Ungefragt JA gesagt

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a geistreich member
Created at: 2018-11-25
Last major update at: 2018-11-25
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Alternative Gottesdienste
Institutions
Ev. Kirche der Pfalz in Speyer
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Preparation: no information
Execution: no information
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Abstract

Adventsgottesdienst zum Thema der Angekünigung der Geburt Jesu mit Maria als zentraler Person

Situation / context

Unsere "Gottesdienste - einmal anders" in unserer dörflichen Gemeinde werden von einem Team vorbereitet und gestaltet.
Neben dem Einsatz neueren Liedguts, begleitet am Klavier, Beamerprojektionen über den gesamten Gottesdienst und Elementen wie Anspiele, Interviews usw. versuchen wir in einer unüblichen Sprache an den Alltag der Menschen anzuknüpfen, den Besuchern aber auch ganz gezielt einen alltagstauglichen Glauben zu vermitteln.

Goals

s.o.

Reflection / background

s.o.

General information on realization

Wir beginnen mit dem traditionellen Adventslied "Macht hoch die Tür", der Lesung von Psalm 24 und einem Gebet in moderner Sprache.

In einem Anspiel diskutieren dann ein "Oberkirchenrat" und seine Sekretärin über ihre Demut und Unterwürfigkeit bzw. ihre Stärke und Freiheit.

Die Abschnitte des Anspiels werden unterbrochen von Musikstücken.

Am Ende des Gottesdienstes können die Besucher bei Kaffee und Gebäck noch etwas verweilen und ins Gespräch miteinander kommen.

Am Ausgang erhalten Sie eine "JA"-Karte mit der künstlerischen Gestaltung von Siegmar Rehorn, Mainz.

Preparation

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Realization

Ungefragt JA gesagt        
Eine Adventspredigt über Lukas 1, 26-56

Man stelle sich das einmal vor: Da sitzt eine junge Frau entspannt und auf ihre Hausarbeit konzentriert, ein fremder Mann kommt die Tür herein und sagt - ich formuliere es mal, wie unsere Vorfahren vor 200 Jahren das noch ausgedrückt haben (Der Vers stammt aus einer alten Lutherbibel):

"Gegrüßet seist du, Holdselige,
der Herr ist mit Dir, du Gebenedeyte unter den Weibern!"

Da soll man nicht erschrecken über so eine Begrüßung! Ja, was ist das denn? Was will der denn von mir? Was führt der denn im Schilde? Ich will doch nichts von dem. Und von mir braucht der auch nichts zu erwarten!

Doch unbeirrt fährt der Fremde fort:

"Keine Angst, Maria, fürchte dich nicht. Du hast Gnade bei Gott gefunden!"

Der Mann spricht in Rätseln. Ja, ich bin eine gottesfürchtige Frau. Ich glaube und vertraue fest auf den Gott unserer Väter Abraham, Isaak und Jakob, der Gott Davids, unseres großen Königs, mit dem ich und mein Verlobter Josef sogar verwandt sind.

Ich glaube an die Worte unserer Propheten, wie der Prophet Jesaja, der unserem Volk verheißen hat, dass der Friedefürst kommen wird. Oder der Prophet Daniel, der uns das Kommen des Menschensohns verkündet hat.

Ich, ich habe Gnade vor Gott gefunden? Heißt das, Gott will mich beschenken? Unverdientermaßen? Was will Gott von mir?

"Maria, du wirst schwanger werden! Du wirst einen Sohn bekommen!"

Ja, ehrlich? Natürlich, demnächst werde ich ihn heiraten, meinen Josef. Und dann werden sich wohl auch Kinder bei uns einstellen. Das ist der natürliche Lauf! Und ich freu mich drauf!

Was, nein! Jetzt schon soll ich schwanger werden? Von was denn?
Nein, nein, ich werde als ehrbare Frau in die Ehe gehen!
Josef und ich waren immer anständig!

Schwanger vom Heiligen Geist, wie soll das denn gehen?
Und wie soll ich das denn Josef, meinem Verlobten, erklären?
Und meiner ehrbaren Familie, den Verwandten, dem ganzen Dorf?

 

Nein, ein nein hören wir da nicht aus dem Mund der jungen Maria!
Kaum ein Widerspruch - eine kurze Bedenkzeit, das muss ja auch erst einmal verstanden werden, was da so überraschend daher kommt.

"Du hast Gnade gefunden bei Gott! Jesus sollst du ihn nennen, deinen Sohn. Der Christus soll er werden für dein Volk, der Messias, auf den ihr schon so lange gewartet habet und den ihr jetzt so dringend braucht.

