Burnout bei Pfarrern?

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a geistreich member
Created at: 2011-04-20
Last major update at: 2011-04-22
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Personalwesen, Andachten, Landeskirche und mittlere Ebene, Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin
Institutions
Evang. Johanniskirchengemeinde in Bonn
Keywords
Target audiences
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Information
Preparation: no information
Execution: Auf Dauer
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Abstract

Der ev. Krankenhauspfarrer und Priv.-Doz. Dr. Andreas von Heyl haben Untersuchungen zur Arbeitsbelastung des Kirchenpersonals in seinem Buch mitgeteilt.

"Zwischen Burnout und spiritueller Erneuerung: Studien zum Beruf des ev. Pfarrers und der ev. Pfarrerin, Peter Lang-Verlag, Frankfurt, 2003, 444 Seiten"

Die Ergebnisse lassen erkennen, daß viele Gemeinden ihr Personal schlecht behandeln. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben von GEISTREICH nach den hervorragenden Vorschlägen über Projekte und Maßnahmen (denkbar als geistreich 1.0), nun auch Vorschläge zu entwickeln, die dabei helfen, dieses so wichtige Problem einer zu verbessernden Wahrnehmung der Fürsorgepflicht gegenüber dem Kirchenpersonal  befriedigend zu lösen und in Zukunft dafür zu sorgen, daß Burnout und Depression durch ständige Überforderungen wirksam durch feste Regeln verhindert werden (denkbar als geistreich 2.0)

Situation / context

Das Problem von Burnout bei Pfarrern ist hinreichend bekannt und auch im Internet ausgiebig behandelt worden: So finden wir bei ZEIT-online: Pfarrersmüdigkeit, die Hirten sind müde (2003), oder beim Deutschlandfunk (2007): Seelsorge für die Seelsorger oder im Jahre 2009 beim Pfarrerverband "Burnout- ein Motivationsmangel ?" mit zahlreichen sehr interessanten Stellungnahmen. Im März 2011 befaßt sich dann auch evangelisch.de mit dem Thema "Jeder fünfte Pfarrer leidet an Burn-Out"... undsoweiter. Danach leidet jeder fünfte Pfarrer am Burnout und wird durch beruflichen Stress (bei durchschnittlich 63 Wochenstunden) krank.

so zum Beispiel in http://www.evangelisch.de/themen/religion/jeder-fuenfte-pfarrer-leidet-an-burn-out36579

Roger E. Olson schreibt in seinem Buch "Gott und die Hütte" (Random House, 4. Aufl. 2009, S.151), man sollte aus der Kirche austreten und sich eine andere Gemeinschaft von Christen suchen, "wenn mit Menschen innerhalb oder außerhalb der Gemeinschaft mißbräuchlich oder gleichgültig umgegangen wird oder ethische Grundsätze verletzt werden".

Jesaja (in Jesaja 58,4-6 u.a.) vertritt die Meinung, daß wir dazu verpflichtet sind, denjenigen zu helfen, die für uns arbeiten. Das ist zwar etwa 2700 Jahre her und aus einer Zeit, da es noch keine Christen gab, es klingt aber auch heute noch sehr modern und wird als rechtliches Minimum sogar im Arbeitsrecht gefordert. Wer also gegen diese Regeln verstößt, wird von Jesaja als Heuchler bezeichnet. Seine Gebete seien Gott nicht gefällig. Nach Jesaja ist ein heuchlerischer Gottesdienst nichts wert, nach Olson sollte man in einem solchen Fall sogar aus der Kirche austreten, was Menschen auch tun.

Goals

PROBLEM-LÖSUNG:

Bessere Arbeitsbedingungen, mehr ANERKENNUNG, mehr Rücksichtnahme, geringere Anforderungen durch die Kirchenleitung und bessere Motivation zum Mitmachen für Ehrenamtliche und Einbeziehung der bisherigen Überlegungen bei GEISTREICH.

Auf eine Erörterung von Fehlern aus der Vergangenheit und auf VORWÜRFE ist UNBEDINGT zu VERZICHTEN. Wichtig ist hier der AUFBRUCH, also die ZUKUNFT. Das bedeutet aber eben auch, daß wir innerhalb und außerhalb unserer Gemeinde verständnisvoll und nachsichtig miteinander umgehen müssen. Das ist zwar selbstverständlich, sollte aber trotzdem der Vollständigkeit halber nicht verschwiegen werden.

