Pferdeflüstern - Menschenflüstern

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 11.09.2013
Letzte größere Änderung: 12.09.2013
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Jugendliche und Schule, Bildung und Unterricht, Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung, Schulnahe Jugendarbeit, Schulseelsorge
Gemeinden/Institutionen
Adolf-Reichwein-Schule in Neu Anspach und Religionspäd. Institut Gießen/Schulseelsorge der EKHN in Gießen
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: einige Wochen
Durchführung: 3 Tage
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Pferdeflüstern

Kurzbeschreibung

Dreitägiges Erlebnisprojekt mit Pferden für Kinder der Sek I: Selbstbewusstseinsstärkung, eindeutige Kommunikation mit Hilfe von Pferden lernen

Situation / Kontext

Reflexionstage der Schulseelsorgearbeit

Ziele

Das dreitägige Pferdeprojekt, trägt dazu bei, dass Kinder und Jugendliche gute Beziehungserfahrungen untereinander, mit den Begleitpersonen und mit Hilfe der Tiere machen können. Sie stärken im Umgang mit den Tieren ihr Selbstbewusstsein und lernen eine eindetige Kommunikation im Umgang mit den Tieren, die dann auch auf die menschliche Kommunikation übertragen werden kann. Dabei wird das natürliche Lebensumfeld der Tiere hautnah erlebt. Der rücksichtsvolle und respektvolle Umgang mit den Tieren und ihrem Lebensraum wird eingeübt und es werden zusätzlich Themen wie zum Beispiel „artgerechte Tierhaltung“, „artgerechter Umgang mit den Tieren“, "Bewahrung der Schöpfung" thematisiert.

Reflexion / Hintergrund

Drei Jahre lang haben wir im Rahmen der Schulseelsorgearbeit an der ARS Projekte mit Lamas und Kamelen durchgeführt (2005-2007), in denen wir lernen durften, wie bereichernd und lehrreich die tiergestützte Arbeit sein kann. Aufgrund der guten Erfahrungen haben wir ein Nachfolgeprojekt entwickelt, um die erfolgreiche tiergestützte Seelsorge an der ARS weiterzuführen.

Kooperationspartner ist ein Pferdehof, der u.a.nach dem Ansatz des natural horsemanship arbeitet. „Natural Horsemanship“ heißt zu deutsch etwa die vom Instinkt geleitete Gemeinschaft zwischen Mensch und Pferd. Dabei wird die Tatsache berücksichtigt, dass der Mensch, der ein Raubtier und Fleischfresser ist, dem Pferd, das ein Fluchttier und Grasfresser ist, als ein gefährlicher Feind erscheint. Diesem vom Instinkt geleiteten Gefühl wird mit Vertrauensübungen begegnet, die dem Pferd signalisieren, dass Menschen seine Freundschaft, seine Partnerschaft anstreben. Dazu wird  die von den Pferden praktizierte Körpersprache, die aus Streicheln, Schubsen und Vertreiben besteht, erlernt und benutzt. So wird in der Herde die Rangfrage geklärt, und wenn Menschen als ranghohe Tiere bei diesem Spiel mitspielen und die Spiele gewinnen, geht danach alles fast von selbst. Sobald das Pferd den Menschen als vertrauenswürdige und kompetente Wesen erkannt und anerkannt hat, beginnt es nahezu bedingungslos zu vertrauen. Der Schwerpunkt der Arbeit für unsere Reflexionstage liegt vorrangig bei der Bodenarbeit mit den Pferden und dem Erlernen der Kommunikation mit den Pferden und weniger auf dem Reiten selbst.

   

Warum Pferdeflüstern als Baustein evangelischer Schulseelsorge?

Mit dem Konzept der Reflexionstagungen / Tage der Orientierung sollen Möglichkeiten geschaffen werden, Bildungsprozesse ergänzend zum klassischen Unterricht anzustoßen, neue Lernformen und Methoden auszuprobieren und Kinder in ihrem Lebensalltag Unterstützung zu einem gelingenden Leben anzubieten  - das in möglichst vielfältiger Form.