Yeshua - der Erretter, der Sohn des Höchsten, auf dem Thron Davids,
Gottes Sohn wird er genannt werden, und sein Reich wird kein Ende haben."

Nein, eine Bedenkenträgerin ist sie nicht, Maria, diese junge Frau in Nazareth in Galiläa. Kein Widerspruch macht sich breit. Keine ausweichenden Argumente …

Mary, did you know - Maria, wusstest du … - so textet der amerikanische Hip-Hop-Sänger CeeLo Green:

Maria wusstest du,
dass dein kleiner Sohn Herr der ganzen Schöpfung ist?
Maria wusstest du, dass dein kleiner Sohn
eines Tages über alle Nationen herrschen wird?
Wusstest du, dass dein kleiner Sohn
des Himmels vollkommenes Lamm ist?
Maria, wusstest du, dass dein kleiner Sohn
unsere Söhne und Töchter retten wird?
Wusstest du, dass dein kleiner Sohn gekommen ist,
um uns zu erlösen? - Mary, did you know?

Konntest du das verstehen, Maria, was hier mit dir geschehen sollte?

Allein diese Schwangerschaft
- die Kraft des Höchsten wird dich überschatten!

Bis heute können wir das doch noch nicht verstehen, diese Jungfrauengeburt, die wir mit dem normalen Menschenverstand, mit allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und aller Lebenserfahrungen nicht nachvollziehen können. Viele können es noch nicht einmal glauben, selbst wenn sie an Gott glauben wollen und können.

Wie kann das sein, so fragt Maria.

Gabriel, der Erzengel, weist sie auf Elisabeth hin, ihre Cousine.

Nun, dieses Geschehen können wir noch ein ganzes Stück nachvollziehen. Sie und ihr Mann Zacharias waren schon in die Jahre gekommen. Immer wieder hatten sie sich Kinder gewünscht, doch es hat nicht sollen sein.
Für alle war es offensichtlich:
Elisabeth kann keine Kinder bekommen. Die Arme!
Und Zacharias: Wie oft hatte er gebetet, dass Gott ihnen doch ein Kind schenken möchte. Doch jetzt war Hopfen und Malz verloren. Seine Frau war nicht mehr im gebärfähigen Alter, wie man so schön oder unschön sagt.

"Schau Maria, bei Gott ist kein Ding unmöglich! Elisabeth, eigentlich schon in den Wechseljahren, bekommt auch ein Kind, sie ist bereits im 6. Monat!"

Dieser Beweis reicht aus für Maria, um sie zu überzeugen, dass sie ein Kind bekommt, ohne dass ein Mann aus Fleisch und Blut mit im Spiel war?

Nein, Maria äußert keine Zweifel mehr.
Nein, Maria zeigt keine Bedenken.
Nein, Maria äußert keinen Protest.

Josef, ihr Verlobter, hat die Sache etwas realistischer gesehen.
Im Matthäusevangelium lesen wir:
Josef aber, ihr Verlobter, war fromm und wollte sie heimlich verlassen.
Im Traum aber erschien ihm der Engel des Herrn, der im verdeutlichte:
Deine Maria ist vom Heiligen Geist schwanger. Sie wir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird der Erlöser seines Volkes werden.

Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus."

Zwei starke Menschen, dieses Paar, Maria und Josef. Ja, aufrecht stehen sie, sie stehen zueinander und sie stehen zu Gottes Zusage, der sie gebrauchen will als sein Werkzeug, um der Menschheit das Heil zu bringen.

Und Maria will es mit eigenen Augen sehen. Sie reist in das gebirgige Judäa um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen. Eingeschlossen hatte die sich, bis es offensichtlich war und jeder es sehen konnte:
Diese Frau im gesetzten Alter ist tatsächlich schwanger.

"Das hat der Herr an mir getan," so wird sie im Lukasevangelium zitiert.
"Er hat mich gesehen und die Schmach, die ich vor den Menschen erdulden musste."

Und als das Kind auf die Welt kam, Johannes wurde der Knabe genannt, da freuten sich verständlicherweise alle Nachbarn, Freunde und Verwandte mit Elisabeth und Zacharias. "Was wird wohl aus diesem Kind werden?", so fragte sich die erstaunte Umgebung der beiden.

Wir wissen: Es war Johannes, der Täufer, der Rufer in der Wüste, der dem Messias den Weg bereitete und verkündete: "Nach mir kommt einer, der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen!"