 

ZUM BEISPIEL:

Es wäre kaum einzusehen, warum nicht bei Ausfall eines Pfarrers ein Gemeindemitglied so etwas wie eine unvorbereitete Andacht leiten sollte, die durch das Singen von bekannten Gesangbuchtexten und durch das Beten von bekannten Gebeten bestimmt wird. Nichts daran ist falsch. Notfalls geht es dann eben auch mal ohne Agenden und Perikopen.

 

Es müßte eine Arbeitsplatzbeschreibung und eindeutige und feste Regeln gefunden werden:

(1) auch dem Kirchenpersonal ist ein erholsamer siebenter Tag zu ermöglichen, 

(2) es sollten mindestens arbeitsrechtliche Regelungen angewwendet werden, indem

     folgendes garantiert wird:

(a) freier Montag und Dienstag (anstelle des nicht freien Samstag und Sonntag),

(b) vierzig-Stunden-Woche

(c) ein Verbot von Überstunden.

(3) Bei Verstößen wäre ein Ombudsmann/frau damit zu beauftragen, möglichst

    umgehend für eine ergänzende Freistellung zu sorgen, damit eine dauerhafte

    Belastung in Zukunft vermieden werden kann. 



PROJEKTSTELLE ZUR „SALUTOGENESE“ (31.1.2012)


Die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern will dem Burnout bei kirchlichen Mitarbeitenden gezielt entgegenwirken. Dazu ist die Einrichtung einer halben Projektstelle zur „Salutogenese“ beschlossen worden. Der Begriff bezeichnet eine besondere Sichtweise der Medizin, die diejenigen Faktoren und Wechselwirkungen in den Blick nimmt, die der Erhaltung und Wiedergewinnung von Gesundheit dienen. Mit der Projektstelle will die bayerische Landeskirche, so ihr Personalchef Helmut Völkel, der Belastung und Überforderung der Mitarbeitenden entgegenwirken. Und zwar mit einem Konzept, das stärker als bisher präventiv bestimmt ist. Es gehe um gesundheitsgerechte Arbeitsplätze und darum, wie Mitarbeitende motiviert ihre Arbeit gestalten können.

Information: http://www.bayern-evangelisch.de/www/informiert/pressemitteilung-vom-31-01-2012.php

Reflection / background

Die Kirche sollte in ihrer Fürsorge beispielhaft wirken und WEIT über das hinausgehen, was als "ethisches Minimum" vom GESETZ  (Arbeitsrecht) verlangt wird. (Jesaja würde sich freuen).

Die Bemühungen um eine KIRCHE IM AUFBRUCH erfordern hier völlig NEUE Überlegungen und professionelle Mitarbeiter, die bei der Entwicklung neuer Ideen helfend mitarbeiten können und nicht ständig durch andere Aufgaben überfordert sind: Das geht wirklich nur in einer Probephase bei strenger Einhaltung einer Fünf-Tage-Woche mit einer Höchstbelastung von 40 Stunden und bei MUT ZUM FEHLER.

General information on realization

Wichtig ist - wie schon gesagt -, daß man eine NEUE Aufgabenbeschreibung erarbeitet, die es möglich macht, finanzielle Ressourcen besser einzuteilen als bisher (zum Beispiel keine Immobilienbetreuung durch Pfarrer usw), daß man umsetzbare und verständliche Regeln schafft und der Gemeinde erklärt, wie es mit den Finanzen aussieht, damit sie Einschränkungen versteht und darauf rechtzeitig reagieren kann.

Auf die in den Diskussionen zum WORKSHOP eingegebenen Hinweise  - insbesondere zur Finanzierbarkeit - wird Bezug genommen.

Preparation

Diskussionen im Rahmen von Geistreich, Entwicklung einzelner Projekte unter einem "gedachten" geistreich 2.0 und Auswertung von schon bei einem gedachten geistreich 1.0 vorliegenden Konzepten einer neuen Gemeindestruktur und -verfassung.

Realization

Es kommt hier selbstverständlich darauf an, daß versucht wird, in einem größeren Kreis neue Ideen zu entwickeln, wichtig ist aber, daß man ÜBERHAUPT erst einmal  MÖGLICHST BALD und IRGENDWIE anfängt und daß man "Mut zum Fehler" entwickelt.

 

Links:

PDF zum Download: STAY WILD STATT BURN OUT. Leben im Gleichgewicht, Susanne Breit-Keßler/ Norbert Dennerlein (Hg.), im Auftrag der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), erarbeitet von deren Seelsorgeausschuss (Siehe http://www.velkd.de/1118.php ).

 

Buchtipp:

http://www.kreuz-verlag.de/buecher/details?k_tnr=61040

Wrap up & follow-up actions

Nach Lage der Ergebnisse.

Effect / experience

Offen.

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