SOLA Marbach - ein Sommerlager

Author
a geistreich member
Created at: 2013-07-27
Last major update at: 2013-08-01
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Jugendliche und Schule, Konfirmandenarbeit, Hochschule und Berufsbildung, Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung, Schulnahe Jugendarbeit, Kirche und Sport
Institutions
Ev. Jugendwerk Bezirk Marbach in Murr
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: 1 Jahr
Execution: 3 Wochen
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2 votes
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SOLA Marbach - unser Hüttendorf

Abstract

SOLA Marbach - Jugendliche mit einem SOmmerLAger praktisch erreichen

Situation / context

Das Freizeit-Konzept SOLA ist ein innovatives Angebot für
Mädchen und Jungen im Alter von Konfirmanden bis einschließlich
17 Jahren. Wichtig:

Zusammen leben, zusammen bauen, das Projekte entsteht MIT den Jugendlichen. Quelle: SOLA

*// Vorbemerkung: SOLA Marbach fußt auf dem SOLA-Konzept, das Hans Brandt von Wiedenest in den 1980er-Jahren nach Deutschland gebracht hat. Wir haben dieses Konzept für den landeskirchlichen/CVJM-Kontext jedoch weitergedacht und -entwickelt. //*


Basis für dieses neue Freizeitkonzept sind eigene jüngere
Beobachtungen und Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit sowie intensive Beschäftigung mit Fachliteratur aus Theologie und Pädagogik verschiedenen Bereichen während der letzten Jahre.


Hintergrund des SOLA-Konzepts ist in die zunehmende Medialisierung und damit auch Virtualisierung der Lebenswelt der Jugendlichen. Jugendliche heute leben in einer
reizüberfluteten, aber letztlich erlebnisarmen Welt. Während mit dem Aufkommen von Heim-PCs Ende der 80er anfänglich nur die Spielekultur von Jugendlichen revolutioniert wurde, erleben Jugendliche heute - analog zur gesamten Gesellschaft -, wie immer mehr Bereiche des Lebens von der „Digitalisierung des Lebens“ erfasst werden.

Ein paar Stichworte: E-Mail statt Briefpost. Internet-Shopping und eBay statt wirklichem Einkaufen. Simsen statt telefonieren. Digitalfotos auf dem Computer statt Papierfotos in der Hand… Hier kann man noch lange fortfahren. Für die Jugendkultur ist relevant: Kinder und Jugendliche wachsen vermehrt in einer digitalen, virtuellen Welt auf.

Diese Welt ist erlebnisreich, aber reizarm.


Dass sich unser Denken und Leben dadurch verändern, gilt als sicher. Aber wie sich unser Denken und Leben dadurch verändern werden, ist bisher nur ansatzweise erforscht. Allerdings werden wir uns zweifellos auf neue Anfragen und Herausfor-derungen in der Kinder- und Jugendarbeit, jan in der Gemeindearbeit überhaupt ein- stellen müssen.

Beispielsweise ist das Phänomen des Ritzens oder anderes autoaggressives Verhalten noch relativ jung; als Grund dafür geben Jugendliche unter anderem an: „Ich wollte meinen Körper wieder fühlen.“ Die Virtualisierung des Lebens kann offenbar eine Entfremdung vom eigenen – jugendlichen – Körper zur Folge haben.


Diese Entwicklung müssen Gemeinden, Jugendarbeiten, Schulen und CVJMs wahrneh-men, um darauf antworten zu können. In Zukunft wird – so viel scheint sicher – der Beratungs- und Handlungsbedarf steigen. Anstatt also diese Entwicklung („immer mehr Technik einsetzen“) auch in der Freizeitarbeit mitzugehen, schlagen wir mit dem SOLA-Konzept den entgegengesetzten Weg ein.

Dieser Pool entstand spontan in Frankreich. Auch hier: Das Programm entsteht MIT den Teilnehmern. Quelle: SOLA

Goals

1. SOLA schafft Primär-Erfahrungen (gegenüber einer
reizüberfluteten, aber erlebnisarmen Medienkultur) und verknüpft
sie mit der Verkündigung des Evangeliums.

