Schulklima mit SchülerInnen verändern

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a geistreich member
Created at: 2014-02-04
Last major update at: 2014-02-04
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Schulseelsorge
Institutions
Kirchenkreis Gotha in Gotha and Staatliche Kooperative Gesamtschule "Herzog Ernst" Gotha in Gotha
Keywords
Target audiences
Practitioners
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Execution: no information
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Abstract

Das Projekt ist ein Beratungsangebot, zu dem die SchülersprecherInnen der KGS vom „Team Beratung“ einmal monatlich eingeladen werden. Grundidee ist, den SchülerInnen die Teilhabe an Veränderungsprozessen im Schulleben zu ermöglichen.

Situation / context

Vor fünf Jahren begann der Schulpfarrer und Schulseelsorger Uwe Thinius „Kollegiale Beratung“ im Lehrerkollegium der Schule einmal monatlich anzubieten. Aus anfänglich sporadisch geführten Gesprächen mit einigen LehrerInnen und Beratung von einzelnen KollegInnen, in denen konflikthafte Anlässe fallbezogen von Herrn Thinius aufgenommen wurden, entwickelte sich eine kontinuierliche „Kollegiale Beratung“ in einem kleinen Kreis von KollegInnen.

  

Weitere Informationen: siehe auch Presseartikel in „Glaube+Heimat. Mitteldeutsche Kirchenzeitung“ vom 03.02.2012 

Goals

Verbesserung des Schulklimas durch:

  • Einbeziehung der SchülerInnen in den fallbezogenen Prozess der Beratung sowie der Lösungs- und Entscheidungsfindung in Konfliktsituationen
  • Stärkung des Selbstwertgefühls der SchülerInnen durch Verantwortungsübernahme und Selbstständigkeit
  • Umsetzung von Projekten und Vorhaben der SchülerInnen, mit denen sie zur Gestaltung des Schullebens beitragen

Positive Veränderungen im Zusammenleben von SchülerInnen und LehrerInnen (von Konfrontation hin zu Kooperation

Reflection / background

Uwe Thinius hat als Schulpfarrer und Religionspädagoge langjährige Erfahrung im Schulbereich. Er absolvierte berufsbegleitend eine Seelsorgeausbildung am Institut für Ganzheitliche Seelsorge am IGS e.V. in Geislingen. Auf diesem Hintergrund erweiterte sich seine Wahrnehmung von Kommunikations- und Entwicklungsprozessen im System Schule und der in ihr lebenden und agierenden SchülerInnen, LehrerInnen, des Schulpersonals wie auch der Eltern der SchülerInnen.

Er entwickelte Ideen, wie er im Bereich der Kommunikationsprozesse im System Schule unterstützende Impulse einbringen kann.

Als hilfreich erscheinen hier u.a. lösungs- und ressourcenorientierte Ansätze des systemischen Arbeitens in Seelsorge und Beratung. Darauf insistieren auch die aktuell diskutierten Grundlagenmodelle von Schulseelsorge u.a. bei Harmjan Dam [1] und Christoph- Schneider- Harpprecht [2]. 

Harmjan Dam macht in seinem Kompetenzmodell für Schulseelsorge deutlich, wie grundlegend zum einen die Einbindung schulseelsorglicher Arbeit in das System Schule mit seinem Bildungsauftrag ist. Zum anderen weist er darauf hin, dass der Kontext des klassischen Einzelgespräches in der Seelsorge hier eine signifikante Erweiterung erfährt hin zur Begleitung von Gruppen, Klassen und der Schulgemeinschaft. In diesem Zusammenhang werden solche Kompetenzen wie Beratung und Begleitung, Erziehung, Bildung und Vernetzung genannt. Dies unterstreicht den Gedanken, die Schule als ein Lern- und  Entwicklungsumfeld  von SchülerInnen in ihrer je individuellen Biografie, mit ihren sozialen Netzwerken in Schule und Familie und ihrer Einbindung in die Bildungsinstitution Schule zu verstehen. Dieses Lern- und Entwicklungsumfeld förderlich zu gestalten, sieht Harmjan Dam als eine Kernaufgabe der Schulseelsorge an.

Christoph Schneider Harpprecht nimmt den aus der amerikanischen Seelsorgearbeit kommenden Begriff der „caring community“ auf, in dem er den Blick auf Bildung und Schule als soziales Geschehen richtet und entwickelt das Konzept von Schulseelsorge mit diesem Ansatz. Unter dem Gesichtspunkt von „care“, von sorgender, fürsorglicher, fördernder und unterstützender Gestaltung von Beziehungen zwischen Einzelnen in Gruppen, in der Schulgemeinschaft“ könnte diese als eine „caring community“ beschrieben werden. Schulseelsorge, so Schneider- Harpprecht, verstehe sich als Teil einer „caring community“ an der Schule „und hat als Ziel, durch beratendes und begleitendes Handeln dazu beizutragen.

