Gedenken der Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen

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a geistreich member
Created at: 2011-11-11
Last major update at: 2011-11-11
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Bestattung, Gedenkgottesdienst, Volkstrauertag, Integration und Inklusion
Institutions
Arbeitsgemeinschaft kirchliche Flüchtlingsarbeit Hamburg in Hamburg
Keywords
Target audiences
Practitioners
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Preparation: Mind. 6 Monate
Execution: 4 Stunden
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Plakat

Abstract

In Gedenkgottesdiensten wird an die verstorbenen Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen erinnert.

Situation / context

Die Ohnmacht angesichts der Katastrophe, dass es soviele Tote im Mittelmeer gibt (allein im Jahre 2011 etwa 2500 Migranten).

Goals

Diese Ohnmacht lässt sich nicht in Aktionismus allein umwandeln. Es braucht dazu den Halt, den wir finden im Glauben an den, der das Leid auf sich nahm und teilte, um es zu überwinden.

Die Gottesdienste werden entweder um den Internationalen Flüchtlingstag, dem 21. Juni herum gefeiert oder am Ende des Kirchenjahres.

Die Menschen, die kommen, sind darauf eingestellt und sie ahnen oder wissen um die Vertsrickungen in dieser globalen Welt. Wir kleiden uns ein mit preiswerten Sachen, die von Kindern in Pakistan oder Indien genäht wurden. Wir essen Fisch, der vor den Küsten Ghanas gefischt wurde und der dort fehlt, wir leben von subventionierten Lebensmitteln, deren Überfluss in arme Länder geschafft, doppelt Schaden anrichtet und die Landwirtschaft dort zerstört.

Um den Reichtum hier zu schützen, der auch immer weiter ungerecht verteilt ist, so dass auch hier immer mehr Menschen als arm gelten, sind die Mauern hochgezogen, um die Villen in den reicheren Vierteln ebenso, wie um ganz Europa. Diese Gier ist tödlich für viele Menschen.

Reflection / background

Die Gedenkgottesdienste lassen die Mutter in Afrika zu Wort kommen, die ahnt, dass ihr Sohn nie wiederkommt, da er sich nach der Abfahrt mit dem Schiff nie wieder gemeldet hat.  Dabei sind die Gemeindemitglieder, die selbst aus Afrika kamen oftmals nicht in der Lage, mit uns zu feiern. Sie haben es geschafft, hier anzukommen. Den Preis, den viele ihrer Geschwister mit dem Leben bezahlen, bedrückt sie noch in ganz anderer Weise. Viele brechen in Tränen aus und halten dem Schmerz nicht stand. An ihrer Seite braucht es Menschen, die mittragen helfen.

Ein togoischer Kollege, der mit mir auf Malta in den Flüchtlingslagern war, war außer sich, als er auf einen Landsmann traf, der diese gefährliche Route übers Mittelmeer gewagt hatte und knapp überlebte. Die Erschütterungen sind tief und es braucht Begleitung und Gebete, um der Wahrheit standzuhalten. Viele Menschen sind verzweifelt, gerade die junge und gebildete Generation ohne Zukunft versucht hier wie dort alles, um ein Stück Leben zu erhaschen. Der Preis dafür ist hoch und sich diesem Schmerz nicht zu stellen, ist blind und ignorant.

In der Ohnmacht wächst die Kraft, dort wo wir einander unsere Schuld und Scham bekennen, wächst auch die Kraft, um neue Ideen zu gewinnen und hier vor Ort solidarisch das Leben zu teilen.

Gästewohnungen für irreguläre Migranten, Kirchenasyle für Flüchtlinge, denen nicht geglaubt wurde oder die wieder in das Elend der südeuropäischen Nachbarländer zurückgeschickt werden sollen, bekommt neue Nahrung, wenn wir den Geschichten lauschen.

Aber auch Save me!- Resettlement- Aufrufe und Kampagnen zur Willkommenskultur, Bleiberechtsbewegung sind Möglichkeiten, mit der Flüchtlingsaufnahme ernst zu machen.

