Wandelbar - Pilgern zur Neuorientierung in der Lebensmitte

Author
a geistreich member
Created at: 2014-04-04
Last major update at: 2014-04-04
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Pilgern, Seelsorge
Institutions
Evangelisches Forum Annahof in Augsburg, Evangelische Stadtakademie München in München, and Lacrima - Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in München
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: 3 Tage bzw. 5 Tage
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Pilgernde

Abstract

(als Modellprojekt von der EKD ausgewähltes Projekt)

 
Sich mit Menschen, die zwischen 35 und 55 sind und sich in einer persönlichen Umbruchssituation oder auf der Suche befinden, auf den Jakobsweg zu machen, bringt viel in äußere und innere Bewegung und kann Entscheidungen erleichtern.

Situation / context

Von See zu See (Bodensee bis Zürichsee) auf dem Jakobsweg durch die Schweiz zu pilgern,  sich mit Menschen, die ebenfalls in einer Umbruchsituation sind (berufliche Neuorientierung, neue Beziehungsgestaltung, Sinn- oder Gottsuche), auf den Weg machen, sich gegenseitig zu bereichern, mit neuen Ideen nach Hause zu kommen ist die Idee dieses seelsorgerlichen Pilgerangebotes.

Pilgern in besonderen Lebenssituationen und Lebensphasen: Wandelbar - Pilgern zur Neuorientierung in der Lebensmitte

Goals

Nach fünf Tagen haben die Pilgernden Ideen erlaufen, wie sie ihren Lebensweg in Zukunft gestalten könnten.

Reflection / background

Pilgern heißt nicht nur, sich auf den Weg zu einem heiligen Ort zu machen oder spirituell zu wandern. Pilgern heißt auch, die Komfortzone zu verlassen: jeden Tag zu gehen, bei uns bis zu 32 Kilometer, dabei sein äußeres wie inneres Gepäck tragen, kein Einzelzimmer zu haben, sondern in Gemeinschaftszimmern von Klöstern und Pilgerherbergen zu schlafen – all das bedeutet, an Grenzen zu geraten. So wie im richtigen Leben – denn die Umbruchssituation, in der man sich befindet, hat ja gezeigt, dass es wie bisher nicht weitergehen kann.

Gut, dass man dabei nicht allein ist: es sind ja die anderen dabei, die ebenfalls nach neuer Orientierung suchen.  Und es gibt PilgerbegleiterInnen, Coaches oder systemische BeraterInnen, mit denen immer wieder wertvolle Gespräche geführt werden können. Spirituelle und biographische Impulse, Zeiten des Schweigens und abendliche Reflexionsrunden bereichern den Weg.

General information on realization

Die Anbieter dieses Projektes müssen selbst Pilgererfahrung haben, im Umgang mit Gruppen geübt sein und eine seelsorgerliche oder beratende Ausbildung haben. Körperliche Fitness und mentale Stärke sind ebenfalls nötig.

Preparation

Um den Weg mit einer Gruppe gehen zu können, muss man ihn vorher selbst abgelaufen sein. Nicht nur um den Charakter und die Wegführung zu kennen. Die Unterkünfte, Pausenplätze, Toiletten, Einkaufsmöglichkeiten müssen entdeckt werden. Fast alles am Wegesrand lässt sich zu einem spirituellen oder biographischen Impuls nutzen: Kirchen und Kapellen, Brücken, abgesägte Bäume, Ruinen, Wegweiser, besondere Naturcharakteristik.

Ein Vortreffen, bei dem sich die Teilnehmenden kennenlernen und alle Informationen zu Weg und Gepäck auszutauschen ist etwa zwei bis vier Wochen vorher sehr sinnvoll.

Realization

Es empfiehlt sich, eine thematisch und emotional intensive Gruppe nicht allein, sondern mit einem Team zu begleiten. Die Spontaneität, die Offenheit, die das Pilgern normalerweise auszeichnet, muss in diesem Fall zu Gunsten des inneren Prozesses minimiert werden. Gute und solide Planung ist nötig, Gelegenheiten zur Improvisation gibt es unterwegs dennoch genug.

Eine Pilgerreise über mehrere Tage löst erfahrungsgemäß intensivere und tiefere Prozesse aus. Je länger man unterwegs ist, desto weniger muss man selbst anstoßen. Bei einem Tag sind vermutlich vier bis fünf Impulse sinnvoll, bei vier Tagen (unserer Lieblingsdauer), genügen ein bis zwei am Tag. Denn es geschieht durch den Weg, die Gruppe, die Körperlichkeit von allein genug.

Bei einer viertägigen Reise hat es sich als wertvoll herausgestellt, die Tage thematisch zu strukturieren: 1. Tag: Gegenwart – wo stehe und gehe ich gerade; 2. Tag: Vergangenheit – wie kam ich dahin, wo ich bin; 3. Tag: Zukunft – wohin könnte mein Weg führen; 4. Tag: wie kann ich das, was ich über mich in den letzten Tagen erfahren habe, in den Alltag mitnehmen?

  

Näheres finden Sie unten im angehängten Flyer.

 

  

  

Wrap up & follow-up actions

Oft wünschen die Gruppen ein Nachtreffen, um die entstandenen Kontakte und Freundschaften zu pflegen. Namen- und Adresslisten können helfen (das Einverständnis der Teilnehmenden vorausgesetzt). Welche Wirkung die Pilgertage erzielt haben, kann auch mit Hilfe eines Feedbackbogens erfragt werden.

Effect / experience

Der Umgang mit körperlichen und seelischen Grenzen auf dem Weg wird zum Spiegel, zur eigenen Grenzerfahrung durch die Konfrontation mit dem Lebensumbruch. Doch die Erfahrung, dass es dennoch Tag für Tag immer wieder weiter geht, macht Mut, auch im Alltag wieder Tag für Tag weiter zu gehen und vielleicht eine neue Zukunft zu beginnen. Auch der „Werkzeugkasten“, der mir in meiner ersten Lebenshälfte gut gedient hat, wird unterwegs überprüft. Unbrauchbare Glaubenssätze und Vorgehensweisen, Handlungsmuster werden identifiziert und können so abgelegt  werden.

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