Dialogische Predigtvorbereitung

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a geistreich member
Created at: 2011-10-24
Last major update at: 2011-10-24
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
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Predigtwerkstatt
Institutions
Kirchenamt der EKD in Hannover
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Preparation: no information
Execution: Auf Dauer
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Kanzel

Abstract

Eine neue Gruppen-Anleitung für Menschen, die predigen

Situation / context

Dialogische Predigtvorbereitung

Eine Gruppen-Anleitung für Menschen, die predigen

 

Diese Übung ist als Ergänzung zur üblichen solistischen oder gemeinsamen Predigtplanung gedacht.

Sie probt dialogisches, lautes Denken und Entwerfen einer geistlichen Rede.

Ziel dieser Vorbereitung ist zunächst eine real vor anderen präsentable Kurz-Predigt von 4-6 min.

Die ist im Weiteren individuell ausbau- und kombinierbar mit anderen Formen.

 

Niemand sollte sich für das freie Sprechen das Ideal setzen, auf einmal alles frei sagen zu wollen. Das ist weder realistisch - denn es verlangt Übung - , noch ist es sinnvoll. Manches will präzis ausgeformt vorgetragen, anderes kann locker erzählt werden. Beide Formen, freie und abgelesene Rede können gut miteinander in der Predigt gemeinsam erscheinen.

 

Die Idee hinter dieser Anleitung:

1. Wer geistliche Rede laut denkend und sprechend plant, wird leichter – in Teilen oder während der gesamten Rede - ohne ausformuliertes Manuskript auskommen, weil er/sie sich bereits im Anlauf zur Rede zu einem Menschen hin äußert und dabei die wesentlichen Formulierungen geistig, mental und körperlich einübt.

 

2. Eine Gruppe von Menschen, die predigen müssen, kann sich dialogisch und vortragsorientiert auf den je eigenen Dienst im Gottesdienst vorbereiten und dabei lernen, einander konstruktiv (und nicht nur analytisch-abgrenzend) zu unterstützen.

 

Dies ist eine die solistische Predigtvorbereitung ergänzende, mehr auf Effizienz bedachte Methode.

Sie funktioniert zielorientierter als Exegese- oder Predigt-Vorbereitungs-Kreise, die oft eher analytisch arbeiten und bewusst kein konkretes Ergebnis intendieren.

Sie führt schneller zu Entscheidungen in der Auslegung. Sie ist weniger gründlich, kann aber durch exegetische Vorbereitung des Textes im Vorwege gute Erkenntnisse zügig zum Ziel führen.

 

Und sie will Predigen ermöglichen, das teilweise ohne Skript auskommt, denn sie regt die ganze Zeit die mündliche und dialogische Vorbereitung im Sprechen an. Dadurch sind die Gedanken schon einmal intensiv mit der ganzen Person laut ausgesprochen und prägen sich für den Ernstfall deutlicher und dialogisch orientierter ein.

 

Jedes Mitglied der Gruppe hat nach diesem Verfahren bereits nach einer guten Stunde ein fertiges Predigtkonzept, das daheim verfeinert, variiert und kombiniert werden kann.

 

 

Anleitung

für eine Gruppe (PastorInnenKonvent, PrädikantInnen-Kurs, Gottesdienst- Teams usw).

JedeR hat sich vor dem Treffen einen Predigttext gewählt.

Eine eigene exegetische und systematische Vorbereitung ist bei Bedarf vorher gelaufen (jedeR für sich oder auf anderen vertrauten gewohnten Wegen - z.B. Exegese-Kreis).

Aber es geht auch zur Not ohne solche Vorbereitung, das heißt, man wählt den Text oder das Thema erst zu Beginn.

 

Wichtig ist eine gerade Zahl der Teilnehmenden - zur Not macht LeiterIn (eingeschränkt) mit.

Wer die ersten 60 min nicht komplett da sein kann, kann nicht teilnehmen.

Teil A ist auch ohne Teil B verwendbar.

 

Die gesamte Gruppe bleibt während der Vorbereitung bis zum Punkt 4. im gleichen Raum (ohne Tische).

Wer anleitet, achtet auf die Zeit, erinnert jeweils 1 min vorher ans Ende der Frist, schließt einen Vorgang und gibt die jeweils neue Anweisung.

 

A. Vorbereitung – ca 85 min

1. Assoziative Phase

Im Plenum bilden sich Paare.