Vom Besuch Marias bei Elisabeth, drei Monate blieb sie bei ihr, ist uns dann dieses wunderbare Gebet überliefert, das in der Liturgie der katholischen Kirche und in den Stundengebeten der Klöster und Orden eine ganz zentrale Rolle einnimmt.

Der Schweizer Priester und Dichter Kurt Marti nennt es das
"Lied vom heiligen Umsturz":

Meine Seele erhebt den Herrn.
Ich juble zu Gott meinem Befreier
- so überträgt er den Bibeltext,
Ich: eine unbedeutende Frau,
aber glücklich werden mich preisen die Leute von jetzt an,
denn großes hat Gott an mir getan.
Sein Name sei heilig und grenzenlos sein Erbarmen
zu allen, denen es ernst ist mit ihm.
Er braucht seine Macht um die Pläne der Machthaber fortzufegen.
Er stürzt die hohen ihrem Thron und hebt die Unterdrückten empor,
er macht die Hungrigen reich und schickt die Reichen hungrig weg
.

Martin Luther hat eine über 50-seitige Auslegung dieses Lobpreis-Liedes geschrieben und seinem Landesherrn Johann Friedrich von Sachsen gewidmet und dort mit viel falsch verstandenem Christentum, auch der Herrschenden seiner Zeit, aufgeräumt, natürlich doch in einer sehr spätmittelalterlichen Sprache.

Dietrich Bonhoeffer als unser Zeitgenosse schreibt über das Magnifikat:

''Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde.
Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht ...
Ein hartes, starkes, unerbittliches Lied von stürzenden Thronen und gedemütigten Herren dieser Welt, von Gottes Gewalt und von der Menschen Ohnmacht."

Und Dorothee Sölle, eine sehr politische Theologin unserer Zeit, interpretiert Maria ganz emanzipatorisch:

Die leeren Gesichter der Frauen werden mit Leben erfüllt.
Die große Veränderung, die an uns und durch uns geschieht …
Wir werden unsere männlichen Besitzer enteignen und die Herrschaft der Männchen über die Weibchen wird ein Ende nehmen.
Aus Objekten werden Subjekte werden, sie gewinnen ihr eigenes Recht.
Frauen werden in den Parlamenten entscheiden,
ihre Wünsche nach Selbstbestimmung werden in Erfüllung gehen
und die Ausbeutung wird ein Ende haben.

Ungefragt JA gesagt - Ja, wir hören keinen Widerspruch, keinen Widerstand in der Reaktion Marias auf die Botschaft und den Auftrag, den sie von Gott erhält.

"Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast!"  -
Nein, nicht als unterwürfige und demütige, sondern als eine aufrechte und mutige Frau dürfen wir sie sehen, Maria.
Sie wurde überrascht von Gottes Auftrag an sie.
Sie war überwältig über dem, was sie erleben sollte.
Aber sie hat den Auftrag angenommen.

Ja sagt sie zu sich selbst und ihrer Situation.
Ja sagt sie zu der Einfachheit ihres Lebens.
Ja sagt sie zu dem Risiko, dass ihr Verlobter sie verlassen, ihre Familie sie verstoßen
und ihre Mitmenschen sie verachten werden.

Ja, und sie sieht dies als Antwort auf Gottes großes Ja zu uns:
Ja sagt Gott zu uns und nimmt uns so an, wie wir sind.
Ja sagt Gott und entmachtet die Unterdrücker und Rücksichtslosen.
Ja sagt Gott und schenkt uns ein Leben in Freiheit
und stillt unseren Hunger nach Gerechtigkeit und unseren Durst, geliebt zu werden.
Ja sagt Gott zu uns und schickt uns den Retter, der uns frei macht von Schuld und Sünde.

Wir kennen Marias Antwort. Himmel und Erde kommen sich nah, berühren einander.
Wollen auch wir berührt werden von der Kraft des Höchsten?
Was ist unsere Antwort auf Gottes Ruf?

Haben wir ein JA, wenn er an unsere Tür klopft
und zum Mittelpunkt unseres Lebens werden will?
Wollen wir neu beginnen, ganz neu?
Und kann auch Friede werden nicht nur zwischen Gott und uns,
sondern auch unter uns, zwischen uns?

Das bedeutet doch Advent, die Ankunft des Herrn, Gottes Kommen in unsere Welt,
in unser Leben!

Komm, o mein Heiland, Jesu Christ! Meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein. -  Ich sage JA zu dir. Amen.

Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

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Adopted and refined

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