Das "Russlands-Deutsche Haus"

Author
a geistreich member
Created at: 2013-03-11
Last major update at: 2013-03-11
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Integration und Inklusion
Institutions
Aussiedlerarbeit der Ev. Kirche von Westfalen in Schwerte
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: no information
Votes
one vote
Comments to the document
Draufsicht RDH

Abstract

Die Ausstellung präsentiert russlanddeutsches Leben und russlanddeutsche Geschichte in Form eines Hauses.

Situation / context

Ob an der Wolga, in Wolhynien, Bessarabien, am schwarzen Meer, auf der Krim oder am Kaukasus, überall haben deutsche Einwanderer ein Haus gebaut und damit eine neue Existenz gegründet. Und als man nach 1941 aus dem europäischen in den asiatischen Teil der UdSSR verschleppt wurde, hat man auch dort irgendwann angefangen, ein Haus zu bauen.

Nach der Aussiedlung nach Deutschland beginnen viele „Russlands-Deutsche“ wieder von vorne.

Die Ausstellung nimmt dieses Grundthema auf und präsentiert russlanddeutsches Leben und russlanddeutsche Geschichte in Form eines Hauses.

Goals

Die Aktivierungsmethode mit Ausstellung

  • bietet Möglichkeiten zur Begegnung von Hiesigen, Spätausgesiedelten und anderen Zuwanderungsgruppen.
  • motiviert Zugewanderte, sich an Gesellschaft und Kirche aktiv zu beteiligen.
  • zeigt durch die Beteiligung von zugewanderten Künstlern und Sportlern, dass Gesellschaft und Kirche durch Zuwanderung bereichert wird.
  • vernetzt die in der Zuwanderungsarbeit Tätigen untereinander und bietet Mitwirkungsmöglichkeiten für Zugewanderte.
  • macht die Besuchenden mit der Geschichte, dem Leben und Erleben von Zugewanderten vertraut.
  • begründet und vertieft das verständnisvolle Miteinander von Hiesigen und Zugewanderten vor Ort.
  • kommt durch den dezentralen Ansatz vielen Orten zu Gute.

Reflection / background

Ein Haus bauen

  • heißt einen Ort als seine Heimstatt  wählen, an dem man die Zukunft erwarten und gestalten will.
  • ist die Selbstverpflichtung, am fremden Platz heimisch werden zu wollen.schafft ein Dach über dem Kopf und für die Lebensträume.
  • zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben und die Geschichte der „Russlands-Deutschen“.

General information on realization

Diese besondere Aktivierungsmethode mit Ausstellung wurde 2002 von der Aussiedlerarbeit der Ev. Kirche von Westfalen entwickelt und bisher erfolgreich an vielen Orten eingesetzt.

Dass ein "s" sich in den Namen reingeschmuggelt hat, hat eine kleine Geschichte:

Die zugewanderten Deutschen aus Russland mussten sich gefallen lassen, hier mit allerlei Etiketten beklebt zu werden. Aussiedler wurden sie genannt, oder Spät- (zu spät) Aussiedler. So steht es im Gesetz (BVFG).

Ihre Kinder heißen darin übrigens nur "Abkömmlinge" und das Gesetz heißt "Kriegsfolgenbereinigungsgesetz". Oder sie wurden "Russen" genannt, weil man fälschlicherweise davon ausging, wer so lange in Russland gelebt hat und von da kommt, müsse ja Russe sein. Dabei schmerzt das besonders:

  • "Drüben waren wir die (ungeliebten) Deutschen, hier sind wir die (ungeliebten) Russen."

Wenn sie über sich selbst sprachen, hörte ich - gerade bei denen, die noch einen alten deutschen Dialekt kannten: wir Russlands-Deutschen. Da war es, das S.

Aus Respekt vor der Selbstbezeichnung dieser Menschen wählte ich dieses als "Eigenname" der Aktivierungsmethode: "Das Russlands-Deutsche Haus".

