Lingen integriert natürlich alle Sportler

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a geistreich member
Created at: 2013-04-11
Last major update at: 2013-04-11
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Integration und Inklusion
Institutions
Christophorus-Werk Lingen e.V. in Lingen (Ems), Lingener Bürgerstiftung in Lingen (Ems), Stadt Lingen (Ems) in Lingen (Ems), Behinderten-Sportverband Niedersachsen e.V. in Hannover, and DBS-Akademie gGmbH in Steinfurt
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Teilnehmerinnen von LinaS

Abstract

Menschen mit Behinderung werden in die örtliche Vereine, Verbände und sozialen Netzwerke in den Bereichen Sport und Freizeitgestaltung integriert.

Situation / context

„Integration von Menschen mit Handicap in öffentliche Vereine und Verbände“ war das Leitthema einer jahrelangen Entwicklung. Im Jahr 2010 mündete sie in LinaS, einem von der Aktion Mensch geförderten, bundesweit einmaligen Projekt des Christophorus-Werkes Lingen e.V..

Goals

Die Idee der Inklusion – die inzwischen das Ziel und den Begriff der Integration weitgehend abgelöst hat – und der damit verbundene Rechtsanspruch laut UN-Konvention soll durch das Projekt LinaS zunächst im Altkreis Lingen konsequent umgesetzt werden.

Die Integration von Menschen mit Behinderung in Vereine und Verbände soll die Wählbarkeit eines sportiven Lebensstils und den damit verbundenen barrierefreien Zugang zu den Sport- und Freizeitangeboten der Region nachhaltig ermöglichen.

Reflection / background

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General information on realization

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Preparation

Der Impuls: 1986 - In der Wohnanlage Darme des Christophorus-Werkes Lingen machen drei Zivildienstleistende den fußballverrückten Bewohnern ein Angebot: ein regelmäßiges Training. Die Begeisterung weckt den Wunsch, einmal in einem „richtigen Verein“ Fußball spielen zu dürfen. Die Zivis gründen einfach einen: den WA Darme 86 – er besteht bis heute (WA steht für Wohnanlage; der Verein ist kein e. V.).

 

 

Die Frage: Seit ca. 1998 - Engagierte Eltern suchen in der Region Lingen nach geeigneten öffentlichen Sport- und Freizeitangeboten für ihre Kinder mit Behinderung, nicht immer mit dem gewünschten Erfolg. Anfragen bei Vereinen schlagen fehl, es fehlt an fachlichem Know-how und an Erfahrungen in der Gestaltung solcher Angebote. Punktuelle, vorwiegend durch kirchliches Engagement initiierte Angebote decken bei Weitem nicht den Bedarf. Es entsteht eine Elterninitiative und daraus der „Arbeitskreis Mittendrin“.

 

 

Das Konzept: 2002 bis 2004 - Im Rahmen des praxisorientierten Forschungsprojekts „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ erarbeitet Frank Eichholt, der als Erzieher im Christophorus-Werk tätig ist und an der Fachhochschule Enschede eine berufsbegleitende Ausbildung zum Sozialpädagogen absolviert, gemeinsam mit seinem Studienkollegen Volker Stock einen ressourcenorientierten Ansatz zur Integration junger Menschen mit Handicap in öffentliche Vereine und Verbände: Das Sportorientierte Integrationsmodell (SIM) entsteht. Im Berufsbildungswerk des Christophorus-Werkes wird es in die Tat umgesetzt. Die praktischen Erfolge und die begleitende Forschung zeigen, dass und wie es funktioniert. Die Facharbeit ist die einzige deutschsprachige Arbeit, die von der Hochschule für den „Saxion – Hochschulpreis“ vorgeschlagen wird.

 

 

Und plötzlich mittendrin …: April 2005 - Die Anfrage der Elterninitiative „Mittendrin“ nach einem integrativen Angebot im Bereich Fußball für Kinder mit Handicap erreicht den TuS Lingen. Von dessen Vorstand findet sie den Weg zum TuS-Aktiven Frank Eichholt. Ein erstes Gespräch ergibt: Wir probieren es gemeinsam aus! Ein Schnuppertraining weckt den Enthusiasmus bei allen Beteiligten und es entsteht das erste integrative Angebot in einem öffentlichen Verein in Lingen: das Team Mittendrin beim TuS Lingen. Und es spricht sich herum: Nach knapp 2 Jahren werden bis zu 60 Menschen mit Handicap von bis zu 8 Trainern betreut und gefördert. Eine Warteliste entsteht. Für uns Anlass nach weiteren Möglichkeiten zu suchen, auch diesen Menschen neue Wege zu ebnen. Mit den „Lucky Löwen“ von Olympia Laxten entsteht 2007 eine weitere Vereinsmannschaft für junge FußballerInnen mit und ohne Behinderung.
Eine erste Mannschaft des TuS Lingen nimmt erfolgreich am offiziellen Spielbetrieb der 1. Behinderten Fußballliga Niedersachen (1.BFLN) teil.
Auch die Eltern signalisieren: Es gibt einen vielschichtigen Bedarf nach weiteren Sport- und Freizeitmöglichkeiten in der Stadt Lingen, vor allem auch nach Möglichkeiten im Anschluss an einen institutionellen Aufenthalt.

