Pilgern in Lebenssituationen: gehen – trauern - wandeln

Author
a geistreich member
Created at: 2014-04-15
Last major update at: 2014-04-15
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Bestattung, Gedenkgottesdienst, Pilgern
Institutions
Evangelisches Forum Annahof in Augsburg, Evangelische Stadtakademie München in München, and Lacrima - Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in München
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: no information
Votes
one vote
Comments to the document
Pilgernde

Abstract

(als Modellprojekt von der EKD ausgewähltes Projekt)


Sich mit Menschen, die einen geliebten Menschen durch Tod verloren haben, auf den Jakobsweg zu machen, bringt viel in äußere und innere Bewegung.

Situation / context

Nicht im fernen Spanien, sondern an dem Ort, an dem die Trauer sitzt, loslaufen und sich mit Menschen, die einen verstehen, auf den Jakobsweg machen, bricht verkrustete, überschüttete oder auch noch frische Trauer auf und ermöglicht eine Integration ins Leben.

Goals

Nach fünf Tagen haben die Pilgernden eine Idee, wie sie die Trauer als wichtige Energie in ihr Leben integrieren und sie besser verarbeiten können.

Reflection / background

Pilgern heißt nicht nur, sich auf den Weg zu einem heiligen Ort zu machen oder spirituell zu wandern. Pilgern heißt auch, die Komfortzone zu verlassen: jeden Tag zu gehen, bei uns bis zu 28 Kilometer, dabei sein äußeres wie inneres Gepäck tragen, kein Einzelzimmer zu haben, sondern in Gemeinschaftszimmern von Klöstern und Pilgerherbergen zu schlafen – all das bedeutet, an Grenzen zu geraten. Gut, dass man das nicht allein tut: es sind ja die anderen dabei, die unter der Last des gleichen Schicksals leiden. Und es gibt Pilger- und TrauerbegleiterInnen, mit denen immer wieder wertvolle Gespräche geführt werden können. Spirituelle und biographische Impulse, Zeiten des Schweigens und abendliche Reflexionsrunden bereichern den Weg.

General information on realization

Die Anbieter dieses Projektes müssen selbst Pilgererfahrung haben, im Umgang mit Gruppen geübt sein und eine Trauerbegleiterausbildung haben. Körperliche Fitness und mentale Stärke sind ebenfalls nötig.

Preparation

Um den Weg mit einer Gruppe gehen zu können, muss man ihn vorher selbst abgelaufen sein. Nicht nur um den Charakter und die Wegführung zu kennen. Die Unterkünfte, Pausenplätze, Toiletten, Einkaufsmöglichkeiten müssen entdeckt werden. Fast alles am Wegesrand lässt sich zu einem spirituellen oder biographischen Impuls nutzen: Kirchen und Kapellen, Brücken, abgesägte Bäume, Ruinen, Wegweiser, besondere Naturcharakteristik.

Ein Vortreffen, bei dem sich die Teilnehmenden kennenlernen und alle Informationen zu Weg und Gepäck auszutauschen ist etwa zwei bis vier Wochen vorher sehr sinnvoll.

Realization

Es empfiehlt sich, eine thematisch und emotional intensive Gruppe nicht allein, sondern mit einem Team zu begleiten. Die Spontaneität, die Offenheit, die das Pilgern normalerweise auszeichnet, muss in diesem Fall zu Gunsten des inneren Prozesses minimiert werden. Gute und solide Planung ist nötig, Gelegenheiten zur Improvisation gibt es unterwegs dennoch genug.

Eine Pilgerreise über mehrere Tage löst erfahrungsgemäß intensivere und tiefere Prozesse aus. Je länger man unterwegs ist, desto weniger muss man selbst anstoßen. Bei einem Tag sind vermutlich vier bis fünf Impulse sinnvoll, bei fünf Tagen (unserer Lieblingsdauer), genügen ein bis zwei am Tag. Denn es geschieht durch den Weg, die Gruppe, die Körperlichkeit von allein genug.

Wrap up & follow-up actions

Oft wünschen die Gruppen ein Nachtreffen, um die entstandenen Kontakte und Freundschaften zu pflegen. Namen- und Adresslisten können helfen (das Einverständnis der Teilnehmenden vorausgesetzt). Welche Wirkung die Pilgertage erzielt haben, kann auch mit Hilfe eines Feedbackbogens erfragt werden.

Effect / experience

„Wenn ich gewusst hätte, worauf ich mich einlasse, hätte ich mich nicht angemeldet – und nun bin ich so froh, dabei gewesen zu sein!“, so eine Teilnehmerin. Der Umgang mit körperlichen und seelischen Grenzen auf dem Weg wird zum Spiegel zur eigenen Grenzerfahrung durch die Konfrontation mit dem Tod. Durch die Erfahrung, dass es dennoch Tag für Tag immer wieder weiter geht, macht Mut, auch im Alltag wieder Tag für Tag weiter zu gehen und Lebensmut zu schöpfen.

Adopted and refined

    Connected content

    • Thumb_article-default-image
      Fortsetzung der erfolgreichen Tour im September 2013.
      This article is visible for all internet-users.
      from a Geistreich-member
    • Samstagspilgern
      Going on a pilgrimage and pilgrimage routes - a holistic kind of piety.
      This article is visible for all internet-users.
      from a Geistreich-memberTranslator: a geistreich member

    geistreich video

    Hide Video