Apfel-Gottesdienst

Author
a geistreich member
Created at: 2011-11-08
Last major update at: 2011-11-08
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Offene Kirchen und Wegekirchen, Mitgliederbindung, Kirchenraum und Kirchenpädagogik, Gemeindeaufbau, Erntedankfest, Gottesdienst unter freiem Himmel, Alternative Gottesdienste, Zielgruppengottesdienst, Bibelprojekte
Institutions
Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Matthias Jork in Jork
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: Ca. 2 - 3 Monate, je nach Projektumfang
Execution: 1 Gottesdienst
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Apfel-Gottesdienst

Abstract

In einem Gottesdienst am Ende der Apfelernte wird anhand des Apfels die Beziehung der Menschen zur Schöpfung thematisiert.

Situation / context

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Goals

Das Verhältnis von Mensch und Schöpfung wird anhand einer weit verbreiteten und in vielen privaten Gärten befindlichen Frucht bedacht. Gleichzeitig bietet der Apfel aufgrund seiner besonderen Symbolkraft eine Reihe weiterer Anknüpfungspunkte.

Reflection / background

Der Zusammenhang zwischen dem Pflanzen eines Obstbaumes und dem Genießen seiner Früchte ist - biblisch betrachtet - blühendes Anschauungsmaterial dafür, wie ein Leben Früchte tragen kann oder eben nicht.

Der Weinberg kann als Beispiel gelten: Wer der Stimme des Herrn nicht gehorcht, wird seine Früchte nicht genießen (5. Mose 28,30).

Wir würden das heute einen nicht nachhaltigen Lebensstil nennen, einen, der den Keim des Verderbens in sich trägt.

Heil dagegen besteht darin, dass dieser Zusammenhang stimmig wird, man also pflanzt und auch ernten kann. So kündet Jeremia mit einem unmittelbar einleuchtenden Bild eine neue Zukunft für das Volk Israel an: "Du sollst wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samarias; pflanzen wird man sie und ihre Früchte genießen" (Jer 31,5).

So elementar für ein gelungenes Leben scheint im Alten Testament dieser Zusammenhang, dass im sogenannten "Kriegsgesetz" des 5. Buches Mose dies ein Grund ist, vom Krieg die Finger zu lassen: "Wer einen Weinberg gepflanzt hat und hat seine Früchte noch nicht genossen, der mache sich auf und kehre heim, dass er nicht im Kriege sterbe und ein anderer seine Früchte genieße" (20,6). Wie Hausbau und Heirat, so verträgt sich auch der Obstbau nicht mit dem Krieg.

Mit solchen Aussagen intoniert die Bibel wesentliche Momente eines gelungenen Lebens. Es geht um den Zusammenhang zwischen Tun und Ergehen, der freilich gerade im Obstbau nicht immer sicher ist. (Die Bibel erzählt auch davon; vgl. Jes 5,1-7; Lk 13,6-9.) Es geht um die "Trägheit" der Natur, die uns zu einem anderen Tempo und zu einem Denken in größeren Zeiträumen und Zusammenhängen zwingt. Es geht schließlich auch um einen besonderen Spannungsbogen des Genusses, den das Obst uns abfordert - und schenkt. Im Vergleich zu vielen anderen für den Menschen wichtigen Kulturpflanzen sorgt der Obstbaum für eine Entschleunigung des Früchteerntens und ist in diesem Sinne per se "slow food".

Schließlich lehrt die Bibel, wovon auch unsere Papillen auf der Zunge zeugen: Obst schmeckt gut und ist lecker. Der Meister der Beschreibung dieser Seite des Obstes ist das "Hohelied" des Alten Testaments, dem das Obst gerade recht kommt, um seine erotische Botschaft bildreich in Worte zu kleiden. Der Duft des Atems der Geliebten ist "wie Äpfel" (7,9). Wie der Mann der Frau gut tut, kann sie so ausdrücken: "Er erquickt mich mit Traubenkuchen und labt mich mit Äpfeln" (2,5). Das Obst ist von einem Hauch von Luxus umweht, es ist das schlechthin Schöne, Wohltuende. Es bringt Genuss, spricht alle Sinne an. Es versetzt in den himmlischen Garten.

Aus all dem kann man für einen "Apfelgottesdienst" schließen: Der biblische Zusammenhang vom Pflanzen des Baums und dem Ernten der Früchte weist auf Visionen von Heil, oder einfacher gesagt: auf bestimmte Vorstellungen vom Wirtschaftsleben, von Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Biblische Sprache kann Gericht und Heil in Obstbildern zum Ausdruck bringen. Das Obst steht für die Zusage Gottes an Noah, dass Saat und Ernte nicht aufhören werden (1. Mose 8,22), aber dass wir diesen Zusammenhang schuldhaft verfehlen können. Das Obst zeigt sodann auch, dass erfülltes Leben Zeit braucht und sich unter der Zusage Gottes entwickelt.