Mit dem hier vorgestellten  Beratungsangebot von Uwe Thinius wird Schulseelsorge ein Teil der Schulgemeinschaft als einer „caring community“, in der die SchülerInnen und LehrerInnen gegenseitig aufeinander achten und persönliche Entwicklungen ermöglichen. Dies geschieht vor allem durch begleitendes, beratendes und reflektierendes Handeln der an der Schulgemeinschaft Beteiligten. „Care“ ist christlich verstanden Hilfe zur Lebensgestaltung im Kontext der Schulgemeinschaft.

   

  • [1] Dr. Harmjan Dam,  Welche Kompetenzen werden für Schulseelsorge gebraucht? In: Religion im Schulleben. Christliche Präsenz nicht allein im Religionsunterricht. Hg. Bernd Schröder. Neukirchener Verlagshaus Neukirchen 2006. S. 37 – 50.
  • [2] Prof. Dr. Christoph Schneider- Harpprecht, Warum machen wir als Kirche Schulseelsorge?  In: Bildung und Religionsunterricht, Jahrbuch für kirchliche Bildungsarbeit, Bd.5. Hg. Hartmut Rupp und Christoph Scheilke. Calver Verlag Stuttgart 2011

 

General information on realization

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Preparation

Aus der kollegialen Beratung (s. Situation/Kontext) heraus kam die weiterführende Idee, auch zusammen mit Schülerinnen und Schülern, die Konflikte, Auseinandersetzungen und Probleme zu thematisieren, die im Schullalltag da sind, und die bisher nur auf der Ebene der LehrerInnen beraten wurden. Für diese Idee konnte Herrn Thinius auch die Beratungslehrerin Jana Hofmann gewinnen.

Realization

Beide arbeiten jetzt an der Schule im „Team Beratung“ zusammen mit zwei weiteren KollegInnen in kontinuierlicher Abstimmung mit der Schulleitung. Methodisch arbeitet das „Team Beratung“ mit dem Modell der “kollegialen Beratung“ und des „Reflecting Teams“.

Hier können die Themen und konkreten Fallsituationen eingebracht werden, die bei den SchülersprecherInnen „oben auf liegen“. Das „Team Beratung“ moderiert beratend diese Gespräche, deren Ziele darin bestehen Lösungen zu finden, die den Schulalltag verändern.

Dieses neu entwickelte Angebot vom „Team Beratung“ nutzen seit zwei Jahren KlassensprecherInnen aller Klassenstufen. Sie bringen abhängig von Alter und Klassenstufe unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ein. Dabei profitieren sie von den Erfahrungen und Vorschlägen ihrer Mitschüler/innen.

Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

  • Uwe Thinius: „Wir beobachten bei unseren SchülerInnen ein verändertes Selbstbewusstsein, weil sie die Erfahrung machen können, aktiv und engagiert die Prozesse in unserer Schule mitzubestimmen. Dabei entwickeln sie zunehmend eigenständige Lösungsansätze.“
  • Hohe Akzeptanz der Arbeit des „Team Beratung“ in der Schulgemeinschaft und  durch die Schulleitung
  • Einrichtung eines „Beratungsraumes“, der von SchülerInnen und LehrerInnen gemeinsam genutzt werden kann als Ergebnis eines Schülerprojektes an der KGS
  • Berichterstattung über diese Arbeit in einem Artikel der kirchlichen Presse (siehe: Dokumentation „Schulseelsorge in der EKM“, S. 27)
  • Vorstellung des Projektes mit einem Praxis-Workshop auf der Jahrestagung des PT I “Puls der Zeit“ am 26.04.2012 und auf dem ersten Fachtag „Schulseelsorge in der EKM“ am 13.07.2012 in Bernburg
  • Vorstellung der Schulseelsorgearbeit auf der Herbsttagung 2012 der Kreissynode  des Kirchenkreises Gotha mit positiven Rückmeldungen dazu  
  • Weiterentwicklung des eigenen Schulseelsorgekonzeptes in Auseinandersetzung mit der Debatte um aktuelle Schulseelsorgekonzepte

  

Gespräche mit Superintendenten und Schulbeauftragten über Rahmenbedingungen der konkreten Schulseelsorgearbeit sind von positiver Aufgeschlossenheit demgegenüber geprägt. Die Auftragserteilung und Finanzierung ist derzeit langfristig nicht gesichert.

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