Lutherische Schule auf den Philippinen

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a geistreich member
Created at: 2010-10-29
Last major update at: 2010-12-25
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Jugendliche und Schule
Institutions
Tubigon Individualized Christian School in Tubigon
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: auf Dauer
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Oberschüler besprechen eine Kurzgeschichte

Abstract

Unsere Schule verwendet das amerikanische Schulsystem "Accelerated Christian Education". Die Kinder beten, lesen in der Bibel und bekommen dabei eine gediegene schulische Ausbildung.

Situation / context

Die Schüler sitzen in ihrem "Büro" und lernen unbeeinflußt vom Nachbarn, jeder nach seinem Vermögen. In einer Schule ohne Klassen ist der Unterricht personenbezogen. Der Lehrer hat Zeit, denn er hat nur 10 Kinder zu betreuen. So bekommen auch Lernschwache ihre Chance ohne ständig getadelt zu werden. Andere Schüler preschen vor und können die Schulzeit wesentlich verkürzen. 

Goals

---

Reflection / background

Die philippinische Insel Bohol findet man auf der Karte bei den Koordinaten 10º Nord, 124º Ost. Wir wohnen im Ort Tubigon, dessen Einwohner vom Fischen und Ackerbau leben. Die Armut ist groß. Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung hat mit dem Lesen und Schreiben Schwierigkeiten. Die Mehrzahl der Kinder verläßt die Schule nach sechs Schuljahren. Absolventen der Hochschulen (colleges) werden meist in die Arbeitslosigkeit entlassen. Viele Verkäufer sind examinierte Lehrer oder Buchhalter.

Die katholische Kirche dominiert das geistige Leben. Protestantische Kirchen sind vor allem Pfingstler, dann mehrere Baptisten Kirchen, Methodisten, Adventisten, Four Square, Lutheraner und der, der EKD nahestehenden, UCCP (United Church of Christ in the Philippines). Wer Pfarrer einer protestantischen Kirche werden will, besucht in der Regel eine zweijährige Bilbelschule. Nach eigenem Ermessen eröffnet er danach eine Kirche und nennt sich Pfarrer. Er bestreitet seinen Lebensunterhalt von den Gaben der Kirchenbesucher.

 

General information on realization

Der Entschluß eine eigene Schule zu eröffnen wurde im Jahr 2003 gefaßt, begründet durch die Sorge um die eigenen Kinder. Nicht nur daß die öffentlichen und privaten Schulen eine unzureichende Ausbildung anboten, die Schüler wurden auch durch die ein- und ausgehenden Drogendealer gefährdet und von den katholischen Religionslehrern drangsaliert: “Warum können ihre Kinder noch immer nicht den Rosenkranz beten?” Wir wollten für die Kinder eine protestantische Schule eröffnen. 

Einen Großteil unserer Vorstellungen fanden wir im amerikanischen “Accelerated Christian Education (ACE)” Schulsystem verwirklicht, über das man im Internet nachlesen kann. Der Entwurf des System entstammt einer amerikanischen Baptisten-Kirche.

Preparation

Materialien

Das Unterrichtsmaterial wird nach Anforderung von SOT entsprechend dem schulischen Fortschritt der Kinder geliefert. Das schließt z.B. in Biologie auch Videos ein, die das Töten und Öffnen von Fröschen, Insekten und Würmern zeigen und bei uns hinfällig machen. Computer wurden aufgestellt, mit denen die Schülern online recherchieren können.

 

Kosten

Das SOT Schulsystem kann auf zwei Wegen verwirklicht werden: Eine Kirche investiert in die Schule und übernimmt den Betrieb oder die Schule wird von einer Privatperson gebaut, die für die Inverstitionen und anschließend für die Betriebskosten aufkommt. Wir gingen den letzteren Weg. Wir konzentieren uns auf den schulischen Auftrag und katholische Eltern können uns ihre Kinder unbesorgt anvertrauen. Die Eltern verstehen, daß das Lehrmaterial protestantisch geprägt ist und wir eine protestantische Bibel (NKJV) lesen. Sie wissen aber auch, daß wir den Glauben der Kinder nicht bewußt beeinflussen werden. Das ist anders in Schulen, die von einer Kirche betrieben werden.

Hier finden sie die Kosten im Vergleich zum Einkommen eines Tischlers, der monatlich 5 Tausend Pesos verdient. Der Kurs des Euro beträgt ca. 60 Pesos.

Die Investitionen für Boden, Gebäude, Möbel, Bibliothek und Computer betrugen rund 1 Million Pesos, die jährlichen Kosten rund 500 Tausend Pesos. Das Schulgeld beträgt monatlich 2.500 Pesos.

