Gemeinde gestaltet ihren Kirchraum

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a geistreich member
Created at: 2010-05-20
Last major update at: 2010-05-20
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Mitgliederbindung
Institutions
Kirchengemeinde Lennep in Remscheid
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: 7 Monate
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2 votes
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Gemeinde gestaltet ihren Kirchenraum

Abstract

Jugendliche und Erwachsene aus den Gemeindegruppen gestalten Altartücher und Wandbehänge in vier Farben des Kirchenjahres (violett, weiß, rot und grün). Psalmverse aus dem Kontext der entsprechenden Kirchenjahreszeit bilden dazu die Textgrundlage.

Situation / context

Im Saal des Gemeindehauses Hackenberg wird jeden Sonntag ein Familiengottesdienst gefeiert. Daneben bietet der Saal unter der Woche vielen Gemeindegruppen Raum für geselliges Beisammensein, für inhaltliche Arbeit und für die Gestaltung ihres geistlichen Lebens.

Den "Altarraum" des Saales schmückte bisher jeweils ein Misereor-Hungertuch (alle zwei Jahre wechselnd). Mit dieser Gestaltung gingen aber zum einen technische Schwierigkeiten einher (das Tuch ragte weit in den Raum hinein und musste darum zu größeren Veranstaltungen abgenommen werden), zum anderen wurde das Kirchenjahr so nicht in seinen unterschiedlichen Ausprägungen erkennbar. Das zuletzt aufgehängte Hungertuch (aus China, 2007) mutete zudem vielen fremd an und bot nur wenig Identifikationsfläche. Schon seit einigen Jahren bestand in der Gemeinde der Wunsch nach einer angemesseneren Gestaltung des Altarraums; das Hungertuch wurde als "Notlösung" empfunden.

Goals

Ziel des Projektes war die dem Gemeindesaal angemessene Gestaltung von Paramenten in den vier liturgischen Farben violett, weiß, rot und grün. Diese sollen auch unter der Woche an Ort und Stelle bleiben können. So rückt zum einen der Gottesdienst als Mittelpunkt des Gemeindelebens in den Blick, zum anderen erfahren die unter der Woche stattfindenden Gruppen Wertschätzung als Teil des gottesdienstlichen Lebens des Gemeindehauses (vgl. Matthäus 18,20).

Gemeindeglieder, die den Gemeindesaal v.a. unter der Woche nutzen, können sich durch die Mitgestaltung des Gottesdienstraumes stark mit diesem und dem gottesdienstlichen Leben identifizieren.

Sie finden einen Zugang zu den Psalmen und werden in ihrer kreativen Ausdrucksfähigkeit bezüglich biblischer Texte und eigener Glaubensfragen gestärkt. Die Tücher versinnbildlichen jeweils durch die Beteiligung diverser Gruppen die Verschiedenheit, aber auch die Zusammengehörigkeit von Menschen aus der Gemeinde.

Reflection / background

Das Projekt verbindet Wissen über das Kirchenjahr und die Paramentik mit der Gestaltung von Paramenten.

General information on realization

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Preparation

Zunächst wurden in der Vorbereitung Psalmen zu den jeweiligen Kirchenjahreszeiten ausgewählt (Introitus- bzw. Wochenpsalm). Ein Konzept zur Erstellung von Skizzen für die einzelnen Teile der Altartücher wurde erarbeitet, das die Teilnehmenden befähigte, sich anhand von Farbe und Form zu einem Psalm auszudrücken und sie zudem mit der Farbsymbolik des Kirchenjahres vertraut machte. Wichtig war dem Team eine möglichst abstrakte Gestaltung der Bilder zu den Psalmen; die künftigen Altartücher sollten zur Meditation einladen, ohne vom Gottesdienstgeschehen abzulenken.
Es wurden Gruppen angesprochen, die den Saal des Gemeindehauses v.a. als Raum für ihre Gruppenzeiten nutzen: Sowohl Erwachsene als auch Jugendliche, z.T. mit Behinderung konnten zur Mitarbeit am Projekt gewonnen werden, insgesamt vier Gemeindegruppen (Die "Fröhliche Frauenrunde", ein Bibelkreis, eine Konfirmandengruppe und eine integrative Gruppe).