General information on realization

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Preparation

Sinnvoll ist die Einbindung von privaten oder gewerblichen Obstbauern.
Gut lässt sich die Gottesdienst in einem Garten oder einem Obstbaubetrieb feiern. Über die hierfür erforderlichen Absprachen hinaus entspricht die Vorbereitung der eines "normalen" Gottesdienstes. 

Realization

Der Gottesdienst steht ganz unter dem Thema Obst und Äpfel.

Ein Apfel- oder Obstgottesdienst sollte Abstraktionen vermeiden. Daher kann eine "Apfelausstellung", die mit Hilfe örtlicher Obstbauern, Pomologen oder Naturschutzverbänden erstellt wird, in der Kirche einen guten Ort haben.

Zu Erntedank ist ein Schmücken mit Früchten ohnedies an vielen Orten üblich.

Aufklärung und Genuss könnten so gleichermaßen berücksichtigt werden.
Anbieten kann sich eine Bildpredigt über eines der vielen Bilder von der "Versuchung" oder dem "Sündenfall".

Mit einem Beamer sind die aus dem Internet heruntergeladenen Bilder leicht in der Kirche zu zeigen. Die seltsame Reduktion auf Mensch und Apfel ergibt Räume für viele Ideen unter den oben erläuterten theologischen Grundgedanken. Wenn man das dann noch unter die Überschrift "One apple per day keeps the doctor away" stellt, erhält man eine schöne Spannung, aus der sich eine lustvolle Predigt entwickeln lassen kann.

Der Text würde dann ziemlich gegen den üblichen Strich gelesen, aber das wird dem Text und der Gemeinde sicher gut tun.

Eine weitere Möglichkeit kann - bei entsprechender Naturkunde und sprachlicher Begabung - eine Predigt sein, die sich das Lob des Schöpfers in der Tradition der Psalmen mit einer intensiven Natur-Beschreibung zum Ziel setzt.

Neben den Liedern 499-515 im EG, die für das Thema "Natur und Jahreszeiten" ausgewiesen sind, sind auch unter den Osterliedern EG 106 und besonders EG 110 geeignet. Klassische Loblieder, wie "Großer Gott, wir loben dich" (EG 331) und "Lobe den Herren" (EG 316), können gleichfalls gut gesungen werden.

Passend sind ferner die Lieder "Wir teilen die Äpfel aus" und "Lied vom Hoffnungsbaum", deren Noten und Text in der Handreichung "Bäume der Hoffnung" (http://www.umwelt-nek.de/download/baeumederhoffnung.pdf) zugänglich sind.

Für Gottesdienste mit Kindern können die Lieder "Segne uns mit der Weite des Himmels", "Du hast uns deine Welt geschenkt" und "Er hat die ganze Welt / He's got the whole world" genutzt werden. Gerade bei den letzten Liedern bieten sich situationsbezogene Neudichtungen einzelner Strophen an.

 

Dauer

Übliche Gottesdienstlänge

 

Arbeitsaufwand

Richtet sich nach den realisierten Vorschlägen und der Nachbereitung/Umsetzung (z.B. Obstbaumpflanzungen)

Mitarbeitende

Für das "Anschauungsmaterial"/Geschmacksproben und dergleichen im Gottesdienst sollten Ehrenamtliche gewonnen werden. Zusammenarbeit mit Obstbauern ist regional gut denkbar, ebenso mit Umweltschutzverbänden.

 

Materialien

Vor allem Pflanzen oder Obst, das aus privaten Gärten oder Obstbaubetrieben beigesteuert werden kann. Auf eine ansprechende Präsentation in oder vor der Kirche wäre zu achten.

 

Kosten

Eher niedrig. Bei Obstpflanzungen sind für die Bäume entsprechende Beträge vorzusehen.

Wrap up & follow-up actions

Eine Gemeinde hat in aller Regel Möglichkeiten, selbst etwas praktisch für den Obstverzehr oder den Obstanbau zu tun.

Gemeindeeigene Flächen bieten vielleicht die Möglichkeit, eine Streuobstwiese anzulegen. Auch Baumpatenschaften oder Pflanzaktionen von Brautpaaren können eine Möglichkeit darstellen, diese Fläche im Gespräch zu halten. In diesem Kontext wäre ein Apfel- oder Obstgottesdienst sicher passend.

Eine Möglichkeit könnte auch eine Ernährungsschule in der Kindertagesstätte oder aber in Zusammenarbeit mit der örtlichen Schule sein. Der Besuch einer Streuobstweise mit sachkundiger Führung kann dazu kommen; Naturschutzgruppen und -verbände werden dabei gewiss dankbare Kooperationspartner sein.

Effect / experience

Tipps für Nachahmer/innen

Kleingartenvereine haben oder kennen Leute, die Obstbäume pflegen können, dies ist gerade in Städten wichtig.
Weitere Informationen finden Sie in den im Downloadbereich unten auf der Seite angehängten Dateien.

 

Ansprechpartner
Pastor Dr. Thomas Schaack
Umweltbeauftragter der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche
Kirchenstraße 4
25821 Breklum
Tel.: 04671 / 91 12 62
Fax: 04671 / 25 84
E-Mail: schaack@umweltpastor.de

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