Interkulturelle Beratung, Seelsorge und soziale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Author
a geistreich member
Created at: 2010-11-04
Last major update at: 2010-11-04
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Jugendliche und Schule, Schulseelsorge
Institutions
Institut für Evangelische Theologie u. Institut für Katholische Theologie in Kassel
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: Auf Dauer
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Abstract

Studierende der Religionspädagogik  bieten ehrenamtlich Beratung und  Schulseelsorge im sozialen Brennpunkt an (YouthCoach) und stehen in akuten Krisen zur Begleitung bereit (CrisisCoach).

Situation / context

Studierende engagieren sich ehrenamtlich für die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenslagen, für Integration und interreligiösen Dialog. Sie erhalten dadurch wichtige Impulse für ihre eigene berufliche Identität.

Goals

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Reflection / background

Die Kinderarmut in Deutschland weitet sich aus. Zu den Kindern und Jugendlichen in sogenannten prekären Lebenslagen zählen vorwiegend solche, die in Hartz IV-Familien leben, aus Ein-Eltern-Familien stammen oder einen Migrationshintergrund haben. Die Zukunftschancen dieser Kinder und Jugendlichen als die Schwächsten unserer Gesellschaft sind massiv eingeschränkt.
Studierende in Kassel engagieren sich ehrenamtlich für diese Kinder und Jugendliche an ihrem Studienort.

General information on realization

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Preparation

Die Ausbildung zum YouthCoach / CrisisCoach ist ein Verbundmodul in der Studienordnung der beiden theologischen Institute der Universität Kassel. Im ersten Semester  nehmen die Studierenden an der "Werkstatt Faszination Glauben" teil. (Zwei Semesterwochenstunden und ein Blockseminar). Im zweiten Semester stehen Beratung und Seelsorge im Mittelpunkt. Das geschieht durch das Erfahren der Methoden an ihren eigenen Lebensthemen. Das bedeutet Selbsterfahrung mit entsprechender Reflexion auf der Metaebene und Theorieeinheiten, Beratungsübungen zu dritt (Berater/in, Klient/in, Beobachter/in (Zwei Semesterwochenstunden und zwei Blockseminare)

Realization

Im dritten und vierten Ausbildungssemester werden die Studierenden in Zweier- und Dreier-Teams auf Praxisprojekte an fünf Schulen verteilt, darunter Grund-, Haupt- und Realschulen sowie ein Gymnasium. Die Schulen haben in der Schülerschaft eine hohe kulturelle und religiöse Vielfalt und befinden sich alle in sozialen Brennpunkten der Stadt. An drei Schulen konnten zweimal in der Woche Sprechzeiten in einer Teestube, während der Mittagsbetreuung oder in einem eigenen Raum eingerichtet werden. Auch Sprechzeiten während der Unterrichtszeit ließen die Schulleitungen zu, die die Studierenden tatkräftig unterstützen. Die Studierenden können in einer wöchentlichen Supervisionsgruppe ihre Erfahrungen verarbeiten. Die Studierenden sind in Krisenintervention ausgebildet und waren als CrisisCoach z.B. nach einer Trauerfeier für eine verstorbene Schülerin im Einsatz. Als CrisisCoach stehen sie auch für eine Begleitung zur Verfügung, wenn Kinder und Jugendliche z.B. von schwerer Krankheit, Tod eines Angehörigen oder Trennung der Eltern betroffen sind.

 

Dauer: 3 Semester+1 Semester (freiwillig)

Mitarbeitende: Im März 2010 sind es ca.  ca. 40 Studierende pro Jahr und ein Pfarrer mit Zusatzausbildung in Integrativer Therapie als Lehrbeauftragter für Ausbildung und Supervision.

Kosten: ca. 85.000 Euro pro Jahr, davon 52.000 Euro Personalkosten

Wrap up & follow-up actions

Die Projekte werden wissenschaftlich evaluiert.

Zusätzlich zu den beiden anderen Coaches ist der LifeCoach in Vorbereitung. Studierende der Sozialpädagogik der CVJM-Hochschule Kassel werden ein Jahr lang einen Nachmittag pro Woche mit einem Kind oder Jugendlichen verbringen. Ziel ist es, Selbstwert, Selbstwirksamkeit und das soziale Netzwerk der Kinder und Jugendlichen zu stärken. Schulleitungen und Klassenlehrerinnen schlagen Kinder und Jugendliche vor, die aufgrund ihrer familiären und schulischen Situation Unterstützung brauchen.

Effect / experience

Das große Engagement der Studierenden ist bemerkenswert, da der Zeitaufwand sehr viel größer als in anderen Seminaren ist. Schüler/innen aller Religionen haben die Studierenden als Gesprächspartner/innen sehr gut angenommen.
Rückmeldungen der Teilnehmenden und Mitarbeitenden:
Einige Zitate aus der Auswertung mit den Studierenden:

  • 1. Was waren die wichtigsten Erfahrungen in dem  Seelsorgekurs für dich?

"- dass es oft alleine schon hilfreich ist, wenn Schüler jemandem ihre Probleme anvertrauen können, der sie ernst nimmt und ihre Probleme nicht leichtfertig von der Hand weist, sondern ihre Belastungen wahrnimmt
- dass viele Schüler bereits (so wurde uns mehrfach erzählt) versucht haben ihre Probleme einer Lehrperson mitzuteilen, diese jedoch selten ein offenes Ohr für die Schüler hatten, sondern diese Kommunikation schnell beendeten
- dass sich viele Schüler hilflos fühlen und nicht wissen, wem sie sich anvertrauen können
- dass es unzählige verschiedene Arten von Problemen oder von Unstimmigkeiten in einem Klassenverband geben kann, welche allesamt die schulischen Leistungen eines Kindes negativ beeinflussen können."
Isabella

  • 2. Was hast du in Bezug auf Seelsorge mit Kindern und Jugendlichen gelernt?

"Da ich viel Erfahrung schon mitbrachte, waren es Kleinigkeiten, die ich gelernt habe, wie die Annahme der Schüler und Schülerinnen, die anders aussahen, sprich die Hautfarbe oder aus einer anderen Kultur kamen, wie dem Islam, dass ich lernen konnte, wie ich "richtig" bzw. angemessen mit ihnen umgehen darf und kann."
Lilly
"Kinder und Jugendliche sind in unserer heutigen Schulform sehr stark belastet und haben kaum eine Möglichkeit sich mal über ihre Probleme, Ängste oder Sorgen auszusprechen. Sie suchen auch den Kontakt und es besteht ein großer Bedarf an Schulsozialarbeitern, Beratern oder anderen Hilfsangeboten."
Nicolai
"Kinder und Jugendliche sind schon von ihrer persönlichen Art sehr unterschiedlich und genauso unterschiedlich verarbeiten sie ihre Probleme. Hierbei ist es wichtig, dass man auf die Kinder und Jugendlichen immer persönlich eingeht und versucht, ihre Lebensgeschichte zu verstehen."
Anna-Katharina

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