Existentielle Kommunikation und spirituelle Ressourcen in der Pflege

Author
a geistreich member
Created at: 2013-05-03
Last major update at: 2013-05-03
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Alter und Pflege
Institutions
Diakonie Deutschland - Evangelischer Bundesverband in Berlin
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: 6x2 Schulungstage in 1 1/2 Jahren
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Pflege von Seniorin

Abstract

In einer Weiterbildung werden Pflegende in Existentieller Kommunikation befähigt.

Situation / context

Zum Arbeitsalltag von Pflegenden gehört immer wieder die unvermittelte Auseinandersetzung mit existenziellen Fragestellungen von Patientinnen oder Patienten und Bewohnerinnen und Bewohnern. Gleichzeitig erleben Pflegende den Druck des Anspruchs von maximaler Effizienz und die Spannung, umfassend pflegen zu wollen. Zunehmend kommen Pflegende an Grenzen ihrer eigenen physischen und psychischen Belastung.

Goals

Pflegende werden in existentieller Kommunikation befähigt und entdecken gesundheitsfördernde Ansätze von Spiritualität als heilende und heilsame Sorge in der Pflege für sich selbst (Selbstpflege / Burnout-Prophylaxe)
Durch Begleitforschung wird untersucht, ob und wie existentielle Kommunikation und Spiritualität in in der Pflege berufsbedingten Überlastungen, abnehmender Verweildauer und hoher Fluktuation im Pflegeberuf entgegenwirken.

Es wird ein Curriculum zu Existentieller Kommunikation und Spiritualtät in der Pflege für Fort- und Weiterbildungen entwickelt.

Reflection / background

Diakonie erwächst aus dem Glauben. Doch bezieht sie sich auch auf ihn? In der diakonischen Praxis oft zu wenig.

Kurzgespräche zu existenziellen Fragen erleben Pflegende in ihrem Berufsalltag immer wieder.

Es sind Momente, die sich besonders einprägen können. Sie erinnern Pflegende in Krankenhäusern, Seniorenheimen, ambulanten Pflegediensten daran, warum sie den Beruf eigentlich ergriffen haben: nämlich Menschen umfassend, an Leib und Seele pflegen zu wollen.

Florence Nightingale (1820-1910) schrieb einmal dazu: "Krankenpflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe, eine ebenso große Vorbereitung wie das Werk eines Malers oder Bildhauers. Denn was bedeutet die Arbeit an toter Leinwand oder kaltem Marmor im Vergleich zu dem lebendigen Körper, dem Tempel Gottes? Krankenpflege ist eine der schönsten Künste, fast hätte ich gesagt – die schönste aller Künste".

Spiritualität ist kein spezifisch christliches Phänomen, sondern wird als eine persönliche sinnstiftende Grundeinstellung verstanden, die neben anderen auch religiös sein kann. Ob die Welt ihrer eigenen Logik überlassen bleibt oder die Horizonte des Universums offen sind, bestimmt das Lebensgefühl, den Lebenssinn und die Lebensgestaltung eines Menschen grundlegend. In christlicher Spiritualität wird die Möglichkeit, den eigenen Ort in dieser größeren, von Gott bestimmten Wirklichkeit zu finden, in den Erzählungen des Glaubens erschlossen. Indem diese etwa in der Bibel gelesen, erinnert, meditiert und neu gedeutet werden, wird persönliche Spiritualität, eigener Glaube lebendig – durch Gottes Geist (Römer 8).

General information on realization

Das Projekt war Teil des Programms "Rückenwind - Für die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft", gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Preparation

Eine Steuerungsgruppe, zusammengesetzt aus Vertreter/innen des Diakonie Bundesverbandes, einzelnen Landes- und Fachverbänden und externen Sozial- und Pflegewissenschaftlichen Fakultäten recherchiert - soweit vorhanden - Fort- und Weiterbildungsmodule zu Existentieller Kommunikation und spirituellen Ressourcen in der Pflege, ebtwickelt sie konzeptionell weiter, entwirft ein Curriculum, begleitet die Praxiserprobung in der Durchführung, wertet die Ergebnisse aus, veröffentlicht sie und sichert die Nachhaltigkeit des Praxisprojekts. Die Trainerteams setzen sich je aus einer Krankenhaus- oder Altenheimseelsorgerin, einer geistlichen Begleiterin und einem Trainer oder einer Trainerin für Kommunikation und Gesprächsführung zusammen. Pro Trainer-Team sind immer mindestens ein Mann und eine Frau mit an Bord.

Realization

In mehreren Städten wurden diese Schulungen für Kranken- und Gesundheitspflegende wie für Altenpflegende von Diakonie Deutschland angeboten. Die Konzeptentwicklung startete Anfang 2010, die ersten Qualifizierungen dauerten bis Ende 2012 an sieben Projektstandorten mit 30 Pflegenden pro Standort. Ein interdisziplinär zusammengesetztes Schulungsteam (Gesprächstherapeuten/innen, Kommunikationstrainer/innen, Experten/innen in Spiritualität, Geistliche Begleiter/innen, Psychologen/innen...) führte im Abstand von ca. vier Monaten sechsmal jeweils an zwei Tagen 8 Stunden (= 672 Stunden) Schulungsmaßnahmen zu Existentieller Kommunikation und spirituellen Ressourcen in der Pflege durch. Flankierend untersuchten die das Projekt begleitenden sozial- und pflegewissenschaftlichen Institute, ob in arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitischer Hinsicht Stärkung der Existentiellen Kommunikation und Erschließung von spirituellen Ressourcen zu einer Erhöhung der Verweildauer und zur Gesundheitsförderung im Pflegeberuf beiträgt (Begleitforschung).

Wrap up & follow-up actions

Künftige Schulungen können deutschlandweit über sechs diakonische Bildungsanbieter besucht oder als inhouse-Kurse gebucht werden.
Am 10. Juni 2013 fand in Bielefeld-Bethel die 2. Fachtagung "Orientierung stiften - Kernkompetenz in einer komplexen Lebens- und Arbeitswelt" statt.

Effect / experience

Eine ganze Reihe an diakonischen Einrichtungen hatte sich dafür interessiert, Projektstandort zu werden. Die Pflegenden, die zurzeit an den Schulungen teilnehmen, signalisieren in den Auswertungsbögen, dass ihnen die Schulung viel für ihren Berufsalltag, aber auch für die Gestaltung ihrer eigenen Spiritualität bringt. Sie können für sich neue Kraftquellen erschließen und Haltepunkte für belastende Situationen finden. Ein Phänomen dabei ist, dass viele der Teilnehmenden – vor allem an den Standorten in den neuen Bundesländern – gar keinen kirchlichen Hintergrund haben. Die Mischung macht es: die Teams empfinden ihre interprofessionelle Zusammensetzung als gute Ergänzung und können durch ganz unterschiedliche Zugänge gemeinsam mit den Pflegenden existenzielle Situationen beleuchten, die die spirituelle Dimension von Krankheit und Gesundheit einbezieht.

Literaturhinweise:
Johannes Stockmeier, Astrid Giebel, Heike Lubatsch (Hg.): Geistesgegenwärtig pflegen. Existenzielle Kommunikation und Spirituelle Ressourcen im Pflegeberuf. Band 1: Grundlegungen und Werkstattberichte. Band 2: DiakonieCare Curriculum, Forschungsergebnisse, Organisationsentwicklung, Neukirchen-Vluyn 2012 (Neukirchner)
   

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