Unsere Kirche an der Elbe. Wie mokt dat schon

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Created at: 2010-06-22
Last major update at: 2010-06-22
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Deutsch (Original, currently shown)
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Mitgliederbindung
Institutions
Martin-Luther-Stiftung in Stelle
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Information
Preparation: no information
Execution: Auf Dauer
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Wie mokt dat schon

Abstract

Gewinnung finanzieller und ehrenamtlicher Ressourcen durch die Gründung einer kirchlichen Stiftung.

Situation / context

In einer sehr kleinen Kirchengemeinde ist es aus der Not der drohenden Pfarrstellenkürzung gelungen, 425 Menschen als Stifter an der Martin-Luther-Stiftung der Kirchengemeinde zu beteiligen. In vier Jahren wurden aus 10.000 Euro Gründungskapital bis zum Sommer 2009 410.000 Euro.

Goals

Die Gemeinschaft einer Kirchengemeinde wird durch die Beteiligungsmöglichkeit gestärkt.

Reflection / background

Im Jahr des 2004 wurde die Wiederbesetzung der 0,50-Pfarrstelle für 820 Gemeindeglieder von der Landeskirche nur nach intensiver Beratung beschlossen.
Ob die Kirchengemeinde im Stellenplan 2009-2012 berücksichtigt werden würde, war fraglich. Fliegenberg war zur Mitbetreuung von außen vorgesehen. Das kirchliche Leben in seiner bisherigen Form stand also auf dem Spiel.
Gleichzeitig zeigte das Jubiläum eine so große Verbundenheit zur Kirche im Dorf, dass diese über die Kirchenmitgliedschaft hinaus nach einem dauerhaften Ausdruck verlangte. Der drohende Verlust des Pfarramts und die bestehende Dorftradition zur Selbsthilfe waren der Anlass.

General information on realization

Ein Projekt der Martin-Luther-Stiftung in der Kirchengemeinde Fliegenberg-Rosenweide-Wuhlenburg.

Preparation

In der Kirchengemeinde wurden klare Zielsetzungen entwickelt.

  1. "Kirche lebt durch DICH." - Ziel ist das Bewusstsein, für die Kirche vor Ort Verantwortung zu tragen.
  2. Alle Vereine und Institutionen des Dorfes sollten sich hinter dem Ziel, Kirche und Pastoren im Dorf zu halten, sammeln.
  3. Alle Haushalte sollen langfristig das Ziel der Stiftung unterstützen (Stifter werden).
  4. Private und dörfliche Feste und Anlässe sollten Gelegenheit zur Unterstützung der Stiftung bieten.
  5. Es soll eine dauerhafte Freundschaft entstehen, auf die man stolz sein kann.
  6. Die Bindung zur Kirchengemeinde  soll sich erhöhen.
  7. Die drei zusammenhängenden Straßendörfer, die die Kirchengemeinde ausmachen, sollten sich trotz unterschiedlicher Größe gleichberechtigt in der Stiftung wiederfinden.
  8. Es wird sichtbar: Glaube kann die Welt gestalten und aus Liebe Zeichen der Hoffnung setzen.
  9. Monetäres Ziel: Die Stiftung soll bis 2011 in der Lage sein, den Umfang einer 1/4-Pfarrstelle (17.500 Euro) zu finanzieren. In der Satzung der Stiftung wurde die Stifterversammlung verankert, in der alle Stifter bei Fragen von grundlegender Bedeutung Stimmrecht haben (genossenschaftliches Element). Zudem wurde über einen kleinen Mindestbeitrag (Zustiftungen sind ab 100 Euro möglich) eine große Basis in der Gemeinde angestrebt.

Schließlich wurde die Satzung derart konstruiert, dass für den Vermögensanfall überzeugende Vorsorge getroffen wurde. Den Stiftern wurde damit eine langfristige, generationenübergreifende Perspektive vermittelt. Besonderer Wert wurde daher darauf gelegt, die Stiftung zu einer Institution des Dorfes mit eigenen Festen im Jahreskreis zu machen. So werden die Nachhaltigkeit der Wirkung und die Dauerhaftigkeit der Aufgabe deutlich: die zeitliche Befristung ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll.

