Inklusiver Konfirmandenunterricht

Author
a geistreich member
Created at: 2013-04-22
Last major update at: 2013-06-17
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Konfirmation (Konfirmationsjubiläum), Integration und Inklusion, Konfirmandenarbeit
Institutions
St. Ansgarii Gemeinde in Bremen, Gemeinde von Unser Lieben Frauen in Bremen, and Projektstelle Inklusiver Konfirmandenunterricht
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: vierzehntägig 1,5 h; 5 Tage Freizeit
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inklusiver KU

Abstract

Im inklusiven Konfirmandenunterricht können behinderte und nicht-behinderte Jugendliche in einem selbstverständlichen Miteinander ihren Platz finden.

Situation / context

Die bremischen Kirchengemeinden St. Ansgarii und Unser Lieben Frauen kooperieren in dem Bereich der Konfirmanden- und Jugendarbeit. Beide Gemeinden sind mit ihren Kindertageseinrichtungen Schwerpunkthäuser für Integration.

Im Zuge der Umstellung der Konfirmandenunterrichtsmodelle auf Modelle mit stärkerem Freizeitanteil erreichte die Kirchengemeinden die Anfrage von mehreren Eltern behinderter Kinder aus den Kindertageseinrichtungen, ob eine Teilnahme ihrer Kinder am Konfirmandenunterricht möglich sei.  Die Situation in beiden Gemeinden war bis dahin, dass vereinzelt behinderte Kinder im Konfirmandenunterricht „dabei waren“. Aufgrund der Anfragen aus der Elternschaft entschieden die Verantwortlichen aus den Gemeinden, eines der neuen Modelle als Inklusionsmodell zu konzipieren.

Dieses Inklusionsmodell läuft derzeit im dritten Durchgang.

Goals

Der Konfirmandenunterricht in den Gemeinden soll für alle Jugendlichen offen sein. Das bedeutet, die Ausgestaltung des Konfirmandenunterrichtes muss in einer Weise erfolgen, dass behinderte und nicht-behinderte Jugendliche in einem selbstverständlichen Miteinander ihren Platz finden können.

Reflection / background

Mit diesem ersten Inklusionsmodell hat sich auch die Bremische Evangelische Kirche auf den Weg gemacht. Mittlerweile gibt es eine Projektstelle für inklusiven Konfirmandenunterricht, die Gemeinden begleitet, sich auf einen inklusiven Weg zu machen.

Aus den Gemeindeerfahrungen heraus lässt sich feststellen, dass jeder Jahrgang neu auf die Bedürfnisse aller Jugendlichen abgestimmt werden muss. Es gibt einzelne Rituale, die auf alle Gruppen übertragbar sind. Methodisch-inhaltlich ist jedoch vieles immer wieder neu zu überdenken. Grundsätzlich bedeutet die Arbeit mit einer inklusiven Gruppe eine Haltungsänderung der Unterrichtenden. Die Erfüllung von Curricula steht in einer solchen Arbeit nicht im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, dass miteinander einzuüben und zu gestalten, Wertschätzung und Respekt vor der Vielfalt und Individualität des Einzelnen zu leben.

General information on realization

Inklusiver Konfirmandenunterricht braucht personelle Ressourcen. Es nicht möglich, inklusiv allein in einer Gruppe zu arbeiten. In den Gemeinden Unser Lieben Frauen und St. Ansgarii bedeutet dies, dass die Gruppe jeweils von einem Pastor/ einer Pastorin, der Diakonin und von der Projektstelle Inklusiver Konfirmandenunterricht mit einer Behindertenpädagogin und einer Diakonin begleitet wird. Wenn möglich komplettieren Ehrenamtliche zur Mitarbeit im Konfirmandenunterricht qualifizierte Jugendliche das Team.

Auf Barrierefreiheit ist zu achten. Dies meint zum einen die räumliche Barrierefreiheit. Welches Gemeindehaus ist geeignet? Ist der Raum gut zugänglich? Aber auch die innere Barrierefreiheit ist entscheidend. Der Konfirmandenunterricht muss so gestaltet sein, dass es allen Teilnehmern möglich ist, aktiv teilzunehmen. Rituale, Wiederholbarkeit, Kleingruppenarbeit, Handlungsorientierung und Binnendifferenzierung sind wesentliche Bestandteile des Unterrichts. Inklusiver Konfirmandenunterricht konzentriert sich nicht auf die Sprache, sondern versucht den Jugendlichen Erfahrungsräume zu eröffnen.