General information on realization

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Preparation

Diese Gedenkgottesdienste habe ich mit einigen Kollegen von uns in der Ökumenischen BAG Asyl in der Kirche seit 2006 "erfunden". Wir machen dies jetzt zum wiederholten Male mit verschiedenen Menschen gemeinsam, wie der Diakonischen Basisgemeinschaft Brot-und Rosen (www.brot-und-rosen.de), der Ökumenebeauftragten der NEK und der Europareferentin hier in Hamburg, sowie der (zukünftigen) Bischöfin Kirsten Fehrs. Aber auch in Lübeck wird am Buß- und Bettag das Thema aufgegriffen. Wir laden immer wieder die afrikanischen Gemeinden mit ein, mit uns zu feiern. Wir suchen Musik gemeinsam aus, das kann von klassischen Requiem bis hin zu moderner Jazzmusik gehen.

Realization

Wir lassen in Zeugnissen der Betroffenheit die zu Wort kommen, deren Stimme sonst verstummt. Immer mehr Menschen auch in unseren Flüchtlingsheimen haben eine lange gefahrvolle Fluchtroute hinter sich. Viele haben keinen Raum darüber zu sprechen, trauen sich nicht, aus Furcht vor Schlepperbanden oder Rückschiebungsandrohungen, etwas von ihren traumatischen Erlebnissen preiszugeben. Manchmal gelingt es dennoch, einen Menschen selbst zu Wort kommen zu lassen. Doch ist das sehr sensibel zu begleiten.  Manche Interviews von Flüchtlingen kann man vortragen. Gabriele del Grande z.B. hat diese Fluchtgeschichten gewürdigt, aber auch andere lassen Flüchtlinge zu Wort kommen. Passagen solcher Fluchtgeschichten sind zu lesen (s.a „Asylmonologe“).

In der Predigt geht es darum, die Ursachen aufzuzeigen und unsere Verstrickung daran mit zu thematisieren, ohne dass dies zu moralisch daherkommen sollte. Es sind die Fakten, die auch nicht im Übermaß vorgebracht, dies verdeutlichen. Deutschland verdient an Rüstungsgeschäften, unsere Wirtschaft boomt und die EU hat mit Handelsschranken und andererseits offensiven Absatzstrategien, an Verarmung und Klimaverschiebungen grüßen Anteil. Die bedeutet aber eine Entwurzelung vieler Menschen und führt zur Flucht, ebenso wie die Konflikten weltweit. Dass die meisten Flüchtlinge eh in den Nachbarländern verbleiben und nur die verzweifelsten oder mutigsten sich auf den Weg bis Europa machen, um dort vor Grenzabwehr und einer inneren Abwehr mit schlechter Unterbringung, Asylverfahren, die von Abwehr geprägt sind, empfangen werden, ist die andere Seite.  

In Hamburg haben wir ein langes schwarzes Tuch, das im Altarraum liegt und  das mal mit Fundstücken von griechischen Stränden (Rettungsweste, Schlauchbootstücken und Steinen) bestückt war, mal mit Fotos aus Malta.

Es gibt eine lange Zeit des Schweigens und des Gebets, wo die GottesdienstteilnehmerInnen ihre Gebete mit einer Kerze in den Altarraum tragen.

Glauben meint einen Halt zu haben, der einen zum Lieben, Hoffen und Handeln befreit. Dies ist wichtig zu betonen und im Segen ist dies weiterzusagen.

 

Link

www.ccme.be 

Wrap up & follow-up actions

Meist gibt es im Anschluss Gelegenheit noch etwas zu Essen oder Trinken und nachzufragen.

Wir empfehlen Bücher und Websites, falls Menschen sich zukünftig mehr informieren wollen, denn die Medien greifen dieses Thema wenig auf. Viele junge Menschen machen sich aber inzwischen auf und machen an den EU-Außengrenzen ein Praktikum und setzen sich dort vor Ort ein.

Effect / experience

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Adopted and refined

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