Freiräume - Kunst in der Justizvollzugsanstalt

Author
2 Geistreich-members
Created at: 2015-03-26
Last major update at: 2015-04-01
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Bildende Kunst und Ausstellungen, Sonderseelsorge
Institutions
Evangelische Seelsorge an der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe und Rastatt in Karlsruhe and Katholische Gefängnisseelsorge an der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe in Karlsruhe
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: 3 Nachmittage
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Abstract

Inspiriert durch Werke der Karlsruher Künstlerin Éva Balogh und unter ihrer Anleitung haben Gefangene selbst Kunst geschaffen – und so einen neuen Blick auf ihr Leben geworfen.

Situation / context

Die Situation im Gefängnis ist in besonderer Weise belastend. Die Gefangenen hadern mit ihrem Schicksal, leiden an der Trennung von Frau und Familie. Der Tag ist genau reglementiert, nahezu alles ist vorgegeben. Von den Insassen wird erwartet, dass sie sich möglichst geräuschlos in die strenge Ordnung einfügen.

Goals

Die künstlerische Beschäftigung gibt den Gefängnisinsassen die Möglichkeit, neue Seiten an sich zu entdecken. Zudem stößt sie einen neuen Blick auf das eigene Leben an.

Reflection / background

Die Künstlerin Éva Balogh sieht ihre Werke nicht nur als Dekoration, sondern möchte mit ihnen etwas anstoßen. Bereits vor dem Projekt hatte sie ein Triptychon für die Kapelle der JVA geschaffen.

General information on realization

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Preparation

Es waren Absprachen zwischen der Künstlerin und den Gefängnisseelsorgern notwendig.

Realization

Die Gefangenen gestalteten jeweils in Gruppen eine Säule. Es sind drei Collagen entstanden.

  • „Zeig mir deine Wunde": so lautet, in Anlehnung an Joseph Beuys, das Leitwort für diese erste Säule. Eva Balogh hat den Satz aus ihrem Altartriptychon für die Gefängniskapelle  sowie aus dem Gemälde „Der gebeugte Mensch" entwickelt. Die Gefangenen haben sich von diesem Satz inspirieren lassen und Ihre erste Säule gestaltet. Beim Stichwort „Wunde" ist ihnen vor allem ihre eigene derzeitige Situation eingefallen. „Wir sind in der Hölle", hat einer formuliert. „Wut", „Enttäuschung" schreibt ein anderer. Fast schon biblisch das Wort vom „Jammertal", das ein anderer gefunden hat. Es passt zu dieser traurigen Stimmung, dass die erste Säule als Collage (so genanntes „Cutup") aus Zeitungsausschnitten besteht: Es dominiert (Drucker-)Schwärze.

  • Eine zweite Gruppe von Gefangenen gestaltete die zweite Säule.

    Es ist die „Säule der Vergebung". Die Gefangenen wurden gebeten, Gedanken zu dem Wort „Vergebung" aufzuschreiben. Einer stellte eine Entwicklung dar. Er ordnete der Vergangenheit die Begriffe Wut, Schmerz, Trauer und Hass zu. Zur Zukunft fiel Ihm Sehnsucht, Glück und Zufriedenheit ein. Die Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Zukunft war die Vergebung. Ein anderer malte an die Säule: „Ich lieb' dich trotzdem."

  • "Säule der Hoffnung" heißt die dem Osterfest zugeordnete Stele. Die unsichtbare Kraft, den neuen Geist, den sich die Gefangenen für ihr Leben wünschen, haben sie im Symbol der Taube sichtbar gemacht und an die Säule geheftet. Die Blätter, aus denen die Tauben gefaltet sind, wurden zuvor beschriftet.

    Zu den Themen "Schuld", "Vergebung" und "Hoffnung" gab es vorher meditative Einführungen mit Bibeltexten durch die Gefängnisseelsorger. Dabei entwickelten sich intensive Gespräche, auch mit der Künstlerin und unter den Gefangenen. 


Wrap up & follow-up actions

Die Gefängnisseelsorger sowie der Journalist Stephan Langer (Konradsblatt) haben zu den drei Säulen Meditationen geschrieben, die Sie im Flyer unten in der Sammelmappe finden.

Effect / experience

Die Teilnehmenden blickten mit Stolz auf ihre Ergebnisse.

Adopted and refined

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