Realization

 In jeweils zwei Gruppensitzungen à 3 Stunden  bzw. bei den Jugendlichen an einem Projekttag wurden Teile der Altartücher gestaltet: Nach einer Annäherung an die für viele ungewohnte Aufgabe, sich in Farben und Formen auszudrücken, und einer Einführung in die Tradition der kirchenjahreszeitlichen Farben fertigten die Teilnehmenden in Kleingruppen (meist zwei bis drei Personen) Skizzen zu einzelnen Psalmen an. Hierfür verwendeten sie Wasserfarben und Papier. In der folgenden Sitzung wurden die Skizzen auf den Stoff übertragen. Dabei standen Stoffstücke zum Ausprobieren zur Verfügung, ein Hobbykünstler aus dem Projektteam hatte zuvor an einem solchen Probestück Techniken und Gestaltungsmöglichkeiten mit Textilfarbe auf Stoff aufgezeigt.
Die Paramente einer jeden liturgischen Farbe bestehen aus vier Teilstücken; die vier teilnehmenden Gruppen sind an jeder Farbe beteiligt, der Altarschmuck symbolisiert so fortan sowohl Verschiedenheit als auch Verbundenheit in der Gemeinde.
Zur Fertigstellung der Altartücher wurden die rahmenden Ränder farblich gestaltet und anschließend vernäht.
In einem festlichen Gottesdienst wurden die Paramente der Gemeinde vorgestellt und in Dienst genommen.

 

Tipps für Nachahmer/innen

Die Skizzen mit Wasserfarbe anzufertigen, erwies sich als nicht sehr günstig, da sich die Gestaltungsmöglichkeiten mit Textilfarbe auf dem Stoff sehr von denen mit Wasserfarbe unterscheiden.
Feuerfeste Stoffe sind zwar in der Anschaffung deutlich teurer, nachträglich aufgetragener Brandschutz muss allerdings nach jedem Waschen neu aufgefrischt werden.

Dauer

Das Projekt erstreckte sich von Februar bis September 2008.

Arbeitsaufwand

Neben drei Teamsitzungen zur Vorbereitung fanden in den Erwachsenen-Gruppen jeweils zwei Treffen statt (1,5 Stunden), mit den Jugendlichen je ein Projekt-Nachmittag. Die zudem zu bewältigenden Aufgaben der Vor- und Nachbereitung wurden von einzelnen Mitarbeitern übernommen bzw. zum Teil delegiert.

Mitarbeitende

Zu dem Projektteam zählten vier Mitarbeiter, jeweils zwei haupt- bzw. ehrenamtliche: Die Küsterin brachte v.a. die Belange des Gemeindehauses ein, die Vikarin verantwortete die theologische und religionspädagogische Arbeit. Ein Gemeindeglied und "Hobbykünstler" war für alle künstlerischen Fragen in der Vorbereitung und Durchführung zuständig, seine Frau für die fotografische Dokumentation des Projekts.

Materialien

Papier, Wasserfarbe (zur Erstellung der Skizzen), Stoffe, Textilfarbe, Brandschutzmittel, Nähgarn, Material für die Aufhängung der Paramente, Teppichkerne zur Aufbewahrung.

Kosten

ca. 500 € für Material

Wrap up & follow-up actions

Nach dem Gottesdienst zur Vorstellung und Einführung der Paramente blieben alle vier Altartücher als Ausstellung noch einige Zeit im Gemeindesaal hängen. Viele Gemeindegruppen zeigten sich sehr interessiert, es fanden Schulgottesdienste und Andachten zu den liturgischen Farben statt, die anhand der Tücher erläutert wurden.
Seit Beginn des Kirchenjahres 2008/ 2009 bereichert der Altarschmuck in der jeweils kirchenjahreszeitlich aktuellen Farbe auch unter der Woche den Saal. Der Wechsel der Tücher erregt immer wieder neu Aufmerksamkeit für die Vielschichtigkeit des Kirchenjahres.

Effect / experience

Insgesamt waren an der Gestaltung der neuen Paramente über 40 Gemeindeglieder unterschiedlichsten Alters beteiligt. Die Gemeinde war im Vorfeld im Gemeindebrief über das Projekt informiert worden und verfolgte dieses mit hohem Interesse. Zum Vorstellungsgottesdienst der Tücher erschienen nicht nur fast alle Beteiligten, sondern auch viele interessierte Gemeindeglieder.
Auch nichtbeteiligte Gemeindegruppen zeigten sich aufgeschlossen und begeistert gegenüber den Altartüchern. (Dass sie auch ihnen Identifikationsfläche bieten, zeigte z.B. das Interesse des neuen Konfirmandenjahrgangs daran, welche Teile der Tücher von Konfirmanden gestaltet wurden.)

Rückmeldungen der Teilnehmenden und Mitarbeitenden: Nach anfänglicher Skepsis auf Seiten vieler Teilnehmer angesichts der als anspruchsvoll empfundenen Aufgabe waren schließlich die am Projekt Beteiligten von den Ergebnissen sehr angetan. Bei dem Vorstellungsgottesdienst, bei dem sie erstmals "ihren" Teil als Stück eines Gesamtwerkes sahen, und auch später, zeigten sich viele sehr begeistert von den Ergebnissen ihrer gemeinsamen Arbeit.

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