Gedenkandacht im Seniorenheim

Author
a geistreich member
Created at: 2014-04-09
Last major update at: 2014-04-09
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Bestattung, Gedenkgottesdienst
Institutions
Ev.-luth. Johannes-Servatius-Kirchengemeinde Pöhlde in Herzberg
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: no information
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Gedenkandacht im Seniorenheim

Abstract

Nach dem Tod einer Bewohnerin/eines Bewohners werden die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, das Personal und die Angehörigen zu einem aktiven Abschiednahmen in das Seniorenheim eingeladen.

Situation / context

Wir sind eine Gemeinde im ländlichen Raum, mit einer zunehmenden Anzahl von Seniorinnen und Senioren. Einige leben in Seniorenheimen, ein Haus steht in Pöhlde. Hier sind Bindungen zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern, und zwischen den Mitarbeitenden des Hauses, sowie den Angehörigen entstanden. Zu der Beerdigung auf dem Friedhof können die meisten nicht mehr hin.

Goals

Das Ziel ist, alle Betroffenen ein Abschiednehmen von dem / der Verstorbenen zu ermöglichen. In der Regel verschwindet jemand mit dem Rod aus dem Haus, der Platz bleibt leer und trauern wird ziellos. Der Trauer Raum geben, plastisch durch den Raum, im übertragenen Sinne durch Lesungen, Gebete, Lieder.

Besonders wichtig ist, dass der, die Verstorbene über Bilder aus Lebenssituationen im Seniorenheim noch einmal im Mittelpunkt steht. In der Andacht haben alle die Chance, Begegnungen mit ihr/mit ihm zu erzählen. Kaffee und Kuchen hinterher lenken zum normalen Seniorenheim Rhythmus zurück

Reflection / background

War man noch in den eigenen 4-Wänden, konnten die Trauerfeiern für Freunde und Bekannte besucht werden. Dies ist bei uns noch Tradition. Entweder geht man aus eigener Betroffenheit mit, oder weil es sich gehört. Dies ist im Seniorenheim nicht mehr möglich. Die entstandene Vertrautheit wird zerrissen und endet praktisch im Nichts. Gerade wenn der Bewegungsradius eingeschränkt ist, und die Zahl der Kommunikationsmöglichkeiten gering, ist jeder wichtig. Es ist kein Zielpunkt der Gefühle vorhanden, und der andere Tod stellt häufig die –ungewollte Frage- nach dem eigenen Tod.

General information on realization

In Absprache mit Frau Hildegard Schneider vom Begleitenden Dienst des Hauses und den Angehörigen wird ein Termin abgesprochen, der es allen erlaubt, daran teilzunehmen, und der kurz vor dem üblichen Kaffeetrinken liegt.

Preparation

Am Tag des Todes bzw. Bekanntgabe des Todes eines Bewohners wird durch Frau Schneider ein „Trauertisch“ gut sichtbar in den Eingang gestellt. Auf ihm befinden sich das Kondolenzbuch, ein Kreuz, eine elektrische Kerze, und vielleicht ein persönlicher kleiner Gegenstand des Verstorbenen. Mit den Bewohnern wird der Kondolenzspruch ausgesucht, der gleichzeitig auch für die Trauerkarte genommen wird. Ein Lied wird gesungen (häufig: So nimm den meine Hände) Dazu ein Lieblingslied des Verstorbenen. Ein Foto des Verstorbenen wird von den Bewohnern ins Kondolenzbuch geklebt, der Spruch kommt über das Foto, unter das Foto kommen Geburts- und Sterbetag. Durch das Lied haben die Bewohner erst einmal ihre Trauer ausgesungen. Sie haben nicht so dass Gefühl, allein mit der Trauer zu sein. Durch das Aussuchen, das Ausfüllen des Buches und der Karte entsteht eine gewisse Selbständigkeit, ein Recht des Mittrauerns entsteht. Es entsteht das Gefühl: Niemand wird vergessen, und wenn ich mal sterbe, denken die anderen auch an mich. Dann wird der Termin mit den Angehörigen und Frau Schneider vom Pastor vereinbart. Der Raum im Seniorenheim wird durch Frau Schneider vorbereitet. Sie legt auch Fotos des/der Verstorbenen aus. Der Inhalt der –kurzen- Ansprache stammt aus der Trauerfeier, bzw. Infos durch Frau Schneider speziell auf das Leben im Haus. Kaffee und Kuchen wird durch das Haus gestellt, oder von den Angehörigen besorgt

Realization

An einem Nachmittag wird Gedenkandacht vorbereitet. Sie orientiert sich im Wesentlichen an der Agende, es werden auch Lieder gesungen. Die Ansprache besteht nur aus wenigen Details, um den Anwesenden Zeit zu eigenen Statements zu geben. So kann sich deren Trauer lösen, und die noch offenen Begegnungen geschlossen werden. Alle erfahren auch: Wenn ich einmal tot bin, verschwinde ich nicht bloß, sondern man denkt hier im Haus noch einmal an mich. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen. Danach wird der „Trauertisch“ abgeräumt.

Wrap up & follow-up actions

Es gibt zahlreiche Besprechungen und Reflexionen der kirchlichen Arbeit im Seniorenheim. Hier geht es darum, die Projekte immer wieder den Gegebenheiten des Hauses, bei denen die Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner im Mittelpunkt stehen, anzupassen.

Effect / experience

Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige werden in ihrer Trauer begleitet. Abschied wird möglich, niemand verschwindet einfach. Die Trauer wird ernst genommen, Beziehungen können beendet werden. Der Tod wird menschlicher, die Beziehung zum Pastor intensiver (lang anhaltender Händedruck und Augen Blicke bei der Verabschiedung).

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