Zu einem gelingenden Bildungsprozess und zu einem gelingenden Leben tragen gute Beziehungserfahrungen bei. In erster Linie  sind dies für uns Menschen die Beziehungserfahrungen untereinander, mit den Eltern, den Freundinnen und Freunden, den Lehrern, der Schulseelsorgerin und anderen Menschen unseres privaten und beruflichen bzw. schulischen Alltags. Jedoch tragen nach meinen Erfahrungen auch gute  Beziehungserlebnisse mit Tieren zu einem gelingenden Leben bei. Der Umgang mit Tieren fördert umfassend unser körperliches und emotionales Wohlbefinden.

Aus theologischer Sicht lässt sich sagen, dass die Beziehungen der Menschen untereinander eigentlich nicht trennbar sind von der Beziehung der Menschen zur Tier- und Pflanzenwelt, da alle zusammen Schöpfung Gottes sind. Für uns Menschen resultiert aus dieser Erkenntnis Verantwortung. Um diese Verantwortung verlässlich übernehmen zu können, muss zur Erkenntnis das Erleben hinzutreten, um wahres Erkennen zu werden (vgl. Albert Schweitzer, Die Ehrfurcht vor dem Leben).

In unserer heutigen Gesellschaft sind viele Menschen nicht mehr erlebensnah mit Tier und Natur verbunden, selbst die Kinder und Jugendlichen im ländlichen Kontext haben überraschenderweise entweder oft keine Gelegenheit, Tiere und Natur hautnah zu erleben, oder sie nehmen die Gelegenheit nicht wahr.  Die so genannten  Nutztiere leben in den seltensten Fällen im unmittelbaren Umfeld der Kinder und Jugendlichen und wer ein Haustier hat, erlebt auch nicht immer eine artgerechte Tierhaltung, denn unsere  so genannten Nutz- und  Haustiere werden oft für unsere eigenen menschlichen Bedürfnisse instrumentalisiert.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

  • Kooperationspartner suchen
  • Konzepterstellung
  • Lernmaterialien zusammenstellen

Durchführung

Auf dem Pferdehof ArhönA herrscht kein autoritärer Kommando-Ton, stattdessen Anschauungsunterricht im verantwortungsvollen und sorgsamen Umgang mit den Tieren. Durch gemeinschaftliche Erlebnisse wird das Gruppengefühl gestärkt. Der Umgang mit den Pferden fördert eine Schulung der Körperwahrnehmung, der nonverbalen Kommunikation und der motorischen Fähigkeiten sowie der Konzentrationsfähigkeit und der Aufmerksamkeit. Die Kinder lernen, für eigenes Verhalten die Verantwortung zu übernehmen.

Das Projekt ist für ca. 18 Schüler/innen aller Klassenstufen gedacht und umfasst drei Tage.

  

Es umfasst folgende Bausteine:

  • Reitunterricht nach dem Ansatz des „natural horsemanship“
  • Vertiefung des Gelernten durch Lehrvideo und Übungen, evtl. Photo-Feedback
  • Transferphasen, in denen die Erlebnisse mit den Pferden auf das zwischenmenschliche Miteinander übertragen werden
  • Gruppenphasen zu Grundlagen der menschlichen Kommunikation
  • Gruppenphasen mit spielerischen Elementen zum Thema Kommunikation / Körpersprache
  • Freizeit-Gruppenaktivitäten

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Nachtreffen mit den Teilnehmenden, gemeinsam Bilder und Videos anschauen

Wirkung / Erfahrung

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Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

    • Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger begleiten Menschen im Lebensraum Schule in unterschiedlichen Situationen. Die Schulseelsorge bereichert damit eine lebendige Schulkultur.
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