Realization

A) Wie werden die Menschen überzeugt? - Motivation

  • a) Persönliche Gespräche: "Das leere Pfarrhaus droht. Wir müssen etwas tun."
  • b) Mit der Festschrift zum Jubiläumsjahr wurde eine Erfolgsgeschichte an alle Haushalte kostenlos verteilt, die deutlich macht: Der Einsatz lohnte sich damals und lohnt sich heute.
  • c) Ein Gründungsprospekt mit Fragen und Antworten zur Stiftung, der Satzung der Stiftung und dem Testimonial von 10 Persönlichkeiten des Dorfes wurde an alle 550 Haushalte verteilt.
  • d) Informationen und Bitten wurden so formuliert, dass sie in die Lebenswelt des Dorfes passten: "Fehlt es am Wind, greife zum Ruder." "Das werden wir sehen, ob wir zu klein sind."
  • e) Es wurde verdeutlicht, dass man sehen kann, wohin die Unterstützung geht. Zudem übernahm die Kirchengemeinde für die ersten drei Jahre alle Ausgaben der Stiftung, so dass jede Gabe in den Kapitalstock fließen konnte.
  • f) Nach zwölf Monaten wurde zudem der absehbare Erfolg ein überzeugendes Argument: "Es geht!"
  • g) Die handelnden Personen bürgen mit ihrem Ansehen im Dorf für Kontinuität.


B) Wer wird angesprochen?
Die Martin-Luther-Stiftung Fliegenberg-Rosenweide-Wuhlenburg hat zunächst grundlegend drei Adressaten:

  • a) Zunächst die ungefähr 600 Erwachsenen der Gemeinde, die selber Stifter werden können,
  • b) ebenso die Vorsitzenden der Vereine und Institutionen des Dorfes, die über eine Beteiligung ihrer Institution an der Stiftung mitentscheiden,
  • c) schließlich ehemalige Fliegenberger Gemeindeglieder.

 

C) Gründung
In den ersten fünf Monaten wurde der Boden bereitet: Die Notwendigkeit und Absicht, eine Stiftung zu gründen, wurde allgemein bekannt gemacht. Der Gründungsprospekt wurde an alle Haushalte verteilt. Am 31.10. wurde die Stiftung gegründet. Die örtlichen Zeitungen und der Gemeindebrief haben ergänzend berichtet. Anstelle des Freiwilligen Kirchenbeitrags wurden alle Haushalte gebeten, die Stiftung zu unterstützen.
Es folgten kontinuierliche Hinweise auf die "Sechs Möglichkeiten, der Kirche im Dorf etwas Gutes zu tun", z.B. die Stiftung mit Lastschrift zu unterstützen, bzw. eine Spende zur Stiftung aufzustocken.
Schließlich wird dreimal im Jahr eingeladen:

  • a) die Stifter zur Stifterversammlung (April),
  • b) alle zum Sommerfest (Juli) und
  • c) zum Stiftungsgeburtstag (31. Oktober).

Im zweiten Jahr wurden bei der Jahresbitte neun Zielgruppen unterschieden.

Wrap up & follow-up actions

Viele Ziele sind bis zum Sommer 2009 schon erreicht worden:

  1. Das Bewusstsein, für die Kirche verantwortlich zu sein, ist Gemeingut geworden.
  2. Alle Vereine des Dorfes sind Stifter geworden.
  3. Mit 425 Stiftern ist mehr als jeder zweite Haushalt an der Stiftung beteiligt. Die Menschen trauen der Stiftung zu, hier noch zu wachsen.
  4. Insgesamt wurden 48 persönliche Anlässe (Beerdigung, Hochzeit, Geburtstag) zur Unterstützung der Stiftung genutzt. Mit Oktoberfest, Dorfabend, Sommerfest und Flohmarkt wurden die großen Dorffeste zur Unterstützung der Stiftung genutzt.
  5. Die Freude und der Stolz, als Gemeinschaft etwas zu schaffen, das Großgemeinden nicht gelingt, sind deutlich zu spüren.
  6. Einem Kirchenaustritt seit Gründung der Stiftung stehen 16 Eintritte und 4 Umgemeindungen in die Gemeinde gegenüber. Die Wahlbeteiligung bei der Kirchenvorstandswahl im März 2006 betrug 44,7%.
  7. Die Menschen aus allen drei Dörfern haben die Stiftung zu ihrem Projekt gemacht.
  8. Immer mehr Menschen sehen im Projekt "Stiftung", dass Glaube Berge versetzen kann, bzw. dass Leben nur auf Hoffnung hin möglich ist.

Auch die finanziellen Ziele wurden erreicht: Durchschnittlich 2.000,00 Euro sind der Stiftung seit Gründung wöchentlich zugestiftet worden.
Dauer: Die Laufzeit der Stiftung ist im Selbstverständnis der Stifter unbegrenzt. In der Planung ist jetzt der Zeitraum des nächsten Stellenrahmenplans bis 2012, um die Pfarrstelle ab 2013 dauerhaft im Stellenplan zu verankern.
Langfristig werden in den kommenden zehn Jahren die Aufgaben größer werden, die nur mit Hilfe der Stiftung zu bewältigen sind: Finanzierung von 8 Küster- und Organistenstunden sind hier ebenso zu nennen wie Unterhaltung von Pfarrhaus und Kirche.
Die Stiftung ist somit auf einen dauerhaften Erfolg, die dauerhafte Unterstützung der Menschen angewiesen, um das kirchliche Leben im Dorf zu sichern. Menschen sollen auch in zehn Jahren noch Stifter werden können und es begeistert werden wollen.

Arbeitsaufwand: In den ersten zwei Jahren waren es pro Woche 15-20 Stunden, danach 3-5 Stunden pro Woche. Einzelne Veranstaltungen erfordern mehr
Aufwand.

Mitarbeitende: 1/2 Hauptamtlicher und 5 Ehrenamtliche arbeiten für die Stiftung.
  
Kosten: 4000 Euro in vier Jahren. Die Kosten fallen i.W. an für die Danksagung mit einem Luftbild unseres Dorfes an der Elbe (30x45 cm) à 7 Euro. Hinzu kommen Porto und einige Druckkosten. Da die Verwaltung im Ehrenamt erfolgt (auch über die KG), fallen keine Verwaltungskosten an.

 Tipps für Nachahmer/innen: Das Projekt lebt davon, dass es eine Lösung für ein Problem bietet, das den Menschen wirklich Sorgen bereitet hat. Andererseits sind die dörfliche Struktur und der hohe Zusammenhalt der Menschen schon besonders und haben die Arbeit erleichtert.

Links / Homepage:
http://www.kirchenkreis-winsen.de/kirchengemeinden/fliegenberg/

 

Effect / experience

Der Stiftungsgedanke hat sich in der Umgebung verbreitet. Sieben neue Stiftungen in der Region wurden ermutigt.

 

Rückmeldungen der Teilnehmenden und Mitarbeitenden: Die Motivation der Mitarbeitenden ist sehr hoch, wir finden immer viele Freiwillige, um die Stiftung auch tatkräftig zu unterstützen. Dies z.B. für das Sommerfest (Aufbau, Abbau, Kuchenspenden, Zubereitung der Salate...), beim Verteilen von Post oder auch für dauerhafte Aufgaben wie die Erstellung von Dankschreiben. Die Stifter sind sehr motiviert, nicht nur Geld, sondern auch Engagement zu geben. Darin zeigt sich wieder die große Unterstützung, die die Stiftung im Dorf erfährt.

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