Alle bleiben im Raum im weiteren Geschehen.

Man setzt sich einander gegenüber, am besten schräg versetzt – wie auf einer Chaiselonge.

a. Text und Person A

Man assoziiert in freier Weise über den Text von Person A - 4-5 min

Person A sichert bei Bedarf erste Ideen auf Papier - 1 min

 

b. Text und Person B

Man assoziiert in freier Weise über den Text von Person B (kann zufällig der gleiche sein, das führt dann mehr in die Tiefe)- 4-5 min

Person B sichert bei Bedarf erste Ideen auf Papier - 1 min

 

c. Text A und Text B

Beide assoziieren (bei mehrheitlich verschiedenen Texten von A und B), wie die beiden Texte miteinander sprechen - was sie verbindet oder unterscheidet. Gibt es einen Funken, wenn man sie beide zusammen denkt? - 3 min

d. je eigenen Ausgangspunkt finden

Die Paare bleiben beieinander.

Stille: JedeR sucht für sich nach einem wichtigen Gedanken zum Text, von dem er, sie ausgehen will in der weiteren Arbeit - 2 min Stille

_______

17 min

2. Kreative Phase

Paare bleiben beieinander.

 

a. Befragung A

A erzählt B von den ersten Gedanken zum Text und gibt damit eine Schneise fürs Fragen von B.

B ist ‚Hebamme’ und fragt ‚klientenzentriert’ A aus - mit dem Ziel, A zu dessen/deren eigenen Erkenntnissen zu führen. Also herauslocken, was werden will. - 10 min

• Dabei gern Ungereimtes hinterfragen, aber innerhalb der Logik von A. Also nicht eigene Meinungen dagegen setzen. („Du sprichst immer von der ‚unverdienten Gnade’ - was meinst Du damit genau - und in welcher Beziehung steht das hier zum Text/ zu den Leuten?“)

• Gedanken, die unverbunden sind, verbinden lassen. („Eben hast Du gesagt, … - jetzt sagts Du …. Bitte verbinde mal die beiden Gedanken!“)

• Nach Originellem suchen, von dem man den Eindruck hat, A habe es nicht schon 100mal gedacht oder gesagt. („Vorhin hast Du gesagt, Gott würde manchmal ‚lächeln’ - erzähl mehr darüber!“)

 

Nach 8 Minuten ist eine Kontur dessen zu ahnen, was gesagt werden soll.

Die Befragung wird nun verschärft und im Stehen in ihr Finale gebracht:

A stellt sich mit dem Rücken zur Wand. B stellt sich A dicht und frontal gegenüber.

B fragt 1-2 Minuten lang, insistierend und lauter werdend immer dieselbe Frage:

„Was ist Dir das Wichtigste an diesem Text?“

 

A antwortet‚ läuft heiß’, und gerät hoffentlich unter Druck, denn der gebiert neue und unerhörte Formulierungen, die im abgesicherten Modus unter Umständen nicht erscheinen.

Danach setzen und:

 

b. Besinnung A

A sammelt ein, was wichtig geworden ist, B hilft dabei. Achtet darauf, dass A nichts Wichtiges vergisst und Unwichtiges wegschneidet. Verfahren der Sammlung: schriftlich, mündlich - wie es A am besten gefäl$$lt. – 3 min

 

c. Rollenwechsel im gleichen Paar.

Befragung B: Weiter wie unter a. - mit vertauschten Rollen. – 10 min

 

d. Besinnung B – 3 min ____

43 min

3. Entwurfs-Phase

Leitung gibt einen Zeitpunkt vor, zu dem sich die Paare wieder im Raum treffen.

In der Zeit bis dahin sollen 20 min für den Entwurf der Rede und 10 min Pause enthalten sein.

 

Die Anweisung lautet: „Bitte gehen Sie sprechend und entwerfend wie einst die Peripathetiker. Nehmen Sie dies als Chance, solch eine Form der Vorbereitung ohne Aufschreiben kennen zu lernen - egal, ob Ihnen das liegt oder nicht. Wenn Sie sich Stichworte, eine Gliederung oder Überschriften notieren wollen, nehmen die diese Karten und einen Stift mit. Bitte aber keine ausformulierten hingeschriebenen Sätze!“

 

Paare trennen sich vorübergehend.