 

 

… in einer (un)möglichen Idee: 2008 – Im Christophorus-Werk wird der Frage der Angehörigen nach einem Sportverein für Menschen mit Behinderung die Idee eines integrativen, vielleicht sogar inklusiven Sportangebotes in Lingener Sportvereinen, gegenübergestellt. Ist es möglich, mit einem Modellprojekt „gelingende Integration von Menschen mit Behinderung in öffentliche Vereine und Verbände“ für eine ganze Region Wirklichkeit werden zu lassen? Es wird entschieden, Frank Eichholt mit einer entsprechenden Projektentwicklung zu beauftragen. Es folgen Vorbereitungen, Gespräche und Diskussionen.

Im April 2008 lädt das Christophorus-Werk Vertreter vieler Lingener Vereine, der Stadt Lingen, des Behindertensportverbandes Niedersachsen, der Lingener Bürgerstiftung, des „Arbeitskreises Mittendrin“ und weitere Interessierte zu einem ersten Sondierungsgespräch ein.

Vertreter des Christophorus-Werkes stellen die Idee vor, zeigen Chancen aber auch Grenzen auf. Sie bieten an, Ressourcen für die Einführungsphase zur Verfügung zu stellen. Der Vertreter des Behindertensportverbandes Niedersachsen, Kai Schroeder, stellt Hilfe bei der Aus- und Weiterbildung von Fachübungsleitern in Aussicht. Das Votum dieses Treffens: Wir wollen es gemeinsam angehen!

Kooperationstreffen in den Folgemonaten geben Platz für Fragen und Austausch, erste Absprachen werden getroffen, Angebote ausprobiert, um gemeinsam Hindernisse aus dem Weg zu räumen und Ausblicke zu eröffnen. Eine begleitende Befragung zur Bedarfserhebung für den Altkreis Lingen ergibt einen klaren Handlungsauftrag: Die Bedarfe sind groß und konkrete Angebote sind von vielen Menschen gewünscht. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich über 20 Vereine und Verbände (Reiten, Schwimmen, Judo, Kanu und Klettern, Theater und Kunst, Tanzen, Fußball und vieles mehr) in Lingen der Idee angeschlossen und wollen gemeinsam den Weg der Inklusion gehen.

 

 

Das Dach: Oktober 2008 - Das gewachsene Fundament der teilnehmenden Vereine und Verbände, Unterstützer und Interessenten braucht ein Dach: Ein Wettbewerb in allen Förderstandorten bringt tolle Ideen für ein Logo und einen mögliche Namen hervor und führt zur Geburtsstunde von LinaS. LinaS ist die Abkürzung für den Slogan „Lingen integriert natürlich alle Sportler“. Das Logo stellt zwei Menschen auf Augenhöhe dar, die sich stilistisch ein „High Five“ geben. Sie stehen nun gemeinsam für die Idee: Aktiv werden für das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. Der prämierte Entwurf stammt von einem 12jährigen Mädchen mit Behinderung. Sie hat ihn gemeinsam mit ihrem Vater entwickelt.

Realization

Mit dem Projekt „LinaS“ sind alle Voraussetzungen geschaffen worden, die die Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Vereinslandschaft der Region Lingen nachhaltig bewirken. Sowohl Vereine, Verbände, Wirtschaft, Politik, Öffentlichkeit sowie insbesondere die betroffenen Menschen in Lingen signalisieren ihre Unterstützung für einen Projektstart von LinaS. Das Christophorus-Werk und weitere Initiatoren stehen bereit, für die notwendige fachkompetente Begleitung und Nachhaltigkeit die Verantwortung zu übernehmen.

Um das Projekt über die Initiative einzelner Vereine und Gruppen hinaus zum Erfolg zu führen und die Nachhaltigkeit der Arbeit auch langfristig zu gewährleisten, sind noch einige weitere Schritte und eine mehrjährige professionelle Anleitung und Begleitung der Menschen mit Behinderung, der Angehörigen und der Vereine selbst notwendig. Um diese nächsten Schritte gehen zu können, bedarf es in hohem Maße einer Förderung der Aktion Mensch.

Ab dem 01.02.2010 konnte das Projekt LinaS des Christophorus-Werkes Lingen e.V. dank der erheblichen finanziellen Unterstützung der Aktion Mensch offiziell gestartet werden.

Mit großem Erfolg! 30 Vereine und Anbieter von 27 wählbaren Sportarten ermöglichen derzeit 268 Menschen mit Behinderung sportlich aktiv zu sein. Ein erster Schritt in gelebte Inklusion im Sport.

Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

Der Erfolg von LinaS basiert auf der Verfügbarkeit entsprechender Angebote und dem Zugang für ausdrücklich alle Menschen mit Behinderung und setzt auf Vielfalt. Nach den ersten zwei Projektjahren funktioniert LinaS nachweislich in allen Gruppen außergewöhnlich gut.

www.linas-lingen.de

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