Church Tours Ruhr

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a geistreich member
Created at: 2010-11-03
Last major update at: 2010-11-03
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Arbeit mit Touristen und Kurseelsorge
Institutions
Kirchenkreis Essen
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: Das Projekt ist auf Dauer angelegt. Die Touren sind unterschiedlich lang.
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Church Tours Ruhr

Abstract

In überregionaler Zusammenarbeit von kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit und einem Busunternehmen entsteht eine touristische Infrastruktur für Busreisen zu den bedeutenden Kirchen und Gotteshäusern einer Region.

Situation / context

Eine Region mit zahlreichen bedeutenden Kirchen und Gotteshäusern, die aber touristisch relativ unverbunden waren.

Goals

Überregionaler Kirchentourismus wird als Chance kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit genutzt.

Reflection / background

Kirchen sind Kulturorte und ebenso Landmarken der geschichtlichen Identität einer Region. Mit ihnen verbinden sich Themen, die Reisenden davon erzählen, was Christen in Jahrhunderten an diesem Ort bewegt hat. Kirchen stehen für die Inhalte des Glaubens und ebenso für die jeweilige Ausrichtung der Architektur und der Kunst der Epoche ihrer Entstehung. Sie gehören zu den herausragenden touristischen Zielen und verdienen es darum, durch ein überregionales touristisches Reisekonzept erschlossen zu werden.
Church Tours RUHR wurde anlässlich der Kulturhauptstadt RUHR 2010 entwickelt und verbindet kirchliche und touristische Ziele zwischen Duisburg und Dortmund.

General information on realization

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Preparation

Je nach Region und vorhandener Infrastruktur dauert es ein Jahr, bis erste Busse fahren können. Hierzu bedarf es einer auf die Region abgestimmten Konzeption. Sie basiert zum einen auf den zuvor recherchierten Themenrouten, zum anderen auf Absprachen zwischen den beteiligten Kirchengemeinden, dem Kirchenkreis als Steuerungselement und einer Reiseagentur, bzw. einem Busreiseunternehmen aus der Region. Im Wesentlichen sollte darin geklärt sein, welche Einnahme den Kirchengemeinden zustehen, die ihre Häuser für Reisegruppen öffnen, welches Honorar die als Reisebegleiter/innen geschulten Personen erhalten und welche Aufgaben  und Rechte dem Reisebüro im Blick auf die Buchung und die Durchführung der Tagesreisen zufallen. Dabei ist deutlich zu unterscheiden zwischen dem Kirchenkreis als Inhaber der "Marke" Church Tours... und den darin gebundenen Inhalten, die er der Reiseagentur zur Verfügung stellt und der Reiseagentur, die den gesamten wirtschaftlichen Teil und damit auch die rechtliche Verantwortung für die Durchführung der Reisen übernimmt. Zu klären ist auch, wer die Kosten für die Erstellung des Webauftrittes sowie des notwendigen Werbematerials übernimmt. Diese sollten nach Möglichkeit im Zuge der steuerlichen Abschreibung beim Reiseunternehmen angesiedelt sein, weil dort auch der zu erwartende finanzielle Gewinn angesiedelt ist. Der zu all diesen Punkten entwickelte Vertrag sollte zunächst ein Probejahr beinhalten, das in gegenseitigem Einvernehmen in einen längeren Zeitrum übergeht.

Dabei waren neben den angefahrenen Kirchen und Gotteshäusern auch Aspekte des allgemeinen Tourismus einzubeziehen, etwa eine Schifffahrt auf dem Baldeneysee oder ein Besuch des neuen Ruhrmuseums auf Zeche Zollverein in Essen. Ebenso galt es für die Mahlzeiten hinreichend Zeit einzuplanen (Mittagessen und Kaffeetrinken) und geeignete Orte zu finden, wobei gerne auch Initiativen der Diakonie in den Blick genommen wurden.
Es bedurfte in einem weiteren Schritt der Schulung von Reisebegleiter/innen durch den Kirchenkreis in Verbindung mit einem Träger des allgemeinen Tourismus, etwa dem städtischen Tourismuszentrale oder einem Träger der Ausbildung zum Regio-Guide.
Schließlich musste ein ortsansässiges Reiseunternehmen gefunden werden, mit dem der Vertrag geschlossen wurde. Hier war es Gossen Reisen in Essen-Steele. 
Zu den oben genannten  Routen gesellten sich bald weitere Themenfahrten, wie etwa die Orgelfahrten, die "Nightline", wo zwei Kirchen in der Nacht besucht werden, und auch andere Themenrouten wie etwa die "Faire Fährte", bei der Orte der Eine-Welt-Bewegung in der Region angefahren werden. Sogar die Kombination von Fahrradtouren mit Busbegleitung kam hinzu.

Realization

Durchführung am Beispiel des Ruhrgebietes: 

Im Ruhrgebiet erstreckt sich das Konzept "Church Tours RUHR" über die gesamte Region von Duisburg bis Dortmund mit ihren 5,3 Millionen Menschen. Damit arbeitet es in einer räumlichen Ausdehnung von Nord-Süd- 67 km und einer West-Ost-Ausdehnung von 116 km. Es überschreitet dabei die landeskirchlichen Grenzen zwischen dem Rheinland und Westfalen wie es das Gebiet von drei Bistümern streift. Mit seinen  22 Kirchenkreisen bewegt sich Church Tours RUHR  in einem Umfeld von 53 großen und kleineren Städten.
Die Erstellung eines Reisekonzeptes vollzog sich dabei in mehreren Schritten: Am Anfang stand die Erschließung relevanter Kirchen durch eine Fragebogenaktion. Im Weiteren wurde mit den ausgewählten Kirchgemeinden über den Besuch ihrer Kirche durch Reisegruppen eine vertragliche Regelung  getroffen. "Member of Church Tours" verpflichteten sich, Reisegruppen im Rahmen der verlässlich geöffneten Kirchen Zutritt zu ermöglichen oder ihnen nach vorheriger Absprache die Kirche zu öffnen. Dafür wurde ihnen im Gegenzug zugesagt, pro Person 1,-€  zu erhalten.
Für attraktive Tagesreisen galt es im Weiteren thematische Routen zu bilden. Im Ruhrgebiet heißen sie:

  • "Zu den Ursprungsorten im Ruhrtal"
  • "Zu alten Handelsplätzen entlang des Hellwegs"
  • "Begegnung zwischen den Religionen und Kulturen".