Preparation

In den Kirchengemeinden Unser Lieben Frauen und St. Ansgarii betrug die Vorbereitungszeit für die Installation eines inklusiven Konfirmandenmodells ein Jahr. Wesentlich waren im Vorfeld die Klärung finanzieller und personeller Ressourcen sowie die Standortbestimmung im Team. Jede/r im Team konnte mit seinen Erfahrungen, Wünschen und auch Bedenken vorkommen. In der Ausgestaltung des Modells war es wichtig, die einzelnen Stärken im Team zu sehen und niemanden zu überfordern.

Im zweiten Schritt wurden die Gemeindegremien über das Vorhaben informiert. Auch hier war es wichtig eine Akzeptanz für dieses Modell herzustellen, auch wenn es von den üblichen Vorstellungen über notwendige Lerninhalte abweichen kann.

Bevor das Modell konkret beginnen konnte, war es zudem unerlässlich die Eltern der beteiligten Jugendlichen mit ins Boot zu holen. Auch hier ging es darum Befürchtungen und Wünsche zu hören, die Eltern miteinander in Austausch zu bringen und den Beginn des Modells somit gut vorzubereiten.

Dir Gruppengröße des inklusiven Modells beträgt 20 Konfirmanden, wobei in der Regel 5 Plätze für Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen reserviert sind. Die Erfahrungen in weiteren inklusiven Gruppen in der Bremischen Evangelischen Kirche zeigen, dass es sinnvoll ist, wenn auch Jugendliche mit Behinderung eine Peergroup in der Gruppe haben und nicht vereinzelt sind.

Die Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen werden vorab von einer der Fachkräfte für inklusiven Konfirmandenunterricht besucht. Bei diesen Besuchen geht es um ein erstes Kennenlernen und das Abklären organisatorischer Belange, z.B. Assistenzbedarf auf der 5-tägigen Freizeit.

Realization

Das inklusive Modell ist ein Unterrichtmodell von einem Jahr. Der Unterricht findet vierzehntägig für 1,5 Stunden statt. Nach zwei ersten Treffen findet eine fünftägige Freizeit auf Langeoog statt. Diese Freizeit gab dem Modell seinen Namen „Inselmodell“.

Der Ablauf unterscheidet sich nicht wesentlich von modernem Konfirmandenunterricht und orientiert sich immer wieder neu an den Möglichkeiten der Jugendlichen.

Rituale prägen den Ablauf. Zu Beginn liegen z.B. Fotos der Konfirmanden auf den Stühlen, diese legen die Sitzordnung fest. In der Anfangsrunde werden die Fotos in die Mitte gelegt. Die Konfirmandenstunde beginnt immer mit dem gleichen Lied, das Vater Unser wird generell mit Gebärden gebetet.

Arbeitsaufträge werden so gestaltet, dass alle Konfirmanden sie ausüben können, in der Kleingruppenarbeit unterstützen sich die Konfirmanden gegenseitig oder werden durch eine Fachkraft begleitet.

Aktionen, die das soziale Miteinander fördern sind wesentlich. Immer gibt es handlungsorientierte und kreative Elemente.

Biblische Geschichten werden vorgespielt oder mittels Bodenbildern nach der Religionspädagogischen Praxis verdeutlicht. Jede Konfirmandenstunde soll visuell, haptisch und emotional erlebbar sein.

Wrap up & follow-up actions

In der inklusiven Konfirmandenarbeit findet der Unterricht stark prozessorientiert statt. Nach jedem Konfirmandentreffen findet eine Reflexion der Unterrichtenden statt, die gleichzeitig das Augenmerk auf die Dinge richtet, die in der Gruppe gerade „dran“ sind und die beim nächsten Treffen aufgenommen werden. Es gibt deshalb keinen Jahresplan, sondern lediglich einen kleinen Kanon an wünschenswerten Themen. Die Dauer der Umsetzung und die tatsächliche Auswahl werden von der Dynamik der Gruppe bestimmt.

Das Team trifft sich in den unterrichtsfreien Wochen zur gemeinsamen Reflexion und Vorbereitung.

Langfristig soll das Inselmodell jedoch keine inklusive Insel bleiben, sondern in den Gesamtkontext der gemeindlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingebettet werden.

Effect / experience

Die Erfahrungen der Gemeinden Unser Lieben Frauen und St. Ansgarii zeigen, dass es einen großen Bedarf für inklusive Konfirmandenarbeit gibt. Familien aus dem gesamten Landeskirchenbereich melden sich mittlerweile bei diesem Modell. Langfristig bedeutet die Installation eines inklusiven Konfirmandenmodells das auch die Kirchengemeinden selbst aufgefordert werden, sich auf einen inklusiven Weg zu machen. Wie verändert sich der Gottesdienst, wenn die Konfirmandenarbeit zunehmend inklusiv stattfindet? Welche Auswirkung hat inklusiver Konfirmandenunterricht auf die Ausgestaltung der Jugendarbeit?

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