Preparation

Es gibt eine mehrmonatige Vorbereitungsphase vor Ort, in der sich ein Trägerkreis aus Hiesigen und Spätaussiedlern bildet. Es wird darauf Wert gelegt, dass sich möglichst viele Kooperationspartner (z.B. auch Schulen, Behörden, Verbände, Kirchen, Sponsoren, usw.) beteiligen. In der Regel bleibt der Trägerkreis nach der Aktion als „Arbeitskreis Spätaussiedler / Zugewanderte“ zusammen.

Realization

Die von Hiesigen und Russlanddeutschen getragene Aktivierungsmethode hat drei wesentliche Elemente:

  • eine mehrmonatige Vorbereitungsphase vor Ort, in der sich ein Trägerkreis aus Hiesigen und Spätaussiedlern bildet. Es wird darauf Wert gelegt, dass sich möglichst viele Kooperationspartner (z.B. auch Schulen, Behörden, Verbände, Kirchen, Sponsoren, usw.) beteiligen.  In der Regel bleibt der Trägerkreis nach der Aktion als „Arbeitskreis Spätaussiedler/Zugewanderte“ zusammen.
  • die Ausstellung „Das Russlands-Deutsche Haus“. Das – äußerlich einem Lehmhäuschen in Sibirien oder Kasachstan nachempfundene - Haus ist 6x7 m groß und 2 m hoch. In vier Räumen wird Russlands-Deutsches Leben und Erleben präsentiert:

In der Russlands-Deutschen Stube wird man in die Wohnsituation hinein genommen mit zahlreichen Original-Exponaten aus den Herkunftsgebieten.

Im Gedenkraum wird an die Opfer des stalinistischen Terrors und der Verschleppung erinnert. Der Betraum informiert anschaulich über russlanddeutsche Frömmigkeit in Geschichte und Gegenwart. Die alten Bibeln, Predigtbücher und (handgeschriebene) Liederbücher erinnern auch an die Zeit, in der man im Atheismus den Glauben bewahrt hat.

Der Korridor nach Deutschland zeigt sinnenfällig das schwierige, langjährige und z.T. demütigende Aufnahmeverfahren. Schließlich wird an einer Außenseite der lange und wechselvolle Prozess der Integration visualisiert.                                      

  • Während der Öffnungszeiten ist das Haus immer „bewohnt“ von geschulten ehrenamtlichen Mitarbeitenden (meist Russlanddeutsche), die die Besuchenden durch die Räume begleiten, diese erläutern und zugleich sie mit in ihre eigene Lebensgeschichte nehmen. Diejenigen, die sich als Ausstellungsbegleiter ausbilden lassen und aktiv werden, berichten, dass sie durch diese Mitarbeit sich ernstgenommen und ermutigt fühlen zur weiteren Mitarbeit in Gesellschaft und Kirche
  • begleitende Veranstaltungen: Der Trägerkreis erarbeitet ein Programm von begleitenden Veranstaltungen: Z.B. Eröffnungsgottesdienst „Sein Haus hat offne Türen“, Montagskino mit dem russlands-deutschen Spielfilm „Heimatlos“, russlands-deutsches Literaturcafe „Zwischling“, russlands-deutsches Theater, breakdance-workshops und Sportturniere, Theaterabende, interkulturelle Kochwerkstätten, interkulturelle Trainungs, Begegnungsabend mit Spätaussiedlern als Einladenden usw.

Beworben wird die Aktion mit eigenen Handzetteln und Plakaten, über die informellen Netzwerke der Trägerkreismitglieder sowie mittels intensiver Pressearbeit.

Wrap up & follow-up actions

In der Regel bleibt der Trägerkreis nach der Aktion als „Arbeitskreis Spätaussiedler / Zugewanderte“ zusammen.

Effect / experience

Es hat sich an vielen Orten gezeigt, dass sich auch andere Zuwanderungsgruppen in die Mitarbeit einbinden lassen.

Adopted and refined

    Connected content

    • Thumb_article-default-image
      Aussiedler und Russlanddeutsche - hier wartet geistreich noch auf einen Artikel von Ihnen.
      This article is visible for all internet-users.
      from a Geistreich-member

    geistreich video

    Hide Video