Realization

Das ACE-Schulsystem firmiert auf den Philippinen unter dem Namen "School of Tomorrow" (SOT). Es gibt im Lande 500 dieser Schulen. Praktisch erwirbt man von der SOT eine Lizenz für den Betrieb einer Schule. Für die jährlichen Gebühren erhält man das gesamte Schulmaterial in Form von Lehrbriefen, die Schüler brauchen keine Bücher kaufen. Die Lehrer werden jährlich geschult und der Schulbetrieb jährlich einer genauen Prüfung auf Einhaltung der SOT-Vorgaben für den Schulbetrieb unterzogen.

Neben einer Volksschule planten wir eine Oberschule und erhielten die Genehmigung der staatlichen Behörde. Da der Unterricht nur in englischer Sprache erfolgt, wurde auch ein Kindergarten eröffnet, in dem Kinder von vier bis sieben Jahren Lesen und Schreiben und soviel englisch lernen, daß sie das Lehrmaterial der Grundschule verarbeiten könnten.

Die Lehrer habe ich mit den Ecksteinen protestantischen Glaubens vertraut machen müssen. Das war nicht ganz einfach in einer Gegend in der Ökumene ein Fremdwort ist.

Auf unserem Grundstück wurde ein Teil für ein Schulgebäude abgegrenzt, mit Raum für 10 Schüler. Das SOT Schulsystem kennt keine Klassen im herkömmlichen Sinn. Die Schüler sitzen in ihrem “Büro” und sind von anderen Schülern durch eine Wand getrennt. Jeder Schüler arbeitet nach bestem Vermögen, der eine schneller, der andere langsamer. Bei Fragen an den Lehrer stellt der Schüler eine kleine Fahne auf, worauf der Lehrer zu ihm geht. Das Lehrer/Schüler-Verhältnis ist auf 1:15 begrenzt.

 

Wrap up & follow-up actions

Das Wissen über unsere Schule ging von Mund zu Mund. Heute betreuen wir neben den schulgeldfreien auch 20 zahlende Schüler. Zwei Pfarrer schicken ihre Kinder zu uns und auch ein ehemaliger Priester ließ seine Kinder bei uns einschulen. Ein Lehrer brachte seine drei Kinder zu uns wegen des besseren sozialen Umfeldes. Auch meinte er, daß wir besser in der Lage seien, seinen lernschwachen Sohn zu betreuen.

Wir haben lärmende Volkschüler von den Oberschülern getrennt. Für die älteren wurde ein neues Gebäude errichtet.

Effect / experience

Der Lizenzgeber hatte uns vor Betriebsbeginn auf die zunächst negative Gewinnspanne verwiesen. Der Schulbetrieb würde erst ab 50 Schülern selbsttragend sein. Die stetig steigende Schülerzahl führt jetzt zu einem ausgewogenen Ergebnis auf der Kostenseite.

In nationalen Vergleichstest schneiden unsere Schüler gut ab. Sie kennen den kleinen Katechismus und sind frei von negativen Einflüssen, denn in unserem Haus gibt es kein Fernsehen. Wohl haben unsere Kinder jeder einen Computer und dürfen täglich zwei Stunden ins Netz gehen. Eine der SOT-Empfehlungen ist, daß Kinder an Schultagen nicht fernsehen sollten. Zum Ausgleich werden die Bücherwünsche der Kinder meist erfüllt.

Das amerikanische Schulsystem hat seine Schwächen. Die Kinder kennen die meisten amerikanischen Präsidenten, finden aber Schweden auf der Karte nicht. Literatur kreist um amerikanische Autoren, zum Ausgleich lese ich Märchen von Grimm und Andersen vor. Aber auch unsere Umsetzung hat Schwächen: es gibt keinen Sportplatz am Ort, wir suchen noch jemanden für den Musikunterricht und jemanden, der den Computer von einer Spielkiste in ein Werkzeug umwandelt.

 

Darf ich mich abschließend noch vorstellen. Ich heiße Peter Tourbier, bin 76 Jahre alt und von Beruf Ingenieur. Ich habe eine Landestochter zur Frau, die eine gute und professionelle Lehrerin für behinderte Kinder ist. Zu Beginn meinten wir, daß vielleicht Hilfe für die Verwirklichung unserer Pläne zu finden wäre. Jetzt wissen wir es besser und haben außer unserem Herrgott niemanden für den Bau und Betrieb der Schule zu danken.

 

Eines unserer Projekte:

http://www.geistreich.de/experience_reports/348

Adopted and refined

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