 

Materialien: Flyer / Internetpräsenz / Unterlagen für die Ausbildung der Reisebegleiter/innen

Kosten: Kosten entstehen wenige, wenn die Personen bereits Mitarbeitende im Kirchenkreis sind. Ansonsten sind für einen begrenzten Zeitraum Personalkosten anzusetzen. Im Weiteren muss die Internetpräsenz erarbeitet werden, was u.U. auch zu bezahlen ist. Die Fragebögen kosten nicht viel, ebenso wenig die Flyer. Es empfiehlt sich, mit dem Reisebüro im Blick auf den Zuwachs an Aufträgen eine Vereinbarung zu treffen, so dass ein Teil der Materialien durch dessen Werbekosten abgedeckt wird (Teil des Vertrages zwischen Kirchenkreis und Reiseagentur).

Wrap up & follow-up actions

Da es sich um eine Investition in den ersten Arbeitsmarkt handelt, ist das Ergebnis in doppelter Weise zu messen. Zum einen wird das Reiseunternehmen die wirtschaftlichen Effekte betonen und sich nur dann für eine Fortsetzung interessieren, wenn auch eine hinreichende Anzahl an wirtschaftlich erfolgreichen Gruppenfahrten stattgefunden hat. Die ist am ehesten dadurch zu sichern, dass die Busse mit einer Mindestzahl von 25 teilnehmenden Personen berechnet werden. Gruppen, die unter dieser Marke bleiben, werden einen festgelegten Mindestbetrag entrichten müssen. Werden offene Fahrten angeboten, die sich ihre Teilnehmer/innen über den allgemeinen Reisemarkt suchen, erhöht dies das Risiko erheblich, so dass solche Fahrten nur dann ins Auge gefasst werden sollten, wenn ein hinreichender Fundus an "Kunden" vorhanden ist.
Die Kirchengemeinden verbinden mit dem Reisekonzept ihre Öffentlichkeitsarbeit und werden den Erfolg des Konzeptes nicht an der Wirtschaftlichkeit, sondern an dem Gewinn an öffentlichem Interesse und der gesteigerten Popularität einzelner Kirchen festmachen, die es längst verdient hatten, entdeckt zu werden. Im Weiteren könnten positive Effekte für Konzerte und andere kirchlichen Veranstaltungen entstehen, die von den Reisenden  über Plakate und Flyer an den einzelnen Kirchen wahrgenommen und nachfolgend besucht werden. Schließlich werden die beteiligten Kirchengemeinden dazu angeregt, ihre Kirchen über einen Bildführer oder auch über einen Akustikguide (Mp3-Player) oder über Personen als Kirchenführer den Gästen bekannt zu machen, die ihnen dabei auch ihre aktuellen Gemeindeangebote nahe bringen. Beispielsweise  lassen sich kurze Andachten, Orgelspiel oder ein gemeinsames Singen in den Besuch einer Kirche einbauen, ebenso ein kurzes Statement eines Vertreters oder einer Vertreterin der Gemeinde zu ihrer Arbeit im Stadtteil.

Effect / experience

Binnen eines Jahres wurden im Ruhrgebiet mehr als 100 Reisen mit Church Tours RUHR gebucht. Dabei waren viele Gruppen aus den umliegenden Gemeinden der Region, (Senioren / Chöre etc.), die den Binnentourismus belebten. Ebenso aber kamen auch Pfarrkonvente aus ganz Deutschland sowie Lehrerkollegien, die ein spezielles Fortbildungsangebot annahmen unter dem Titel "Werte und Wandel - die Beiträge der Kirchen zur Kulturhauptstadt RUHR 2010".  Bei freier Ausschreibung der Reisen ergab sich ein buntes Publikum von kirchennahen wie kirchenfernen Mitreisenden.

Rückmeldungen der Teilnehmenden und Mitarbeitenden: Bis auf anfängliche Unsicherheiten auf beiden Seiten gab es überaus positive Reaktionen. Hinzu kamen Berichte im Radio oder auch ein Fernsehbericht des WDR. In den Zeitungen wurde über die Angebote von Church Tours RUHR berichtet. Es zeigt sich: Kirchen waren immer schon Reiseziele und werden auch in Zukunft Reiseziele bleiben, umso mehr sogar, je weiter sich das prägende Bild der Kirchen aus dem öffentlichen Leben zurückzieht.  Besonders die Aufteilung in Themenrouten trug Früchte, weil sie noch einmal einen inhaltlichen Fokus für Interessierte anbot (Etwa Nightline oder Orgelfahrten). Es entstanden zudem gute Kontakte zu den kommunalen Tourismuseinrichtungen durch Aufnahme in deren Angebote in einzelnen Städten wie auch bei der überregionalen touristischen Vermarktung der Region über die Regionale Tourismus Gesellschaft (RTG), die einzelne Church Tours Reisen mit einem Wochenendangebot verband.

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