 
Viele Anbieter von Jugendreisen orientieren sich beim Programm an der
heutigen Lebenswelt der Jugendlichen, entsprechen dem
Anspruchsdenken und bieten (sehr) komfortable Reisen an. In der Folge
wird der Lebensstandard von daheim einfach weitergeführt (plus minus
ein paar Einschränkungen oder Extras).
SOLA setzt bewusst einen Gegentrend und führt zurück zum
Einfachen, Naturnahen, ohne dabei anspruchslos zu sein.

 
Im Vordergrund steht hier eine Mischung aus
Gemeinschaftsprogramm aller Freizeitteilnehmer, aus Programm
innerhalb der Zeltfamilien und Programm innerhalb der einzelnen
Zeltgruppen. Außerdem wichtig – anders als bei bisherigen
Jugendfreizeiten: gemeinsames Planen, Kochen und Bauen usw. – siehe unter 2.

 
2. SOLA bietet einen Rahmen dafür, dass Jugendliche Dinge
ausprobieren und Fähigkeiten erlernen, die ihnen zu Hause kaum
mehr jemand beibringt/beibringen kann.
Früher hatten die Großväter und Väter im Keller oder im Schuppen die
Werkbank stehen und einen Garten zum Werkeln. Doch diese Räume
schwinden – nicht zuletzt in der Region Stuttgart – zusehends. 12-14 Tage
SOLA wollen diesem Schwund entgegenwirken.
Auch Feuer machen und der Umgang damit, Kochen und Braten über
dem offenen Feuer sind Fähigkeiten, die auch dem durchschnittlichen
Erwachsenen zunehmend fremd werden. Diese Fähigkeiten zum
wichtigen Teil des Programms zu machen, ist ein weiterer Bestandteil
von SOLA.

 
3. SOLA trägt dazu bei, daß Jugendliche einen achtsamen Umgang
mit Dingen und mit der Natur einüben.
eBay, Discounterpreise und die Globalisierung lassen das Gefühl für
Wertvolles schwinden. Was kaputt geht, kann schnell ersetzt werden,
Lebensmittel (z. B. Milch) kann man unter Wert kaufen. Innovativ an
SOLA: Achtsamkeit mit Werkzeug, Material und Natur setzt gegenläufige
Akzente: Z. B. wird jeder Nagel, der eingeschlagen wird, auch wieder
entfernt, um nach der Freizeit weidende Tiere nicht zu gefährden. Tun
und Konsequenzen liegen auf der Hand.
Wie sonst sollen Jugendliche erfahren, daß sie wertvoll sind, wenn
nichts mehr wertvoll ist?! Die Frage nach dem Selbstbild ist heute
eines der wichtigsten Themen in der Verkündigung unter
Jugendlichen. Das nehmen wir auf.

 
4. SOLA ist ein neuer Weg, vor allem Jungs für das Evangelium zu
erreichen. Mädchen sind viel stärker als Jungs in unseren
Jugendarbeiten und Gemeinden aktiv. Sie tun sich auch leichter, ihren
Glauben zu kommunizieren.
Jungen brauchen andere Wege. Daher leitet uns bei der Planung u. a.
folgende Frage: Fällt es Jugendlichen (vor allem Jungs) leichter, beim
Schaffen mit Holz und Hammer über Gott und Glaube zu reden, als
wenn sie (nur) in einer Gesprächsrunde darüber diskutieren?

SOLA trägt dazu bei, dass vor allem Jungs neue Wege entdecken,
über ihren Glauben zu reden.

 

5. SOLA 2010 war der Startschuss für ein neues Freizeitkonzept: Als
Niedrigpreis-Freizeit soll sie auch in weiterer Zukunft Jugendlichen mit
weniger prallem Geldbeutel eine anspruchsvolle Freizeit mit einem
guten, innovativen Konzept bieten, das in unsere Zeit passt.
Dabei ist SOLA, trotz seiner Nähe zur Pfadfinderei, keine
Pfadfinderfreizeit, sondern eine gute Mischform aus Outdoor-Elementen
und herkömmlicher Freizeitarbeit.
Erfahrungen aus Gemeinden und Verbänden, die ähnliche Freizeiten
bereits durchgeführt haben und durchführen, haben Mut gemacht, dieses Modell
in unserer Region versuchsweise anzubieten. Die Möglichkeiten – auch
außerhalb des Lagerplatzes -, die unsere Freizeitorte (z. B. in der Fränkischen
Schweiz) bieten, sind überaus vielfältig!

