"Stolpersteine" im Kirchenkreis Berlin-Steglitz

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Created at: 2014-05-08
Last major update at: 2014-05-08
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung, Jugendliche und Schule, Gemeinwesen
Institutions
Kirchenkreis Steglitz
Keywords
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Verlegung Stolperstein für Hugo Bettmann

Abstract

Pflastersteine mit beschrifteten Messingtafeln erinnern an Wohnorte der Opfer des Nationalsozialismus. In Berlin-Steglitz kümmert sich der Kirchenkreis um die Verlegung der Kirchenkreise.

Situation / context

Sie wirken klein und unscheinbar, aber sie halten die Erinnerung wach - Pflastersteine mit beschrifteten Messingtafeln, die in den Bürgersteig eingelassen sind.  Als „Stolpersteine“ erinnern sie Passanten an die Wohnorte von Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Die Idee zu diesen Gedenksteinen hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig. Seit langem setzt er sich dafür ein, genau an den Orten an Vertreibung und Vernichtung zu erinnern, wo sie ihren Ausgangspunkt nahmen - nämlich mitten unter uns.

Demnigs Idee findet immer mehr Zuspruch. Inzwischen sind von ihm europaweit an die 45.000 Steine verlegt worden. 5.000 sind es in Berlin.Verlegung 1. Quelle: Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Steglitz

Goals

Es ist ein zentrales jüdisch-christliches Anliegen, der Toten zu gedenken, ihnen ein Gesicht zu geben oder wieder zu geben.

Reflection / background

Chronik des Projekts Stolpersteine

  • 1992 Köln. Am 50. Jahrestag des Befehls zur Deportation der Sinti und Roma lässt der Künstler Gunter Demnig einen ersten Stein vor dem Historischen Rathaus in das Pflaster ein.
  • 1993 Köln. Bei der Errichtung eines Mahnmals für Sinti und Roma ruft eine Zeitzeugin: “Hier bei uns haben doch nie Zigeuner gewohnt.”
  • 1994 Köln. Eine erste Ausstellung von 250 Steinen erfolgt in der Ev. Antoniterkirche.
  • 1996 Berlin. Im Rahmen der Ausstellung „Künstler forschen nach Auschwitz“ verlegt Gunter Demnig 55 Stolpersteine ohne Genehmigung in der Oranienstraße in Kreuzberg.
  • 2000 Berlin/Köln. Stolpersteine werden in großer Zahl genehmigt. In Folge gründen sich mehrere Initiativen bundesweit.
  • 2005 Berlin Steglitz-Zehlendorf. Im Juni wird der erste Steglitzer Stolperstein für das Ehepaar Arthur und Rosa Goldstein in der Kyllmannstraße verlegt. Im Dezember folgt der erste auf Zehlendorfer Seite für den Kinderarzt Dr. Fritz Demuth in der Onkel-Tom-Straße.
  • 2006 Berlin. Der Senat unterstützt die Schaffung einer Koordinierungsstelle Stolpersteine in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

General information on realization

Die beiden Teile des Bezirks Steglitz-Zehlendorf gehören zu zwei Kirchenkreisen. Der südwestliche Stadtbezirk ist der einzige von zwölf in Berlin, bei dem die Stolpersteinarbeit in kirchlicher Hand liegt.Verlegung 2. Quelle: Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Steglitz

Preparation

Entstehung des Projektes Stolpersteine im Kirchenkreis Steglitz:

  • 2005 durch ein Gemeindeglied der Johannes-Gemeinde (Dr. Hildegard Frisius), das anlässlich der 90-Jahr-Feier der Kirche anregte, in der Nachbarschaft nach jüdischen Opfern des Nationalsozialismus zu forschen. Später bat der landeskirchliche Arbeitskreis „Christen jüdischer Herkunft“ um Hilfe, in den Taufbüchern nach getauften Juden zu forschen. Dr. Frisius half interessierten Gemeinden des Kirchenkreises über Jahre bei den Nachforschungen für Stolpersteinverlegungen.
  • 2008 richtete der damalige Superintendent das Netzwerk Erinnerungskultur auf Kirchenkreisebene ein, um dem Thema eine höhere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die vielfältigen Initiativen zu verbinden und die Gemeinden anzuregen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Realization

Seit 2011 ist die Pfarrerin und Historikerin Dr. Katrin Rudolph Vorsitzende des Netzwerks Erinnerungskultur. Sie ist dafür vom Kirchenkreis Steglitz beauftragt, denn „Erinnern heißt leben“. Es ist ein zentrales jüdisch-christliches Anliegen, der Toten zu gedenken, ihnen ein Gesicht zu geben oder wieder zu geben.
Im Netzwerk Erinnerungskultur sind rund 15 Interessengruppen vetreten. Jährlich finden zwei bis drei Stolpersteinverlegungen - in der Regel Mehrfachverlegungen - statt.

Am 11. November 2013 wurde eine ökumenische Gedenkveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Stadtbezirk anlässlich des 75. Jahrestages der November-Pogrome ausgerichtet.

 

Wrap up & follow-up actions

Darüber hinaus organisieren Jugendmitarbeiter unter der Leitung von Dr. Rudolph jährlich einen Gottesdienst zum Holocaust-Gedenktag.

Effect / experience

Rund 240 Stolpersteine sind im Bezirk Steglitz-Zehlendorf verlegt worden.
Das Thema Stolpersteinarbeit hat in Berlin eine recht große Resonanz. So kommt es, dass immer mehr interessierte Bürger anfragen, ob in ihrem Wohnbereich Opfer des Nationalsozialismus (Juden, Euthanasie-Opfer, Widerstandskämpfer) gelebt haben. Sie erhalten verschiedene Angebote, sich mit Recherche, finanzieller Unterstützung oder einer Pflegepatenschaft einzubringen.

Verlegung 3. Quelle: Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Steglitz

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