JedeR geht für sich, wo man möchte und spricht laut vor sich hin den Entwurf für die später zu haltende weitgehend freie kleine Predigt. Gehen und reden. Dabei entwerfen und verwerfen. Dabei eine Gliederung finden, einen Anfang, Gedankenschritte, Ende.

Max Dauer der Predigt soll 6 min nicht überschreiten. – 20 min

 

kleine Pause – 10 min

¬¬¬_____

73 min

 

4. Präsentations-Phase (innerhalb des Paares)

- kann entfallen zugunsten der Präsentation im Plenum

Paare treffen sich wieder im Plenum.

Bekommen die Anweisung.

Gehen an einen selbstgewählten Ort.

 

a1. A spricht den Anfang

A – stehend - spricht zu B - sitzend - den Anfang der Kurzpredigt vor.

Erläutert noch, wie es weitergeht und endet im Überblick. B reagiert, korrigiert, ergänzt. Evtl ist bei dieser Variante etwas Zeit für eine 2. Fassung des Anfangs.

- 6 min

Oder:

a2: A spricht alles

A – stehend - spricht zu B - sitzend - die ganze Kurzpredigt vor.

B reagiert, korrigiert, ergänzt.

 

b. B spricht zu A (s.o.)

Entsprechender Ablauf wie a. – 6 min

____

85 min

 

Diese dialogische Vorbereitung wird manchen genügen für den Start in die heimische Komplettierung.

 

 

Im Weiteren kann die Gruppe nun an den Ergebnissen im Plenum arbeiten:

Übung freier Predigt vor allen.

Eine Kurz-Predigt (zb im Paar erarbeitet und erprobt) wird weitgehend ohne Konzept (ggfs Karten mit Überschriften auf die Erde legen) vor allen präsentiert. Hier ist größere Resonanz möglich, insbesondere das Augenmerk auf die Art und die Stimmigkeit der Darstellung von Gedanken und Person.

 

B. 2 Präsentationen im Plenum – ca. 60 min

1. Präsentation einer Predigt.

Plenum

 

a. Aufmerksamkeiten verteilen auf je eine Person:

• Wer nimmt die Zeit – und stoppt nach … Minuten (max. 6)?

• Wer achtet besonders auf Körpersprache und Blick - in Verbindung zu bestimmten Inhalten?

• Wer besonders auf Stimmklang und Atmosphäre der Präsentation?

• Wer betrachtet die Gliederung und ihre Logik?

• Wer beschreibt Intensitäts-Hochs- und –Tiefs in ihrer Abfolge?

Ansonsten achten alle auf das, was ihnen auffällt.

Besonders darauf, was freie und zugewandte Rede ermöglicht.

 

b. Präsentation _____

7 min

 

2. Nach der Präsentation Feedback

Plenum

 

a. Allgemeiner Eindruck. Assoziativ in Stichworten aus dem Plenum. 3 min

b. Die verteilten Aufmerksamkeiten abfragen. 6 min

c. Eine Sequenz exemplarisch vertiefend ansehen (zb verwirrender Übergang, Langatmigkeit, schlechte Redundanz o.ä). 5 min

d. Die speziell vertiefte Sequenz (nur die) sofort noch einmal neu sprechen lassen, damit die bessere Fassung nicht nur intendiert, sondern auch erlebt wird. 6 min

e. Beifall für den Mut zur Präsentation schließt jede Arbeit ab.

____

27 min/Präsentation samt Bearbeitung

 

Pro Präsentation und Feedback max 30 min, also ca 1 Stunde Aufwand für 2 Kurzpredigten samt Bearbeitung. Mehr Feedback-Zeit artet unter Umständen in Debatten aus, die nicht weiterführen.

Minimal 2 (wegen des Vergleichs), maximal 3 Präsentationen, danach folgt in der Regel Ermüdung.

Bei Bedarf nach Pause weitere Einheiten dranhängen.

 

 

Tipp für den Alltag:

Die Vorbereitungsphase A. ist auch am Telefon möglich.

 

 

 

 

Thomas Hirsch-Hüffell . www.gottesdienstinstitut-nek.de

 

 

Weitere Links

Das Predigtzentrum Wittenberg hat was Neues erfunden: eine virtuelle homiletische Exkursion zum Predigttext. Erstes Exemplar zum Reformationstag:
http://homiletische-exkursion.de

 

Goals

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Reflection / background

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General information on realization

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Preparation

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Realization

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Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

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Adopted and refined

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