie sind nicht einfach da. Ziel ist es, jedes Jahr eine Mitarbeiterschulung durchzuführen, die Christen helfen möchte, im Glauben zu wachsen, geistlich tragfähig zu werden, ihre Begabungen zu entdecken und zu trainieren und in das Gemeindeleben einzubringen, um so Mitarbeiterteams für Jugend- und Kinderarbeit, Gottesdienst und andere Arbeitszweige aufzubauen. Themen des Mitarbeitertainings sind: Grundlagen des Glaubens, kleines Einmaleins der Seelsorge, Grundlagen geistlicher Leitung, Persönlichkeitsprofil, Begabungsprofil, Gebet, Evangelisation als Lebensstil, Basisprinzipien missionarischer Gemeindearbeit.

 

Öffentlichkeitsarbeit

Eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist sehr wichtig, damit die christliche Gemeindearbeit wahrgenommen wird, damit Berührungspunkte mit Christen und der neuen Gemeinde entstehen und damit die Schwelle in die Gemeinde hinein niedriger wird. Die Wahrnehmung der Evangelischen in Hallbergmoos wird gerade durch die hervorragenden Kontakte zur Presse sehr gefördert. Die Aktivitäten des Kirchbauvereins sind weithin bekannt und anerkannt. Die Durchführung einer Musicalfreizeit in Hallbergmoos, bei dem viele Jugendliche mitwirken und das auch zur großen Aufführung gebracht wird, hat bereits zum zweiten Mal Wellen geschlagen.

Frauenfrühstück

Auch die Durchführung eines Frauenfrühstücks mit ansprechenden Referenten und Themen zeigt, dass Kirche etwas zu bieten hat.

Wrap up & follow-up actions

Das Projekt war zunächst auf zwei Jahre befristet, die um zwei weitere Jahre verlängert wurden.

Effect / experience

Es ist ein Gemeindewachstum zu verzeichnen, das vor allem in den wachsenden Besucherzahlen unseres "Gottesdienstes anders" zu verzeichnen war. Wir mussten in den großen politischen Gemeindesaal von Hallbergmoos umziehen und feierten fortan dort Gottesdienste (130-200 Besucher). Auch ist eine zunehmende Zahl der Besucher des Glaubenskurses (Alpha-Kurs) zu verzeichnen. Die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeitenden steigt ebenfalls.

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