Rad statt ratlos in Berlin

Author
a geistreich member
Created at: 2011-12-06
Last major update at: 2011-12-06
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Menschen in Armut, Arbeitswelt und Arbeitslosigkeit, Integration und Inklusion, Freiwilligendienste
Institutions
Holzkirche e.V. in Berlin
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: Ca. 6-8 Monate
Execution: Ein auf Dauer angelegtes Projekt
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2 votes
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Rad statt ratlos

Abstract

„Rad statt ratlos“ ist Name und Programm zugleich. Es geht um Bewegung, Dynamik und um Mobilität in der Großstadt, die außer strampeln nichts kostet.

Situation / context

Es geht um Bewegung, Dynamik und um Mobilität in der Großstadt.

Knapp 15 Euro erhalten Hartz-IV-Empfänger für Verkehrskosten im Monat, für das Sozialticket der BVG sind aber 33,50 Euro fällig. Jedes Bus- oder U-Bahn-Ticket kostet viel, das summiert sich schnell. Um unter diesen Umständen mobil zu bleiben, wurde die Idee mit den Fahrrädern entwickelt.

Goals

Speichen werden am Hinterrad neu eingesetzt, ein Plattfuß mit einem Flicken behoben, ein Rahmen lackiert und bei dem Damenrad die Gangschaltung wieder funktionsfähig gemacht.

Zwischen 15 und 20 Uhr herrscht Hochbetrieb in der kleinen Werkstatt in Berlin-Lichterfelde-Süd. Sechs Jugendliche kommen zurzeit regelmäßig nach der Schule für ein, zwei oder noch mehr Stunden in die Werkstatt. Sie bringen für ein paar Euro alte und gespendete Fahrräder so auf Vordermann, dass sie wieder flott und funktionsfähig sind. An manchen Tagen reparieren sie bis zu 30 Räder. Für zehn bis 15 Euro Schutzgebühr werden die Räder anschließend an Bedürftige weitergeben. Sie müssen nur noch einem Hartz-IV-Bescheid oder einem Rentnerausweis vorlegen – dies hat auch den Hintergrund, dass keine cleveren Händler sich hier günstig mit Gebrauchträdern eindecken. Wer die Schutzgebühr nicht aufbringen kann, aber einen Drahtesel braucht, kann in der Werkstatt mitarbeiten und kommt so schnell zu einem Fahrrad.

Reflection / background

„Rad statt ratlos“ ist Name und Programm zugleich.

Es geht um Bewegung, Dynamik und um Mobilität in der Großstadt, die außer strampeln nichts kostet.

Knapp 15 Euro erhalten Hartz-IV-Empfänger für Verkehrskosten im Monat, für das Sozialticket der BVG sind aber 33,50 Euro fällig. Jedes Bus- oder U-Bahn-Ticket kostet viel, das summiert sich schnell. Um unter diesen Umständen mobil zu bleiben, wurde die Idee mit den Fahrrädern entwickelt.

Der Nebeneffekt ist, dass Jugendliche mit dem Motto „aus alt mach neu“ vertraut gemacht werden. Das Tolle an der Fahrradwerkstatt ist, dass bei einem Drahtesel noch alles überschaubar ist. Es sind weder zu viel Teile, noch überfordert die Technik die Jugendlichen. Es gibt Erfolgserlebnisse und es wird auch noch kaufmännisches Basiswissen vermittelt. Jugendliche zum Beispiel, die meinen, die Räder müssten zu einem Preis von 20 bis 50 Euro vermarktet werden, wird in diesem Stadtteil von Berlin schnell merken, dass das der Markt hier nicht hergibt.

General information on realization

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Preparation

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Realization

Der ein oder andere ältere Bewohner aus dem Viertel bringt sein Rad zur Reparatur. Die ist für dieses Art von Kunden kostenlos, Spenden sind jedoch willkommen. Denn schließlich muss der Laden sich selbst finanzieren. Unterstützung gibt es in Form von Werbung in Berlin von der Diakonie. Die sorgt mit dafür, dass Gebrauchträder eingesammelt und in die Werkstatt nach Neukölln geschafft werden. Manchmal fehlen einfach Damenräder oder aber es kommt zu einem Engpass bei Kinderrädern. Die Stelle von Constantin Huth, Geschäftsführer des Vereins und pädagogischer Leiter, wird von der Ev. Petrus-Giesensdorf Kirchengemeinde Lichterfelde finanziert. Seit 2005 gibt es hier Fahrräder für Bedürftige, die Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt existiert seit 2001.

„Wir haben auch Bücher im Angebot“, sagt mit Stolz in der Stimme Constantin Huth. Bikes & Books – so nennt er das neue Angebot. Anwohner und Unterstützer bringen die ausrangierten Bücher. Er sichtet, sortiert und verkauft dann die Bücher weiter. Dabei helfen ihm die Jugendlichen. „Ich möchte ihnen die Angst vor dem Buch nehmen, Literatur muss ja weder bedrohen noch einen erschlagen.“ Es geht um neue Blickwinkel und ein wenig auch um die Vermittlung von Lebensweisheiten. Oder anders ausgedrückt, hier lernen Schüler und Jugendliche, dass es sich lohnt, etwas aufzuheben, anzupacken und Wert zu schätzen. Sie erwerben Fertigkeiten, haben dabei ihren Spaß und lernen den Umgang mit Kunden. Die Jugendlichen sind stolz, wenn sie aus vielen alten Teilen ein Rad zusammenschrauben. Manchmal zeigen sie dann auch ganz selbstbewusst der Wegwerfkultur die kalte Schulter.

 

Kontakt
Kinder-Jugendhaus Holzkirche /Holzkirche e.V.
Koloniestr. 9 / 9a
12209 Berlin
www.holzkirche-online.de

Wrap up & follow-up actions

Auf der Fassade des Fabrikgebäudes in der Gitschiner Strasse 15 steht

"Zentrum für Kultur. Gegen Ausgrenzung und Armut".

Nicht weit ist es bis zum neugotischen Backsteinkuppelbau der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg. In dem Sozial- und Kulturzentrum Gitschiner 15 können Menschen mit wenig Geld kreativ arbeiten oder einfach Kaffee trinken. Am 28.9.2010 feierte das Zentrum mit über 300 Gästen sein 10jähriges Bestehen. Die Feier in der Heilig-Kreuz-Kirche eröffnete der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Zuvor standen aber Stammgäste der Gitschiner 15 am Mikrofon und berichteten, wie wichtig ihnen diese außergewöhnliche Volkshochschule mit ihren kostenlosen kreativen Angeboten ist. Musikgruppen aus der Gitschiner 15 sorgten mit Trommeln, Piano und Trompete für eine schwungvolle Feier. Das Projekt erhält keine Fördermittel und ist folglich auf Spenden angerwiesen. Firmen oder Privatpersonen können Paten werden und bekommen dann – ab einer Spende in Höhe von 500 Euro – als Dank einen Quadratmeter Kunst. Sie können unter den Gemälden, Zeichnungen oder Collagen, die die Gäste der Gitschiner 15 individuell gestaltet haben, auswählen. Projektträger ist die Evangelische Kirchengemeinde Heilig Kreuz-Passion, die sich seit 1990 um Arme und Obdachlose kümmert. Der Gemeindekirchenrat finanziert eine Mitarbeiterin, die anderen Stellen sind ehrenamtlich besetzt beziehungsweise werden über Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarkts finanziert.


www.gitschiner15.de

Effect / experience

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Adopted and refined

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