 
6. SOLA bietet den Teilnehmern sehr viel Raum, die Freizeit
mitzugestalten.
Im Zeitalter von Web 2.0 sehnen Jugendliche sich in vielen
Lebensbereichen danach, mitzureden, mitzudenken und mitzugestalten.
Sie gehen nicht mehr als Konsumenten durchs Leben, sondern werden
allerorten gebeten, sich zu beteiligen; Produzenten und Konsumenten
gleichermaßen zu sein – in einem Wort: Prosumenten. Andererseits
sind sie dankbar für Grenzen und für einen Rahmen. Das ist eine große
Chance für das innovative SOLA-Konzept, beginnend bei den
Unterkünften.
Abhängig von den Kompetenzen, die die SOLA-Mitarbeiter zu Beginn
der Freizeit erworben hatten, sind wir einigermaßen einfach eingestiegen (Nurdachhäuser aus Planen im ersten Jahr, aber drumherum viel
gebaut). Jahr für Jahr haben wir uns gesteigert.
Dieses ist im voraus nicht planbar. Hier ist es wichtig, den Mitarbeitern
viel Kenntnisse zu vermitteln, sie herauszufordern, ihnen aber auf der
anderen Seite einen Rahmen zu geben, der ihnen Sicherheit vermittelt:
Jeder Mitarbeiter und jedes Zeltteam geht so weit, wie sie können.

 

 
7. SOLA 2011 bietet Raum, um Beziehungen zu leben, Glaubensrituale einzuüben und Konflikte gesund auszutragen.
6 Jugendliche und 2 Mitarbeiter bilden ein „Zelt“. Ein Mädchen- und ein Jungenzelt zusammen ergeben eine „Zeltfamilie“, die auch räumlich zusammengehört: gemeinsames Kochfeuer, gemeinsame Einfriedung, gemeinsame Essecke. Jedes Zelt hat eine Werkzeugkiste, für die die Jugendlichen verantwortlich sind, und eine Kochkiste. Gekocht wird manchmal in den Gruppen oder Familien. Meistens jedoch läuft die Verpflegung zentral in der großen Runde. Gekocht wird vom SOLA-Küchen-Team.

Reflection / background

Zur Reflexion finden Sie Anmerkungen bereits im Konzept.

Wichtige Literatur auf dem Weg zum Konzept waren (Auswahl):

  • Magnus Malm: Abschied von Babel (Stichwort Virtualisierung des Lebens)
  • Thomas Lang: Kinder brauchen Abenteuer
  • M. Spitzer: Vorsicht Bildschirm

General information on realization

Wir haben Wert darauf gelegt, dass sich eine eigene SOLA-Kultur bilden konnte. Daher wurden die Mitarbeiter auch nicht aus der üblichen jährlichen Zeltlager-Arbeit rekrutiert.

Weiter haben wir bei der Team-Zusammenstellung darauf Wert gelegt, vor allem zwei wichtige Kompetenzen im Team zu haben: 1. kommunikative Typen für den Umgang mit Jugendlichen 2. technisch versierte, die sich gut im Bauen der Häuser u. a. auskennen.

Anfang ist es ein hoher finanzielles Angehen, aber der innovative Aspekt hat uns bei der Materialanschaffung viele Türen bei Unterstützern (kirchliche und säkulare!) geöffnet. Mittlerweile (seit dem 3. Jahr) trägt sich SOLA selbst.

Preparation

Vier große Mitarbeitertreffen innerhalb von 8 Monaten, viele Arbeitsgruppen, ggf. Technik-Kurs (5 Tage).

Realization

siehe Anhang

Wrap up & follow-up actions

Jugendliche haben in den letzten Jahren selbst die Initiative ergriffen und sich in den Zeltgruppen oder Zeltfamilien wiederholt zu Hause verabredet. Durch die räumliche Nähe war eine gute Nacharbeit gut möglich.

Effect / experience

Im ersten Jahr von SOLA (2010) haben wir für Geldgeber eine Auswertung gemacht. Sie finden das Dokument im Anhang.

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